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Zeitungslädchen Etwas, das mich tatsächlich verwirrt, ist die neue Besitzerin des seit Jahren regelmäßig besuchten Zeitungsladens zwischen Bäcker und Fleischer, die so ganz anders ist, als die leicht intellektuell wirkenden Starkraucher, die vorher Zeitungswaren, Lottoscheine und Tabakprodukte über die Theke reichten und dabei immer ein bisschen mürrisch wirkten, als würden sie die Arbeit in ihrem eigenen Laden nicht mögen. Typisch berlinerisch. Jetzt steht dort eine solariumbraune Fastblondine mit schlecht lackierten Fingernägeln, Glitzerstein in Zahn und Dekolleté, die munter mit Selbstbauzigaretten und Boulevardzeitungen um sich schmeißt und dabei gar nicht mürrisch, sondern fröhlich, fast glücklich schaut. Verwirrende Veränderung.
1506 Dieses Zwischending, die gelangweilte Zwangsgesundung und die ständige körperliche Kränklichkeit, unvernünftig sich irgendwohin schleppen, statt noch ein paar Tage rumzuliegen und vor Langeweile fast zu sterben. # Das Internet ist kein hirnloser Raum. # Blutblasen nach der ersten Gartenarbeit des Jahres. Irgendeine Gartenweisheit gelesen: Gärtnern macht lebenslang glücklich, Frauen und Suff nicht. Oder so ähnlich. Kann ich nicht bestätigen, alle drei lebensbestimmenden Angelegenheiten machen glücklich oder auch nicht. # Spontane Liebeserklärungen, die als Äußerungen schlechten Gewissens wahrgenommen werden. Offenbart wohl Gegensätze in den Bereichen Erwartung und Erfüllung. # Wie gerne ich doch "In Treatment" schaue. # Im Herzen ein Nerd. Und vor allem Informationsjunkie. Das entspricht voll und ganz dem Wesen eines Menschen, der gerne auch als Klugscheißer wahrgenommen wird, wenn er sich nicht zurückhalten kann, wenn er immer wieder korrigiert, ständig auf Dinge hinweist, einfach viel weiß. Wissen ist wertvoll, strengt aber oft an, den Wissenden (der sein Wissen immer wieder auffrischen und erweitern muss), genauso wie seine Umgebung, die immer wieder mit Wissen in Berührung kommt, das sie selbst nicht hat, das sie selbst nicht interessiert, von dem sie gar nichts wissen will. Der nerdige Informationsjunkie, am Ende ein einsamer Mensch. # Wenn ich einmal reich wär: Millionen gewonnen, alles zerronnen / Träumen ist gut, planen ist besser / Die Idee von Eigentum und Reichtum / Wer träumt nicht einmal von einem ganz besonderen Beauty-Urlaub / Luxusmesse in Wien / Millionen füllen jeden Samstag in der Hoffnung auf einen Millionengewinn ihren Lottoschein aus. / Wie wir uns beim Reichwerden selbst im Wege stehen. / Geld. Hat man welches, macht es zwar nicht automatisch glücklich, aber es beruhigt doch meistens. etc. pp. (Angaben sämtlich aus dem Internet, deswegen ohne Gewähr. Siehe auch: Ein Portal zum Thema Glücksspielsucht.)
Am Strand mit R. Goetz Wir schnitten im Segelboot sitzend die Wellen, der Wind wehte weich, Stärke 4 oder 5, es war erträglich und außerdem warm und ab und zu rauschte salziges Wasser über unsere Köpfe, aber nur kleine Spritzer, keine dicken Brecher, die uns hätten von Bord spülen können, alles ganz sanft. Irgendwann fiel mir das iPhone aus der Hand, ich hatte es wohl die ganze Zeit fest umklammert, aber dann gab es einen Ruck, einen harten Stoß, eine Bö traf das große Segel und schon fiel mir das Ding aus der Hand, zersprang in fünf kleine Teile, war unbrauchbar. Zum Glück hatte R. Goetz am Strand eine kleine Hütte, in der er recht mürrisch Menschen empfing, die ihm zerfallene, zersprungene, zerbröselte Kommunikationsinstrumente vorbei brachten, die er für ein geringes Entgelt reparierte. Als ich ihm das zerbrochene iPhone in die Hand drückte musste er aber lachen: Ja, ja, sagte er dann, diesen chinesischen Schrott kann ich schnell für dich reparieren, hält mich kaum von meiner eigentlichen Arbeit ab. Und als ich ging, stellte sich R. Goetz an ein Stehpult und schrieb mit wilder Schrift und einem unglaublichen Tempo wirre Zeilen in ein Notizbuch und lachte dabei. Aufgewacht.
Geheimer Ort Durch das Viertel streifen und geheime Orte erkunden. Sich selbst geheime Orte ausdenken, die zu erkunden sind: Sieh doch hier, zum Beispiel, du läufst die alten Gleise entlang, vorbei an den schönen Häusern, dann vorbei an den weniger schönen Häusern, immer weiter, bis du an die selbst gezimmerten Schuppen kommst, ein kleines Stückchen Favela mitten im grausigen Berlin, darin hausen wohl auch ab und zu Menschen, mit großen, hässlichen und laut bellenden Hunden und gegenüber entsteht ein überdimensionales Industrieprojekt, laut und staubig, voller Gewinn und Verlust, während dazwischen, zwischen den brüchigen Schuppenhütten und dem gewinnbringenden Industrieprojekt alte Gleise dem Rost zum Opfer fallen. Du gehst vorbei, im Sonnenschein des aufsteigenden Frühlings, und kommst an ein kleines Flüsschen (das eigentlich ein Entwässerungsgraben ist), das zu einem See führt, in dem Blesshühner und Enten baden, er sieht noch sehr kalt aus und ein wenig schmutzig, ein kleiner, geheimer Ort, ein unbeobachtetes Versteck, ein Platz von dem niemand weiß, außer dir und mir und in der Ferne hört man gedämpft die breite Straße und du denkst: Das ist einer dieser Orte, an dem man seine Kindheit verbringen möchte. ![]()
Meta, irgendwie, so Durch das Zimmer schlurfen und sich hustend fragen: Wozu das Ganze? Seit einer Woche an einem Beiträgchen für das Blögchen sitzen, das kann nicht gesund sein. Ist man zu angestrengt oder zu beschwert? Warum klingt das in einer Woche heraus gebrütete, ja, heraus gepresste, so gestelzt, so gewollt und nicht gekonnt, so gockelig, dass es einem in der Magengrube drückt, ganz schlecht wird einem da. Früher, damals, als alles besser war, klang das alles rund und flutschig und die Geburt dauerte nur ein paar Minuten, warum liegt man (Mann! wie absurd) jetzt tagelang in den Wehen? Aber dann, ja, dann, dann schau ich in den Spiegel und sage "Ha, du Schurke. Hast dich selbst betrogen, ein Praktiker bist du, kein Theorist. Nimm es hin, wenn der Hirnschleim mal zäh fließt und geh auch mal hinaus, Blümchen zählen, da passiert nämlich gerade wieder ordentlich was."
1483 Demnach vereinbarte fast die gesamte Mörtel-Branche, ab 2006 für das Aufstellen von Trockenmörtel-Silos auf den Baustellen eine Stellgebühr zu erheben. Vorher waren die Aufstellkosten im Mörtelpreis enthalten, nun wurden sie zusätzlich aufgeschlagen.* Man stellt sich das dann so vor: Ein paar ältere, grau melierte Herren in feinem Zwirn, früher vielleicht selbst Maurer und Stuckateure, die schwieligen Hände längst weich und zart gepflegt und nun mit bestem Businesswissen ausgestattet, finden sich an geheimen Orten zusammen, einer der ganz Großen unter ihnen ist der Paten, der Pate der Mörtel-Branche, Don Mörtel, gefährliche Ruhe ausstrahlend sitzt er am Kopf einer langen Tafel und verkündet mit von Whisky und Rauch gegerbter Stimme die heiligen Gebote der Mörtel-Branche, ein Angebot, das niemand ablehnen kann. # Wenn man über eine eigene, ganz individuelle Unart, die immer so unkontrolliert, fast touretteartig, aus einem heraus bricht, stolpert. Lernen, sich auf die Zunge zu beißen. # Vielleicht den Lehrer in mir entdeckt? # Bei Männern mit einem höheren IQ sei die Vorliebe für sexuelle Exklusivität und Monogamie im Allgemeinen stärker ausgeprägt.* # Sicherheitslücke, auch so ein Wort. Als gäbe es so etwas wie perfekte Sicherheit, als könne man alles mögliche gegen ungewolltes Eindringen absichern, als würde ein Land, das all seine Bürger (mir schwirrte schon das Wort Insassen zwischen den Fingern) nicht vorsorglich überwacht, der perfekte Schmelztiegel für Terroristen, Kinderpornoristen und schwerstkriminelle Schwerverbrecheristen, die sich jederzeit und ständig per Telefon, E-Mail und Chats zu allerschwersten Straftaten verabreden, sein. Die verschiedensten Argumentationen, die nach der vollständige Aufhebung der bisherigen Vorratsdatenspeicherung auf den Untergang einer sogenannten Sicherheit hinweisen wollen (...massiver Rückschlag für die Bekämpfung der schweren Kriminalität in Deutschland. "Wir werden Tausende Straftaten haben, die wir nicht mehr aufklären können"...; Delikte aus dem Bereich des Terrorismus und der organisierten Kriminalität könnten nicht mehr "in der Tiefe aufgeklärt" werden. etc.), was sollen sie anderes sein als ähem Panikmache? Wo ist derjenige, der jetzt sagt: Okay, wir haben uns geirrt, es tut uns leid. Das nächste Gesetz wird natürlich der Verfassung entsprechen. Hahaha, jetzt muss ich selbst lachen, über so viel Naivität. Aber, wo kommt sie her, die Angst vor allem und jedem?
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