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Gewitter Fasziniert stehe ich am Fenster und lausche dem fernen Donnergrollen, dass langsam in die Richtung unseres Hauses zieht. Langsam fängt es an zu regnen, ich öffne die Balkontür und alle Fenster, dieses Schauspiel will beobachtet werden, nichts darf mir entgehen. Aus dem leisen Plätschern des Regens wird ein stetiges und lautes Rauschen, es ist, als hätte jemand einen Wasserhahn aufgedreht, um die heiße Erde zu gießen, zu tränken, ihren Durst zu stillen. Über dem Haus blitzt es unentwegt, das entfernte Donnern ist einem direkten Krachen gewichen, man meint, das Haus würde gleich anfangen zu zittern, zu wanken, auseinander brechen. Wunderbar. Mit offenem Mund beobachte ich das Farbenspiel der Wolken, erst sind sie schwefelgelb, dann dunkel lila, dunkelblau, am Ende fast schwarz. Früher hatten wir ein Sommerhäuschen mit einer überdachten Terrasse, man konnte auf bequemen Liegen unter dem Dach liegen, das vorüber ziehende Gewitter beobachten, die Blitze, den Donner, konnte den Regen auf das Dach prasseln hören, fast unsichtbare Nebelschwaden über dem Boden schweben sehen, konnte das Schauspiel genießen, mittendrin. Die Gewitter können kommen, gerne jeden Abend, auch wenn ich nicht mehr auf der überdachten Terrasse sitzen werde.
Reich und sexy Aus den Abt. "Rauchen schadet Ihrer Gesundheit" und "Selbstmotivation". Erste Woche. Die Haut wird sanft und seidig, der gefühlte graue Teint wandelt sich langsam in einen anständig gefärbten, alle Ansätze von Faltenwurf sind verschwunden und das Einatmen der frischen Morgenluft bringt inzwischen scheinbar das doppelte Volumen eben dieser zwischen die Rippen. Die ersten Rubel landen im imaginären Sparschwein, wenn das so weiter geht, bin ich in ein paar Wochen nicht nur unheimlich sexy, sondern auch noch furchtbar reich. So reich, dass ich mir endlich so eine Kamera zulegen kann, die in jede noch so enge Hosentasche passt. Fotos statt Qualm, von dieser Devise hat man am Ende auch mehr. Und andere vielleicht auch.
Hansi Kasupke hat damit nichts zu tun. Er hat ja nicht mal einen Taxi-Schein. Soll er trotzdem weitermachen?
Schuhphilosophie Das Sommerloch steht vor der Tür und was mache ich? Ich reiße mir ein paar unwichtige Gedanken aus dem Kopf und die Tür vom Schuhschrank auf. Es geht um die richtige Beschuhung, den Temperaturen angemessen und vielleicht mit gewissem Charme oder so. Ich stelle fest, dass ich mehr als zehn Paar Schuhe habe, insgesamt, bin ich jetzt noch ein Mann oder schon David Beckham? Zwei schöne Exemplare möchte ich hier heute mal vorstellen, als Einstimmung auf das Sommerloch und Einführung für mich selbst in das schwierige Thema "Schuhphilosophie". ![]() Das erste Paar ist das Trekkingbike unter den Schuhen. Die geschundenen Füße werden gut gelüftet, der Schuh kann für fast alle Lebenslagen missbraucht werden, es soll Typen gegeben haben, die solch Schuhwerk schon zum Anzug getragen haben. Gerüchte. Mich hat allein die Funktionalität überzeugt: Mann kann nach der Bahn rennen, damit Fahrrad fahren, wandern, durch reißende Flüsse trekken, der Fuß bleibt immer gelüftet, der Schuh immer am Fuß, besonders praktisch beim Autofahren. Ja, diesen Schuh hat Mann ausgesucht, Frau lacht ihn dafür aus, obwohl er geschworen hat, die Dinger niemals mit Socken zu tragen, schon gar nicht mit weißen, die er ja sowieso nicht hat. Trotzdem gibt es einen absoluten Gegenentwurf. ![]() Wenn obiges Paar das Treckkingbike in Sachen Schuhe ist, dann sind diese Schlappen der Yuppie-Roller für die City. Gibt es die eigentlich noch? Egal. Frau ist überzeugt, dass dieses Schuhwerk in Kombination mit Leinenhose und Polo-Shirt einen Mann perfekt machen können. Ich kann mich nicht erinnern, eine Leinenhose zu haben, ein kurzer Blick in die Kiste mit der Aufschrift "Sommerklamotten" belehrt mich eines besseren, im Herbst vergesse ich immer, was für tolle Sommersachen ich eigentlich noch habe. Ähnliches im Frühjahr mit Winterklamotten. Dass diese Schuhe eigentlich nur für den zwanglosen Spaziergang am Strand taugen, erkennt Mann, Frau interessiert lediglich der modische Aspekt. Nach der Bahn rennen, wandern, durch reißende Flüsse trekken, mit dem Auto durch die Gegend gurken, all das fällt aus, weil die Dinger sich allzu schnell und gerne vom Fuß machen. Positiver Effekt: Mann bewegt sich kaum noch, bleibt auch gern mal im Urlaub am Pool und macht am Abend, vorausgesetzt offenes Schuwerk ist erlaubt, mit der bereits erwähnten Leinenhose eine gute Figur. Da können die funktionalen Sandalen in dezentem Schwarz natürlich nicht mithalten. Wichtigste Erkenntnis für mich, sozusagen das Fazit: Mann braucht für jede Gelegenheit das passende Schuhwerk, Einseitigkeit im Schuhschrank birgt auf Dauer die Gefahr der Vereinsamung. Ergo: Auf in den nächsten Schuhladen. Ein heikles Thema und da ich mich gerne dem unverbindlichen Geschwätz hingebe, dass laut Kierkegaard das wichtigste Kennzeichen der Menge ist, gibt es auch eine geschwätzige Langversion.
Letzter Fußballabend Ein etwas dicklicher Mensch, wollig behaart, gebrechlich wirkend, lässt sich ächzend in einen Rattansessel von Ikea plumpsen, ein grazile Menschin gleitet elfenhaft über den Boden und landet sanft im frei stehenden Sessel daneben. "Kannste mir noch meine Tabletten bringen?" "Ach, alter Mann. Solange ich dich nicht windeln muss." "Später. So in Fünzig Jahren. Aber wozu haben wir denn Kinder?" "Hihihi." Anpfiff. Er ist etwas unschlüssig in allem. "Für wen sind wir denn eigentlich?" "Mir doch schnurz wer gewinnt." "Ich bin für Frankreich, warum auch immer. Vielleicht wegen meiner schwachen vier in französisch. Und Nora." "Du wieder. Nora. Spaziergang in Versailles oder was? Und mit mir nur am Gardasee?" "Vielleicht sollt ich ja doch für die Italiener sein." "Ist mir doch wurscht." Tor für Frankreich. Kein Jubel, entfernt ein paar Knaller. Er findet Zidane überheblich. "Boah. Jetzt muss der auch noch mit denen spielen. Ich glaub ich bin jetzt für Italien." "Kannste mal nen Wein holen?" "Ich darf doch kein Alkohol." "Na und?" Er schleppt sich durch die Wohnung und grummelt irgendetwas unverständliches in seinen Drei-Tage-Bart. "Ich hab mal den italienischen genommen. Vielleicht werden die ja Weltmeister." "Für wen biste denn jetzt eigentlich?" "Ich weiß nicht. Für die besseren?" "Langweilig. Leg dich doch mal fest. Kannste nicht, wa?" "Übrigens hat der Kleine Fieber. Wir sind bestimmt so eine Zuchtanstalt für neuartige Viren. Stecken uns immer brav gegenseitig an und werden nachts gemolken." "Iiieehhh." Beide lachen, Humor ist, wenn man trotzdem lacht. "Ich weiß jetzt, ich bin für die Italiener. Die haben wenigstens nen Bufflon im Tor." "Der heißt Buffon, alter Mann, ohne L." Sie schnalzt dabei mit der Zunge, er ist ein wenig überrascht. "Menno. Vier Wochen lang wollte ich schon jubeln, weil es endlich mal ein Bufflon zur WM geschafft hat und jetzt das. Zum Glück hab ich noch nix geschrieben." Tor für Italien, der Italiener um die Ecke jubelt wie wild, die beiden Protagonisten ziehen sich vom Spiel langsam zurück, er liest alte TAZ-Artikel, sie malträtiert einen Sudoku-Block. Im Haus nebenan schreit eine Mutter ihr Kind an und schließt die Tirade mit einem "Scheiß Kind." Soll man nun lachen oder weinen? "Kuck dir den Zidane an. Jetzt bin ich endgültig für Italien, dass kann man doch nicht machen, egal was der Italiener über ihn und seine Mutter gesagt hat, als Weltstar lässt man sich nicht so provozieren." "Der ist doch doof, wie können einem im letzten Spiel so die Sicherungen durchgehen." "Der wollte unbedingt gewinnen, jetzt wird Italien Weltmeister." Elfmeterschießen, der oft geforderte Trezeguet scheitert mit einem Zidane-Nachmacher-Schuss, Italien ist Weltmeister. "Gähn. Zum Glück war ich für Italien, dann muss ich jetzt nicht mal enttäuscht tun." "Ich geh ins Bett." "Und was machen wir morgen abend?" "Nur lesen, vielleicht? Oder schlafen? Verliebt in Berlin?" "Ist die jetzt wirklich schon vorbei, die WM?" "Ja, endlich." "Schade, hat Spaß gemacht."
Think positive Bestimmten Dingen muss man irgendwie auch positive Seiten abringen, um mit ihnen tatsächlich klar kommen zu können. Das fällt nicht immer leicht, Schmerztabletten sind aber eine große Hilfe. Positiv am derzeitigen Ist-Zustand ist, dass Zigaretten und Alkohol in den nächsten Tagen weit weg und unangetastet liegen bleiben können, man könnte sogar hoffen, dass mehrtägige Abstinenz zu einem Dauerzustand werden könnte, soweit ein gewisses Suchtpotenzial da ist, zum Glück nur bei ersterem. Ein weiterer Punkt könnten die wunderbaren Halluzinationen sein, denen man sich im Fieberwahn hingeben kann. Die zu verschriftlichen wäre ein Mammutprojekt. Irgendwann mal.
Schüss! [Disclaimer: Bufflon schreibt, Hansi Kasupke erzählt. Fußball, mal wieder.] Also jetzt nich icke, wa, sondern unsre Fußballa, leida. Ick sach janz bewusst "unsere Fußballa", weil ick dit erste mal in meim Lebn erlebt hab, wa, dass ick bei ne WM sone richtje Jänsehaut hatte. Hattick bisher noch nie und ick gloobe, dit liegt tatsächlich an der Stimmung im Lande. Najut, da jibts ja immer den eenen oder andren, der mal wat zu meckern und dran auszusetzen hat. Der Dette zum Bleistift, wa. Der hat sich jestern uff seinen Balkong jestellt, als die Italiener dit erste Tor jeschossn ham, und janz laut "Jaaaaaaaa." jebrüllt. Aber der Dette hat ja och ne Holland-Fahne uffm Balkong und meint ja, dass sone deutsche Fußballmannschaft sowieso nur Scheiße spielen kann, weil se vom Westen her jesteuert wird und die alle arrojant und jeldgeil sind. Aber ick weeß och nie so recht, wat der imma in seim sächsischn Dialekt allet daherfaselt, wa, der sacht ja och Bulette zu mia, weil ickn Berliner bin. Ick bin nich sonen Pessimist, ick hab ma anstecken lassn, hab ne Jänsehaut jekriecht und war jestern druff und dran, mir sone Fahne ins Jesicht pinseln zu lassen. Hab ick dann aber lieber sein jelassen, dit war mia dann doch zu blöd und vielleicht hab ick dit ja och allet so komm jesehn. Also "unsere Jungs". Ick vereinnahme die jetze mal so, weil ick finde, dass die dit allet supajut jemacht ham, bis uff jestern, die zwee Minuten hättense denen aber och mal jönnen können, die juten Italiena. Und beim Elf-Meta-Schießen wär ja allet offen jewesen. Hätte wenn und aber, wieder allet vorbei. Und trotzdem hamse mal ne richtje Unterhaltung jeboten, obwohl ick ja sajen muss, dass ick zwischendurch jedacht habe, unsere Obersten, die vonne Rejierung, die ham den Blatter bestochn und ham dem jesacht "Mach ma, dass die mindestens ins Halbfinale komm, wir müssen da nen paar Sachen rejeln, die dit Volk nich so janz mitbekomm soll und sonen richtjer Rummel um de WM lenkt die so wat von ab und bringt dir am Ende och noch ordentlich Kohle." Hab ick mir so jedacht. Wejens de Jesundheitsreform und den janzen anderen Schweinerein. Aber wat willste machn? Wählen bringt ja och nüscht mehr, machn dit ja alle gleich beschissen, wa. Aber dit isn janz andret Thema. Die Biggi, meene Kleene, die hat ja jeheult, wien Schlosshund, ick hab dann janüscht mehr jesacht und mia ersma ne Pilsette jegönnt. Dann hab ick se innen Arm jenommen und hab jesacht "Weeßte, dit is tragisch, wa. Aba so ist dit nun ma, im Fußball. Die Italiena und unsere Jungs, die warn ja uff Augenhöhe, aba die Italiena die warn eben den janz kleenen Tick besser als wia, den man am Ende zum Weltmeesta sein brauchen tut. Dat wir raus sind, dit is jetzte Scheiße, aba ick gloobe, wenn sich alle ma zusammenreißen tun und jetze nich wieda de Meckerkeule auspackn wa, dann würd dit vielleicht ja wat bei de EM in zwee Jahrn. Dit wär doch och schön. Und deinen Klinsi kannste dia bestümmt och noch weita angucken." Dit hatse jetze nich unbedingt jetröstet, aba ick gloobe, mit de Zeit kommtse drüba weg. Unsere Jungs können ja jetze heulen, dit muss man denen ja och ma lassen und am Samstach da jubeln wa denen trotzdem zu, obwohl dit ja nen Freundschaftsspiel würd, jegen Portujal, weil ja, und dit sind vorerst meine letzten Worte, Fronkreisch Weltmeister wird. Den jönn ick dit nämlich och. Bis denne.
Hitze, Ole und wo gibts Türen? Aber darüber will ich eigentlich nicht schreiben, über Hitze und Ole. Klebt ja schon wieder alles, die Finger, die Gehirnzellen und so. Die Trüen kommen noch, abwarten. Den heutigen Abend stelle ich mir übrigens so vor: Das Spiel fängt langsam an, gerecht verteilte Chancen für beide Mannschaften, kurz vor der Halbzeit Tor für Italien. Fans sauer, Klinsmann sauer, Spieler sauer. Pause. Danach kommen sie alle wieder, na klar, was sonst, die Deutschen immer noch geschockt, Italien in Hochstimmung, 2:0 für Italien. Ja spinn ich denn? Die Gefahr für Herzinfarkte steigt um 200%. 65ste Minute, Ballack mit dem Anschlusstreffer, Kopfball, schnappt sich den Ball und rennt zur Mittellinie. Die Italiener ein wenig verunsichert. Es geht mehr hin statt her, die Italiener mauern, was das Zeug hält. Kurz vor Schluss: Ausgleich durch Klose. Verlängerung. Die Italiener streben Elfmeterschießen oder Elfmeter in der 121sten Minute an, den Deutschen ist alles egal. Die Zuschauer haben kaum noch trockene Sachen am Leib, Hansi Kasupke steht kurz vor dem Kollaps. 118te Minute, der für den gesperrten Frings spielende Borowski haut den Ball aus der zweiten Reihe ins Tor, unendlicher Jubel, alle haben sich lieb, natürlich nicht die Italiener, aber die sind dann auch egal. Wenn es nicht so kommen sollte, dann ruft die BILD die Nationalmannschaft sicherlich als "Weltmeister der Herzen" aus, die wiederum spielt am Samstag ein Freundschaftsspiel gegen Portugal und Frankreich wird Weltmeister. Wie gesagt, eigentlich geht mir Fußball sonstwo vorbei und eigentlich wollte ich nur wissen, ob es schon so ein Sammelblog für Türen gibt. Ich mag nämlich Türen. ![]()
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![]() (geborgt bei flickr)
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Letzte Aktualisierung: 03.06.2024, 07:57 Links: ... Home ... Blogrolle (in progress) ... Themen ... Impressum ... Sammlerstücke ... Metametameta ... Blogger.de ... Spenden Archiviertes:
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