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Heute ist wohl Dingstag

Aufgewacht, aufgestanden, auf den Wecker geschaut: Viel zu früh. Mist. Spontaner Gedanke: Könnte mal wieder Counterstrike spielen. Oder Doom. Im Berserker-Modus. Oder irgendein anderes brutales, menschenverachtendes, von Politikern als "Schlimm, schlimm, schlimm." eingestuftes Computerspiel, also irgendwie virtuell eintauchen und Dinge geschehen lassen, die aus gutem Grund gesellschaftlich nicht unbedingt anerkannt sind, jedenfalls nicht hier, im Irak oder in Afghanistan oder Tschetschenien oder oder oder sieht das natürlich schon wieder ganz anders aus.

Oberstes US-Gericht spricht Bürgern Recht auf Waffen zu

Das ist nur ein Beispiel. Sagt man besser nichts zu, freie Bürger sollen natürlich freie Waffen tragen dürfen, aber nicht auszudenken, was passiert, wenn die USA mal Europameister wird, jetzt mal ganz hypothetisch - man weiß ja nie, und die freien Bürger sich dann dort Löcher in die Bäuche freuen. Im wahrsten Sinne. Oder so ähnlich.

Und dann? Einfach Kaffee schlürfen, draußen scheint die Sonne, die Nachbarin brüllt ihren Sohn an, der zu früher Stunde sinnentleerten Deutsch-Hiphop hört. Der braucht das bestimmt, zum Aufwachen, zur Bestätigung seiner sozialen Position oder einfach nur um einen Grund zu finden, das Leben gleichzeitig scheiße und schön zu finden. Ich dings deine Mudda, ey. Danach zieht er dann los und irgendeinen verängstigten Mitschüler ab, während ich vor der Glotze sitze und die Playstation läuft und ich knalle Typen ab oder Monster, aber vielleicht lieber Typen, das ist doch viel realistischer. Vielleicht hinterher noch eine liebevoll animierte Kriegssimulation (Command & Conquer?) und dann wieder Kaffee und wenn die Sonne auf den Balkon scheint, höre ich wieder mit dem Rauchen auf. Für den Weltfrieden. Ja, ja, die Welt ist schlimm, böse und gemein, aber wie, bitte schön, soll ich das jetzt den Kindern möglichst schonend beibringen?
 
Fr, 27.06.2008 |  # | (984) | 8 K | Ihr Kommentar | abgelegt: verstaendnisuebung



 

Na gut

Macken. Hab ich. Und 6 auch. Also Macken. Und Blogger müssen ja im Prinzip ständig über sich und sich selbst reden, also immer und überall, weiß ja das Feuilleton und wasweißichnochwer, darum rede ich heute auch wieder über mich:

Macke Nr. 1: Kaffee trinke ich nur morgens. Manchmal vielleicht auch zwischen dem Morgen und dem Mittag, aber nicht am Nachmittag, schon gar nicht am Abend und nachts auch nur dann, wenn ich nicht schon zu viel Wodka Redbull getrunken habe, was ja auch selten vorkommt.

Macke Nr. 2: Wenn ich Essen aus Pfannen und Töpfen auf Teller umschichte, achte ich beim Befüllen peinlichst genau auf die Einhaltung der richtigen Reihenfolge. Zuerst müssen die Teller in einer Reihe stehen. Dann kommt zuerst etwas auf den hintersten Teller, dann auf den davor stehenden, dann auf den davor stehenden und so weiter. Ich frage mich fast täglich, ob das normal ist. Ich finde schon.

Macke Nr. 3: Pflanzen gieße ich erst, wenn sie traurig aussehen und die Blätter schlaff herunter hängen.

Macke Nr. 4: Wenn ich nervös bin, schnippse ich mit den Zehen oder wackle mit den Ohren. Letzteres dient manchmal auch als letzter Versuch der Kinderbelustigung.

Macke Nr. 5: Ich kann nur mit dem linken Ohr telefonieren.

Macke Nr. 6. Zeitungen von hinten durchzulesen, ist für mich überhaupt keine Option. Streitfrage in diesem Zusammenhang: Wenn nun vorne hinten und hinten vorne ist, könnte man nicht doch an der Stelle vorne anfangen, an der bisher hinten war, wenn hinten vorne und vorne hinten ist? Und auch umgekehrt?
 
Mi, 25.06.2008 |  # | (1617) | 15 K | Ihr Kommentar | abgelegt: lustige bloggerspielchen



 

It´s over – let´s dance

Klage! Klage. Klage? Klage! etc.

[Ein gewisse Voreingenommenheit lässt mich den FAZ-Artikel äußerst blöd finden, rein subjektiv. Ich halte das alles für Geschmackssache, jeder sollte doch eher für sich entscheiden, ob das Material etwas für ihn abwirft oder ob es unglaublich inhaltsleer ist. Aber gut, was sollte man denn sonst noch ins Feuilleton schreiben? Schade, denke ich nur, schade. Es gibt ja so Blogs, die sollten niemals aufhören.]
 
Di, 24.06.2008 |  # | (871) | 1 K | Ihr Kommentar | abgelegt: blogdings



 

862

Rien ne vas plus steht auf dem Zettel, den ich mir selbst schrieb, nichts geht mehr. Aber das ist ja Quatsch, sage ich mir, sagen wir, das stimmt ja nicht, wenn man nach vorne schaut, wird es immer wieder Optionen geben, Lichtblicke, trotzdem, man kann auch nicht weglaufen vor diesem ja, aber, das einem umschwirrt wie ein unangenehmer Schwarm Scheißhausfliegen, man wird zum Bedenkenträger, statt zum Entscheider, man möchte einfach mal laut schreien oder über Schatten springen. Nein, der Gedanke, dass nichts mehr ginge, der ist absurd, wenn man die Realitäten bedenkt, es geht immer was, so war das doch immer schon und am Ende wirklich (fast) alles richtig.
 
Fr, 20.06.2008 |  # | (702) | 2 K | Ihr Kommentar | abgelegt: verstaendnisuebung



 

Ich sing' für dich

Und in der Nacht dann diesen Song geschrieben, der ja schon am Nachmittag im Sonnenlicht strahlte und nur noch vollendet werden musste, dieser Song, der unbedingt "Die Frau, die ich liebe, liebt Pornoschaufeln" heißen musste, das war schon vom Anbeginn der Idee so. Hat auch etwas Göttliches, so eine Idee. Und so flirrt diese Idee durch die Nacht und es entsteht auch etwas, ein Plädoyer für den Mainstream, der ja auch nichts anderes ist, als die Summe aller Teile, geteilt durch die Masse, also doch schon menschliche Züge aufweist, nein, nicht nur aufweist, sondern ein Extrakt einer sogenannten Menschlichkeit ist und die Kunst des Ganzen liegt doch am Ende darin, aus diesem durchaus auch positiv stimmenden Plädoyer, diesem plötzlich erkennbaren Lebensmut, der durch die beigefügten Beats und Melodien auch noch bis aufs Äußerste verstärkt wird und in gerade einmal drei Minuten dreiundzwanzig Spielzeit bisher unbekannte Glücksgefühle auslöst, gleichzeitig einen Protestsong zu machen, einen Protestsong gegen diese unangenehmen Formen selbstverliebter Ablehnungsreflexe, gegen schwurbelhafte Voreingenommenheit, aus Unwissenheit oder, noch schlimmer, aus diesem angelesenem Überwissen, mit dem dann andere belästigt werden, und gegen ganz allgemein übelriechende Überheblichkeit. Und wenn dann der letzte Klang verhallt ist, muss man dann auch sitzen bleiben und wird überwältigt von der plötzlich eintretenden Stille und dann weiß man, dass alles gut sein kann.

[Todo: Nun noch einen Protestsong gegen fleischfarbene Damenfeinstrümpfe schreiben und danach sechs aus 49 Macken auswählen - Stöckchen, Stöckchen, du musst wandern - dann wäre wieder Zeit für alles.]
 
Do, 19.06.2008 |  # | (834) | 2 K | Ihr Kommentar | abgelegt: phantasien



 

Ringbahn

Der Fleischer fragte mich, ob es ein wenig Melancholie sein dürfte. Oder war es Meer? Es war wohl mehr, aber auch das war mir recht. Dann fuhr ich Straßenbahn. Ein kleines Mädchen hatte man mit Deutschlandfahnen bemalt, ich musste an die Zweienhalbjährige denken, die im Fernsehen gezeigt wurde, sie war eigens für diesen Zweck trainiert worden, in der vierer Abwehrkette: auswendig lernen, Video drehen, Youtube, Fernsehen. Sie konnte die Namen aller deutschen Spieler aufsagen, auch die Namen der Trainer, alles in noch leicht unverständlicher Kindersprache, im Hintergrund hörte man die Mutter soufflieren, so geht das also heute mit den Kindern. Als irgendwann mal Xavi auflief, riefen die Jungs laut "Xavi" und zwar im Chor, sie hatten in einer Zeitung ein Poster von ihm gefunden, dieses ausgeheftet, einer hatte es vorgelesen und beide haben sich den Namen zum Gesicht eingeprägt. Solche Momente der Überraschung zu entwürdigen, diese also anders als rein gedanklich aufzuzeichnen, immer feste drauf mit der Kamera, den privaten Papparazzi spielen und dann hochgeladen, iss doch witzisch, nur um irgendwie Aufmerksamkeit zu erzeugen und wenn man dies nicht selber schafft, dann müssen eben die Kinder ran, die haben ja auch den niedlichen Kinderbonus, nein, das geht absolut nicht.

Die Treppe am Bahnhof herunter gehüpft, Hose gerutscht, könnte mal wieder mehr essen, etwas aus dem Meer essen, vielleicht, aber es gibt doch immer so viel zu tun. Menschenansammlung. Unterschwelliger Hass gegen den öffentlichen Nahverkehr, Menschen stapeln sich auf Bahnhöfen, an Haltestellen, man muss plötzlich Gerüche ertragen, die man an sich selbst gar nicht erst erleben möchte, wandelnde Feuchtgebiete, Schweiß, alte Klamotten, Alkoholausdünstungen, kalter Zigarettenrauch und was es sonst noch alles an menschlichen Geruchsausscheidungen oder auch Geruchsanhaftungen gibt. Unerträglich, nur der Gedanke. Dann schien mir auch noch die Sonne auf den Kopf und eigentlich, ja, eigentlich, ja, genau. Eigentlich. Aber doch. Ringbahn, Landsberger Allee. Vor Jahren stand hier noch der alte Schlachthof, den auch Döblin so plastisch beschrieben hatte. Auf dem Weg ins SEZ, das war noch Kindheit, sah ich einmal, wie das Vieh hinein getrieben wurde, umgeben von Angst und Tod, obwohl die Tiere ja gar nicht wissen konnten, dass sie diesen Ort nur noch gut gekühlt, ausgeweidet und blutleer verlassen würden, um dann von hungrigen Menschen verspeist zu werden. Die Industrialisierung der Nahrungskette. Aber nein, ich bin weder Veganer noch Vegetarier, ich halte nur die Eindrücke fest.

Irgendwann kam dann eine Bahn und ein Fensterplatz war frei, auf den ich mich setzte um hinaus zu schauen und zu sehen, was es zu sehen gab. Neben mir zwei Männer die Bier tranken. Bis heute hat sich mir die Notwendigkeit, in öffentlichen Verkehrsmitteln Bier zu trinken, nicht erschlossen, im Gegenteil, das ist doch radikal abzulehnen, diese vorgezeigte Prolligkeit, dieses Zischen und Klacken und Schlucken und Glucksen, warum machen die das? Ich kann es mir nicht erklären. Vorbei zogen Graffiti, die S-Bahn-Strecke als öffentliche Galerie, man hatte ja selbst mal Träume, die man versuchte, nächtens zu verwirklichen, also dieses mit Adrenalin gefüllte Traben über Stromschienen, dieses Lauschen und Hören und dann schaute man, ob jemand kam und wenn nicht, machte man sich ans Werk, ach, das sprühte und roch so gut, später lag man im Bett und war ganz berauscht, von dem Gedanken und überhaupt fragte man sich, ob man nun Kunst veranstaltet hatte, eine Kunst, die nur wenige akzeptieren, weil sie gesellschaftlich überhaupt nicht anerkannt ist, lieber Musikantenstadl oder Wetten dass...?!, nun ja, so ist das nun mal.

Gesundbrunnen, die Bahn fuhr ein, Umsteigen, in Richtung Wannsee, die Gedanken kamen aber mit, sie rissen nicht ab und die letzten vier Stationen hatte ich mich nicht gelangweilt, beim Hinausschauen aus den zerkratzten Fenstern der S-Bahn.
 
Di, 17.06.2008 |  # | (864) | 4 K | Ihr Kommentar | abgelegt: haltestellenkino



 

858

Sich mit Dingen zu beschäftigen, mit denen man sich nie beschäftigen wollte, ist doch schon Macke genug.

[Und dann mit Schritten die Straße abmessen, so als wäre man wer. Pfft.]
 
So, 15.06.2008 |  # | (654) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: kurze saetze trallalla



 



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Online seit: 08.02.2006
Letzte Aktualisierung: 03.06.2024, 07:57


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