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Ach, hmm, na ja, ist das überhaupt noch in? Diese Art zu bloggen? Über sich selbst? Tagebuch, jetzo? Obwohl, Tagebuch, das klingt so nach, ähem, so nach, ach keine Ahnung. Ist ja auch egal. Musik.
En bateau Komischer Tag, heute. Zweifel liegt in der Luft und Sicherheit und Angst und Gänsehaut und Sicherheit, trotzdem. Man ist ja auch nicht allein. Und soll man sagen "So schnell verreckt man nicht?" Nein, soll man nicht, das geht ja bisweilen schnell. Viel zu schnell. Und trotzdem, immer Lächeln, bitte Lächeln, ja, nee, ja. Ich bin nicht ehrgeizig, ich mach das nur ordentlich. Was? Ja. Achso. Und dann soll ich mir nen Hut aufsetzen und nen Schnurrbart wachsen lassen und sagen "Liebste, dürfte ich Sie über das Wasser schippern? Die See ist so wunderbar ruhig heute." Aber nur, wenn Inga Humpe dazu singt, nein, ins Mikrofon haucht. Komischer Tag, heute.
Y2K (...) aus dem Tagebuch "Darf ich das so notieren?" von Win K., Eintrag vom 14.05.2000 Ausgehen mit E. Um acht, sagte ich, bin ich bei dir, und so warf ich mich also frisch geduscht in Schale. Unterwegs sonnte ich mich in Phantasien, zwischendurch krabbelte es ganz furchtbar im Magen, war das ein erstes offizielles Date? Ich besorgte eine Rose, das kam mir zwar kitschig vor, aber gehörte irgendwie dazu, im daten bin ich doch unerfahren, ich hatte doch in den letzten Jahren nur Liz. Hab ich der vielleicht zu wenig Blumen mitgebracht? Meine Mutter besteht immer darauf, Frauen Blumen mitzubringen, ich hab das bis jetzt nie getan, aus Trotz. Jetzt hatte ich also eine Rose gekauft, eine riesige, duftende Rose, die aussah, als sei sie aus Porzellan, rot, mit weißen Flecken, ein wenig künstlich vielleicht, ich fühlte mich doof. Ich war pünktlich und klingelte. Nichts. Ich klingelte wieder. Nichts. Scheiße, dachte ich, scheiße. Sie hat mich versetzt. Ich rief an. Nichts. Ich setzte mich auf die Motorhaube meines Wagens, rauchte eine Zigarette und rief auf ihrem Handy an. Ich hörte es klingeln. Aha. Entweder war sie da oder sie hatte ihr Handy vergessen. Ich klingelte wieder. Nichts. Irgendwann kam ein Typ aus dem Haus, ich ging hinein und klingelte an der Tür. Nichts. Dafür hörte ich ihre Stimme. Sie sang. Sie sang, wirklich. Nicht gerade umwerfend, aber niedlich. Sie sang also, niedlich, was für ein beklopptes Wort, Kätzchen sind vielleicht niedlich, aber doch nicht Frauen. Süß? Hey, ich bin ein Kerl, was soll ich süß finden? Sie war süß. Scheiße. Irgendwann hörte sie auf zu singen und ich klingelte. Sie machte auf und erschrak ganz plötzlich. Hast du mich singen gehört? Ach, na ja, nur ein bisschen. Ich war verlegen, sie auch, ich kam rein und sie duftete so wunderbar und frisch, sie kam gerade aus der Badewanne, in der sie gesungen hatte, sie war nicht süß, sie war nicht niedlich, sie haute mich um, in diesem Moment. Baff. Sie zog sich an, obwohl ich das nicht wollte, ich behauptete, ich wäre furchtbar müde, mit einem Augenzwinkern, sie zwinkerte zurück und bestand auf angezogenem Vergnügen. Wir landeten in einer Bar in Mitte, gute Musik, gute Cocktails, da ich fuhr, trank ich wenig, sie trank dafür ordentlich, Sex on the Beach, augenzwinkernd, wir betatschten uns unterm Tisch und küssten uns übertrieben hemmungslos, nur um von den anderen Gästen dafür begafft zu werden. Liz wollte so etwas nie, dachte ich bei mir und strafte mich sofort dafür, das hier war E. und E. war scharf und süß und niedlich und sie haute mich um und ich verliebte mich gerade in sie. Scheiße. Egal. Ich nahm dann doch einen Drink, dann verschwanden wir im Sophienclub und tanzten die halbe Nacht, bis sie mich packte und raus zog, aus der tanzenden Menge, hinaus in den noch dunklen Morgen, wir küssten uns und rannten Hand in Hand zum Auto, an die Fahrt zu ihr nach Hause kann ich mich kaum erinnern, nur, dass ich ordentlich auf die Tube drückte. Sie lag neben mir, leise atmend, und schlief. Ich betrachtete sie, dann deckte ich sie zu, stand auf und zog mich an. Der Sex war gut, Wahnsinn, wir passten gut zusammen und vögelten bis zum Morgengrauen, sie schlief danach ein, in meinen Armen, selig und ruhig, und ich, ich konnte nicht einschlafen. Liz? E.? Liz? E.? Beide gingen mir durch den Kopf, ich konnte Liz nicht vergessen und gerade jetzt merkte ich, wie sehr ich sie vermisste, wie es in meiner Brust brannte, wenn ich an sie dachte, wie mein Kopf anfing zu schmerzen, alles drehte sich, ich konnte das hier nicht, noch nicht, oder nie, ich weiß es nicht, ich zog mich an und ging leise, verschwand in den hellen Morgen und fühlte mich beschissen. (...)
Bloggen gegen das Sommerloch Nur zur Erinnerung. Bloggen gegen das Sommerloch Nicht zu verachten sind auch die allgemeinen Überlegungen zum Sommerloch vom Schnitzelkönig. Und hier die KandidatInnen: Byggvir of Barley - Der Investmentbänker Colloredo - Lynchjustiz auf dem Land... Lotty - Ich vs. Petrus Nyxon - P-Dorf Aber das war doch nocht nicht alles, oder? Abstimmen können Sie übrigens schon einmal üben, in der Schreibwerkstatt, da gibt es nämlich einiges zu lesen. Auch wunderbar.
Ein wichtiges Bauprojekt in London. Es gibt Probleme und ich muss hin. Die Leute dort sind furchtbar inkompetent, es wird unangenehm, es wird geschrien, das ist immer schlecht, im Geschäft, man muss Abstand halten können und einen kühlen Kopf bewahren. Jemand hat die falschen Leute ausgesucht, ich war es nicht, ich muss die Suppe nur auslöffeln, dabei habe ich keine Zeit und muss wieder weg. Mein Schädel brummt, die Leute sind halbwegs auf Kurs gebracht, ich hetze durch die dunkle Stadt und flüchte in einen unterirdischen Bahnhof. S-Bahnen, U-Bahnen und Express-Züge fahren auf verschiedenen Ebenen wie wild durcheinander, Leute wuseln hecktisch durch das gelbliche Halbdunkel des Bahnhofs, mir wird schwindlig, ich weiß nicht, wohin, ich ringe nach Luft. Der Cabman kommt mir entgegen, gibt mir die Hand, er hat meinen Hund dabei, der ist furchtbar nervös. Wir gehen an die frische Luft. Komm, sagt der Cabman, ich zeig dir mein London, draußen die Themse, Nebel steigt auf, der Himmel leuchtet in gelborange, oben ist eine Bahn-Station, die wie der S-Bahnhof Ostkreuz aussieht. Dieser umgeben von futuristischer Architektur, in Stein gehauene Luxusdampfer, dunkel, schwarzer Granit, aber intelligent ausgeleuchtet, leere Balkone, leere Bürohäuser und dazu dieses melancholische Licht. Ich muss los, sage ich, Termindruck, ich zerre den Hund über die Rolltreppen, der ist immer noch nervös, reißt sich los und rennt die Rolltreppe wieder hinauf, der Cabman und ich hinterher, drängen Leute beiseite, draußen gewittert es, es regnet in Strömen, der Hund rennt und rennt, wir rennen hinterher, unglaublich lauter Donner lässt die Fenster der futuristischen Bauten erschüttern. Aufgewacht.
Vereinzelt Wer schneller denkt, ist eher schlau. (Karte) # Wenn Sie den office boy suchen, er liegt dort unter den Überresten eines riesigen Papierstapels. (Sie kennen diesen Wolkenkratzer in Taipeh?) Papierkrieg. Verloren. Er hat einen steifen Rücken und kann sich nicht mehr bewegen. Steif wie Brett. Tiefergelegt. Harhar. # Es dürfte reichlich komisch aussehen, wenn man sich angegriffene Körperteile einfach abschrauben könnte, damit sie nicht mehr schmerzen. Der schon erwähnte Rücken hängt ja bekanntlich am Rumpf und ließe ich diesen in einem Regenerationsschrank (noch zu erfinden), wäre ich ein Kopf auf zwei Beinen. Was hängt mir denn da unterm Kinn? Ähem, ja. (Assimilationsphantasien aus dem Reich der Borg) # Dieser Laden wird mich noch einmal in den Ruin treiben. Wenn andere über frisch gekaufte Flatscreens plauschen (999 € im Sonderangebot), überschlage ich im Kopf, wie viele kleine Schätze ich für diese Summe aus dem Laden schleppen könnte. (Und dabei verkaufte ich jüngst Amazon schon wieder meine Seele. Schändlich.) # Simian Mobile Disco. Zappelnd in der Straßenbahn. Hustler, Tits and Acid, Wooden, selten so gut gefühlt. # Die lallenden Amerikaner, touristische Partyüberreste am Hackeschen Markt, missachtend angeschaut. Na und? Dachten die sich wohl. Wenn sie dachten. Sie waren ja tutenzu. Das ist das Stadium nach rattendicht. # Ist das Sommerloch schon zu oder kommt da noch was?
Y2K (...) aus dem Tagebuch "Darf ich das so notieren?" von Win K., Eintrag vom 03.05.2000 Wenn dich deine Frau wegen eines anderen sitzen lässt, bist du am Arsch. Natürlich bist du immer am Arsch, wenn dich deine Frau sitzen lässt, wenn aber ein anderer ihre wunderbaren Silouetten im Mondlicht betrachten und seine dreckigen Griffel nach ihr ausstrecken darf, ist alles noch viel schlimmer. Du bist ein Verlierer, ein armes Würstchen, mit einem zu kleinen Schwanz, impotent, ne Niete, du bist am Arsch. Was hilft da noch? Freunde. Freunde, die viel vertragen, zum Beispiel. Geseier und Suff. Hannes ist so einer. Stundenlang sitzen wir in der Abendsonne, trinken und ich klage mein Leid. Er hat mir beigebracht, Whisky zu trinken. Ich fühlte mich zu jung für dieses Altherrengesöff, er stellte eine Flasche auf den Tisch und grinste nur. Wir tranken sie aus, on the rocks und waren voll wie die Haubitzen. Dann dachte ich nicht an Liz. Und Frauen. Frauen können auch helfen. Zeitweise. M. und S. wurden immer netter, je mehr sie tranken. Ich trank mit. Ihre Freunde lungerten irgendwo rum und checkten neue Spiele, M. und S. checkten mich. Ich war schon völlig hin und wollte mich gerade in meinem üblichen Trennungsschmerzsermon ertränken, aber die beiden begrabbelten mich. Irgendwann schlief ich ein, weil die beiden einschliefen, ne schlimme Nacht mit noch schlimmerem Morgen. Und die Tage danach erst. War trotzdem gut. E. ruft regelmäßig an. Sie hat scheinbar einen Narren an mir gefressen. Ab und zu sehen wir uns in der Bahn, sie lächelt immer so süß, so verlockend. Friedrichstraße haben wir dann mal einen Kaffee zusammen getrunken, es war gut, andere Gedanken, normale Gedanken, kein Depressionen. Demnächst treffen wir uns, Kino, Bar, vögeln, irgendwas. E. ist klein und zierlich, ihr Hintern wippt immer so kess, wenn sie durch die Gegend hüpft, sie ist ein Energiebündel. Und ihr Lächeln. Sie tut mir gut. Verliebe ich mich? Scheiße. Liz zum Geburtstag gratuliert. Verdammte Kacke, sie sah gut aus. Warum das alles? Ständig diese Frage. Was lief schief? Ich, sie, Alltag? Haben wir uns nicht mehr um uns gekümmert? Nur noch um Job und Karriere und wasweißich? T. war immer da, in letzter Zeit, ich hätte es wissen müssen. Der Arsch. Beschimpfen hilft nicht, trotzdem, ich kann das nicht mit ansehen. Kommst du mit? Das fragte sie mich. Ob ich mitkomme? Party machen? Mit dir? Und T.? Und der ganzen Meute? Nee, Baby, lass mal, sagte ich, warum soll ich mir das ganze Elend noch live anschauen? Vielleicht liebe ich dich ja noch, sagte sie. Sagte sie wirklich. Was soll das? Vielleicht? Und überhaupt: Man muss das doch wissen, ob man sich gut fühlt, wenn man jemanden sieht, wenn einem das Herz hüpft, gerade jetzt, wo wir uns kaum noch sehen. Gar nicht mehr sehen. Gerade jetzt musst du doch wissen, ob dir jemand einen Teil deines Herzens herausgerissen hat, oder? Ich weiß es, wenn ich dich sehe, Baby, ich weiß es. Einen riesigen Brocken hast du mir herausgerissen und das Loch, dass nun in meiner Brust prangt, will einfach nicht zuwachsen. Wundschmerz. Ich sagte ihr das nicht, ich ging, mir kamen die Tränen, Scheiße, ich bin am Arsch und dann auch noch heulen. Hannes hat mir eine Onkelz-CD gegeben. Hör mal, sagte er, tut manchmal gut. Ich höre. Die Sonne geht unter, ich höre und rauche und trockne meine Tränen. Ich höre und es tut tatsächlich gut, irgendwie. "Und wenn wir einmal Engel sind, dann fick ich dich im Fliegen." - ich muss E. anrufen, vielleicht ist sie ein Engel. (...)
Traumschaum Mein Altersruhesitz liegt irgendwo im Süden Brandenburgs, Nähe Scharmützelsee. Tagsüber sitze ich auf der Terasse, es ist immer Sommer, und reime verschrobene Reime, während über den verlassenen Feldern der rote Adler hoch steigt. Die Liebste liest. Ab und zu streife ich durch die Wälder, mit meiner Hundemeute, in den Wäldern hält sich die Hitze, der Boden ist weich, aber knochentrocken, es gibt Heidelbeeren. Abends dann der Mann, also ich, am Grill, mit Schürze um und rufe dann: Liebste, das Grillgut ist fertig. Dazu gibt es kühles Bier aus Gläsern, an denen das Kondenswasser lustig abperlt. Später reime ich verschrobene Reime in die Nacht, die Liebste liest. Die Kinder leben in New York, Rio, Tokio, und wir haben unsere Ruhe, im Süden Brandenburgs, mit den knochentrockenen Wäldern voller Pilze und Heidelbeeren und darüber der rote Adler.
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![]() (geborgt bei flickr)
Online seit: 08.02.2006
Letzte Aktualisierung: 03.06.2024, 07:57 Links: ... Home ... Blogrolle (in progress) ... Themen ... Impressum ... Sammlerstücke ... Metametameta ... Blogger.de ... Spenden Archiviertes:
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