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Alltagsphilosphie Damit leben können, so viele Dinge nicht zu wissen. Dann hat man immer etwas, das man noch lernen kann. Allerdings sollte man dieses gepflegte "etwas noch nicht wissen" nicht mit "keine Ahnung haben" verwechseln.
1476 Bloggen ist die Fortführung des Selbstgesprächs mit anderen Mitteln. (Herr B. aus B.) # Wie sich in fast sechs Jahren die Wahrnehmung ändert, wie sich Einstellungen verfestigen, Meinungen bilden, Ideen reifen oder verworfen werden. Man nennt es wohl Alterungsprozess, der scheinbar nicht nur beim Käse etwas mit Reifung zu tun hat. Man neigt wohl auch eher zu sehr weit her geholten Vergleichen. Ein Beispiel: Vor sechs Jahren war das Internet eher ein nettes Spielzeug, ein Beiwerk, das man nach getaner Arbeit mit den Augen des Konsumenten betrachtete, ein etwas anderes Fernsehen. Heute würde ich sogar behaupten, dass ich ohne nicht mehr ordentlich leben könnte. Es hat sich eingschlichen, in jeder kleinen, noch so finsteren Ecke breit gemacht, ist zum Alltag geworden, morgens, mittags, abends, nicht mehr weg zu denken. Ein Großteil meines Wissens habe ich wohl aus dem Internet (ich hab meine Bildung aus dem Fernsehn) entweder direkt erworben, in dem ich mich tapfer durch Zeitungen, Blogs oder Foren kämpfte oder indirekt, in dem ich Empfehlungen, Ideen, Hinweise aufnahm und eine Menge mir neuer Lese-, Film- oder Musikwerke entdeckte, die ich ohne die (theoretische) Globalisierung meiner Wahrnehmungssphäre wohl nie bemerkt hätte. Ich würde auf dieses Internet genauso wenig verzichten wollen, wie auf eine gute Büchersammlung. (Nicht zu vergessen die ganzen Bekanntschaften, die ich aber ungern als virtuell bezeichnen möchte.) # Wie ich auch gestern wieder feststellen musste, sind mir Machtkämpfe zuwider. Immer, wenn inhaltliche Diskussionen zu persönlichen Scharmützeln mutieren, möchte ich meine Sachen packen und weit weg rennen. Nein, ich bin wohl eher nicht zum Feldherrn geboren. Nichts gegen einen guten Diskurs, aber bitte doch nicht mit jemandem, der seine Partner (Netzwerke) aus strategischen und taktischen Gründen wählt (oder gerade nicht wählt), denn jener ist mir prinzipiell unsympathisch. Ehrlich währt am längsten, sagten uns schon unsere Urahnen und in den meisten mir bekannten Fällen, sind gerade diejenigen, die sich überwiegend an diesen Rat halten, die sympathischsten, diejenigen, die die meiste Anerkennung für sich verbuchen können. # In letzter Zeit häufiger Antworten mit "Das kommt drauf an" eingeleitet. Dafür kann ich natürlich nichts. # Kurz überlegt, nach einer Woche noch einmal zur Schulärztin zu gehen und ein Gespräch mit den Worten: "Guten Tag, können Sie sich noch an unser Kind erinnern?" einzuleiten. Diese Idee wieder verworfen. Sie wird sich nicht erinnern können und ich gehe davon aus, dass sie sich an weniger als zehn Prozent der von ihr untersuchten Kinder wird erinnern können. Schuluntersuchungen dürften Fließbandarbeit sein, die ständige Wiederholung standardisierter Test. Natürlich, wie sollte man auch sonst Ergebnisse vergleichbar halten? Wie man auf diese Art und Weise zu individueller Förderung kommen soll, ist mir allerdings noch nicht ganz klar. Aber vielleicht bewerte ich das auch über, weil ich die subjektiv wahrgenommene Unfähigkeit, ein Kind für die ordnungsgemäße Durchführung eines Teils der standardisierten Test motivieren zu können, persönlich nehme. Ja, so wird es sein wohl sein. # Und das Schlimmste an diesem Selbstgespräch: Fängt man einmal an, fallen einem noch viel mehr Dinge ein.
Die wunderbare Zeit des homo romanticus Was tun Sie denn den ganzen Tag? Vor allen Dingen bei diesem Wetter. Überhaupt: Wetter. Man gibt sich gern der grandiosen Belanglosigkeit des Wetters hin, denn: Ohne geht es ja gar nicht. Man ist ihm ausgeliefert, es kommt einfach über einen, ohne das man sich wehren kann, es regnet, hagelt, schneit und stürmt oder es scheint die Sonne und umschmeichelt mit warmen Strahlen die vom Winter gegerbte Haut, Sie können es nicht ändern. Es gibt Dinge, die sind einfach so. Die einfache Natur schert sich also nicht besonders um selbige, sondern stößt einfach mal weit das Fenster auf, atmet tief von der erwärmten Luft, hört ein paar mutigen Vögeln zu, die bereits jetzt, da der Schnee immer noch alles fest im Griff zu haben scheint, heraus kommen und ein Lied singen, das Lied vom Frühling. Hallo, meine Freunde, denkt sich die einfache Natur, aus dem Fenster schauend und prüft ein paar Verse zum Frühlingsbeginn, Trivialitäten, die ihm gerade einfallen (Goethes Faust, Eichendorff, Mörike), ob sie denn schon passen mögen, auf das sonnige Spektakel, das gerade draußen gespielt wird. Sie passen. Und es geht dabei etwas vor, im Menschen. Er schaut aus dem Fenster, beugt sich heraus, Sonnenstrahlen erwärmen Haare, Stirn, Wangen, Wasser tropft vom Dach herab, das kleine Bächlein, das er seit Wochen nicht mehr gesehen hat, zeigt sich wieder, sprudelt munter unter der Eisschicht und die Luft schmeckt schon ganz anders. Tief im Inneren geht etwas vor, im Menschen, ein kleines Gefühl, irgendwo aus der Magengegend kommend, noch kann man es gar nicht recht zuordnen, ist es Melancholie oder Vorfreude oder was? Es steigt auf, wie die Säfte in den Bäumen, sobald der Frost das Land verlässt, wirken die Glieder frischer, die müden Knochen und der vom Winter angegraute Geist wacher , als hätte man bis jetzt innerlich Winterschlaf gehalten. Geister erwecken, liebste Beschäftigung am Wochenende. Am Tisch sitzen und lesen. Das Internet Internet sein lassen, in der Zeitung blättern, dazwischen Kartoffeln schälen oder mal hinaus gehen, schauen, ob nicht doch schon irgendwo ein Schneeglöckchen den Kopf heraus gestreckt hat, mutig, auf den Frühling vertrauend, durch die Welt spazieren und dabei auf dem Teppich bleiben, so kann das Jahr weitergehen.
Bitte oszillieren Sie! Spätrömische Dekadenz, literarische Abschreibübung als Grundlage für einen Bestseller, Print ist besser als Web ist besser als Blogs, die ja sowieso irgendwie Unterschicht sind, weil: Das kann ja jeder. Man braucht ja nicht einmal eine Ausbildung. Und so weiter. Die Sozen haben keine Ahnung und sich selbst abgeschossen, die Christen sind viel zu konservativ, die Liberalen neoliberal und sozialfeindlich, die Grünen auch nur ökologische Christen, die Linken unverbesserliche Kommunisten und Sozialromantiker. Und dann der Sozialschmarotzer, der den ganzen Tag auf der faulen Haut liegt (und blöderweise seine Zeit mit so unsinnigen Dingen wie BILD und RTL verschwendet, statt in dieser Zeit doch wenigstens mal eine öffentliche Bibliothek aufzusuchen und sein Wissen breit zu fächern, das kostet gerade mal fünf Euro), während der brave Steuerzahler für ihn arbeiten geht und später vielleicht noch für sich selbst, aber ebend insgesamt nicht so wunderbar dekadent den ganzen Tag vor der Glotze lümmelnd, wie der Sozialschmarotzer. Und dann dieses arme Mädel (Jaha, da kommen sie dann auch alle raus und hauen auf die drauf, weil die eben nicht aussieht, wie man sich das eigentlich von einer medial gehypten Siebzehnjährigen wünscht, als müsste jemand, der in irgendeiner Weise schreibend tätig sein möchte, gerade durch gutes Aussehen glänzen, ihr Pfeifen, ey. Was wohl der Bohlen an eurer Stelle gesagt hätte? Hast ne Stimme wie nen kaputter Toaster und siehst dazu auch noch aus wie Toastbrot? Aber ihr seid ja eh besser, als der RTL-Bohlen.), das wird dann erst getragen und dann getreten, okay, so ist das, wenn man sich in den medialen Käfig begibt, das müsste gerade so eine junge Göhre doch aus DSDS kennen (die schauen doch sowas, die Siebzehnjährigen), da wird auch erst alles toll gefunden und trotzdem gewinnt nur einer. Man muss ja auch gar kein Mitleid haben und darf solche Formen von Inspiration natürlich doof und dämlich finden, aber bitte, dieser ganze Zirkus, dieser Hype, mal hier, mal da, ständig zwischen total geil und total scheiße pendelnd, wo ist denn da mal ein vernünftiges Maß? Und überhaupt, irgendwie vermisst man doch auch mal eine positive, nach vorne gerichtete Meldung, es kann doch nicht alles problembehaftet und negativ sein, nicht alles ist Krise, nicht jeder überdurchschnittlich scheereiche Winter gleich ne Klimakatastrophe. Bitte oszillieren Sie!
1468 Von dieser Liste habe ich einundzwanzig Titel konsumiert. Das ist ein rundes Fünftel. Aber was sagt das schon über einen aus? Ist man nicht mehr Mainstream? Oder steckt man in einem anderen Mainstream, der ein wenig außerhalb des allgemeinen Mainstreams strömt, dem aber auch ein gewisse Anzahl von Strömlingen zugeordnet werden kann? Was sollen eigentlich Listen á la "100 Lieblingsbücher der Deutschen"? Wo ist der Unterschied zu Sendungen wie "Die 10 peinlichsten Auftritte bei DSDS"? # Was du auch machst, mach es nicht selbst - "Schall und Wahn". Der J. fragt, was man denn nun alles nicht mehr selbst machen solle. Das könnte ironisch gemeint sein, sagt der Herr Papa. Seitdem läuft der Grundkurs "Ironieverständnis" im Familienfunk, ständig werden Dinge als ironisch bezeichnet. Danke, Tocotronic. # Das hat mich wirklich beeindruckt. Und geängstigt. # Ich glaube an die Unerschütterlichkeit der Pose. (Dieser Gedanke, den ich erst in einem halben Jahr verstehen werde, kam mir, als Kinder im Faschingskostüm, sowie eine Frau in einem Kinderfaschingskostüm, durch die heiligen Räume rannten und so etwas wie Spaß in die vom Winter verschandelte Welt der untröstlichen Melancholie hinein zauberten, also mich zum Lächeln brachten. Es gibt so viele starke Posen, die den schwachen, dämlichen Posen dummer Poserdummbratzen so weit überlegen sind, dass man wohl eben an ihre Unerschütterlichkeit glauben muss. Wobei Glaube an sich schon suspekt ist.) # Man kann die Tage der anginischen Schwindsucht nicht nur vor einem Buch sitzend verbringen, sondern den heißen Tee auch bei einem gepflegten Blutbad genießen, virtuell versteht sich (siehe auch). Ich bin so anfällig für Fantasy, dass ich selbst schon einmal anfing, eine Fantasygeschichte zu schreiben. (Da fällt mir ein, ich schrob schon mal eine Ritter-Geschichte, uhh.)
1 Woche Belanglosigkeiten Am Montag mit schmerzenden Halsschmerzen beim Arzt gesessen, Zeitung gelesen. Eine bekannte Zeitung. Eine Zeitung, die ich oft lese, auch in Wartezimmern von Ärzten, in die ich gern meine eigene Zeitung mitbringe, um nicht Focus, Bunte oder Super Illu lesen zu müssen oder irgendein Werbeblättchen der Pharmaindustrie. In dieser Zeitung etwas über ein Buch gelesen, das ich nicht kenne, dessen Inhalt aus einem anderen Buch stammen soll, das ein Blogger geschrieben hat, von dem ich allerdings schon einmal las. Beim Lesen des Artikels über die besondere Inspirationsübung der Autorin wieder daran gedacht, warum ich Buchkritiken nicht mag. Grundsätzlich. Außerdem den 4. Blogjahrestag verpasst. Dienstag bis Donnerstag im Archipel Gulag (1) gewesen. Ich erspare mir eine Buchkritik und gehe auch nicht davon aus, dass Solschenizyn sich irgendwo besonders inspirieren lassen musste. Allerdings interessierte mich dieses Buch mehr, als irgendein gehypter Roman über die Postmoderne oder was auch immer. Unterhaltung kann man allerdings nicht erwarten, eher Alpträume. Am Freitag endgültig festgestellt, zum Clan der Langsamstdenker zu gehören. Während andere schnell und präzise tollste Ideen präsentieren können, lege ich meine Hand ans Kinn und denke. Manchmal monatelang. Das ist heutzutage nicht gut, das weiß ich, man muss twitterschnell und facebookpräzise sein, um in der heutigen Welt überleben zu können, ich bin es nicht. Und trotzdem lebe ich noch. Auch gut, muss ich sagen. Nur etwas langsam, manchmal auch verschlossen. Mmhh. 1 Woche Schnee, übrigens. Weitermachen.
Lost im Schnee Sack- und Packgeschichten, könnte ich schreiben. Die würden dann heißen "Wie mir alles auf den Sack ging". Das klingt irgendwie, ist es auch. Komisch, wie der Mensch ebend ist. An der Küste liegt mehr Schnee als in Bayern. Das ist doch toll für die Küste, aber deswegen muss man da doch nicht gleich hinfahren. Lieber zu Hause rumsitzen und rummeinen. Ach nein, geht ja nicht. Das Telefon ist tot. Ruhe in Frieden, Telefon. Ach nein, das Internet ist gleich mitgegangen und was sagt das Magenta-T? Trinken Sie Tee und beruhigen Sie sich mal, Sie Pfeife, Sie. Das geht einem dann natürlich auf den Sack. Wie der Schnee. Schnee ist schön. Zeitweise. Man kann rodeln und stapfen, toll. Das geht so zwei, drei Wochen gut, aber dann. Man friert ja ständig. Und alles ist immer gleich nass, wenn man durch die Gegend streunt. Und die Augen tränen. Heul. Also doch nicht gut, der Schnee. Überhaupt Wetter, kann man ja nie ertragen. Zu warm, zu kalt, zu nass, zu trocken, man könnte Zilliarden Blogs mit Wetterschmähungen füllen, ist aber jetzt nicht so zielführend. Also doch nicht an die Küste fahren, also doch nicht das Internet begutachten, die zu schreibenden Mails nicht schreiben und so weiter. Dinge nicht tun, gefangen sein. Und am Sonntagabend klingelt Tante Angina an der Tür. Ding Dong. Wohnt hier zufällig Familie B? Blöderweise machte die Liebste die Tür auf und wenig später gurgelte sie mit ekelhaftetestem Zeug (irgendwas mit Chinchilla). Ein Schicksal, das mir wohl auch blüt, denn ich habe sie geküsst. Die Liebste. Und Frau Angina wohl gleich mit. Und Halsschmerzen sind ja wohl noch schlimmer als der Schnee. Man könnte Zilliarden Blogs mit Krankheitsschmähungen füllen, aber wäre das zielführend?
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![]() (geborgt bei flickr)
Online seit: 08.02.2006
Letzte Aktualisierung: 03.06.2024, 07:57 Links: ... Home ... Blogrolle (in progress) ... Themen ... Impressum ... Sammlerstücke ... Metametameta ... Blogger.de ... Spenden Archiviertes:
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