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Zum letzten Mal: Wahlfang

Ich denke, dies hier trifft die zu erwartende Situation nach der Wahl am ehesten. Und wie man sich dann sinnlos erregt, über diese Vor-Wahl-Zeit, die ja fast schon so anstrengend ist, wie die Vor-Weihnachtszeit. Zum Glück ist das bald vorbei, aber wird es danach wirklich besser?


[Vor allem: Wie einem diese Wahlwerbung auf die Nerven gehen kann. Dieses Herumschleichen um den Wähler, diese angetäuschten Versprechen, aber bitte, bloß nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, denn was, wenn man das angetäuschte Versprechen gar nicht halten kann? Am wichtigsten, aber das muss man ja als Wahlschaf auch erst einmal kapieren, ist doch das, was nicht gesagt wird. So soll einem (wahrscheinlich, ich vermute das jetzt einfach mal) irgendwie klar gemacht werden, dass im Prinzip derjenige, also höchstwahrscheinlich oder eher schon recht sicherlich, der es wagen sollte, sein Kreuzchen bei den "Linken" zu setzen, quasi der sofortigen Einführung der Diktatur des Proletariats (DDR, vielleicht mit Mauer?) und der Enteignung aller Besitzenden (juristisch: Eigentümer) uneingeschränkt zustimmt. Ist das wirklich so? Oder die Partei der Nerds, diese komische Piratenpartei. Pizza futternde Verlierertypen mit Akne, Ultima-Online T-Shirts und drei iPhones in jeder Hand? Die sollen alle Bundeskanzler werden? Ja, wollen die das überhaupt? Die einen reden von Steuersenkungen ("Freibier! Freibier!"), als würde dieses Land zum größten Teil aus Idioten bestehen, die reflexartig "Hurra!" rufen und das Kreuz an richtigen Stelle setzen. Die anderen versuchen sich in Realismus, aber bitte, was soll denn heißen, man müsse dann auch mal auf das eine oder andere Liebgewonnene verzichten? Wo ist die Bewegung, die Veränderung, der Aha-Effekt, die klare Überzeugung? Und alles so: Yeah?]
 
Di, 22.09.2009 |  # | (747) | 2 K | Ihr Kommentar | abgelegt: blogosophie



 

Die Wonnen des Spätsommers

Sanddorn-Hagebutten-Marmelade aufs Brötchen, Sonnenschein auf dem Frühstückstisch, die Luft ist noch kühl, riechtaber immer noch nach Sommer. Der Nachbar reichte die Marmelade herüber und bekam dafür ein Stück vom Pflaumenkuchen, der später noch aufgetischt wurde und danach noch ein paar Schritte durch die spätsommerliche Hitze, die ja tatsächlich Hitze ist, mit dampfendem Asphalt undkühlem Schatten in kleinen Gärten, ein Spaziergang hin zur alten Kastanie, um die schöne, glänzende Kastanien lagen, Kinder scheint es hier wohl nicht zu gebe n, denn hier kann man das Säcklein füllen und auch noch aufplatzende Exemplare mit Steinen aus dem Baum holen, ganz allein, ohne Konkurrenz,mit einem spätsommerlichen Lachen auf den Lippen.
 
So, 20.09.2009 |  # | (552) | 4 K | Ihr Kommentar | abgelegt: reality blogging



 

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Buchkalender 876 - 1 Tag / 1Seite - 14,5 x 21 cm (2010)

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Wie einen die zur Verfügung gestellten Arbeitsmittel schon am frühen Morgen in den Wahnsinn treiben. Irgendein SQL-Fehler führt zu irgendeinem Rollback, aber mir ist völlig egal, aus welchen, wahrscheinlich banalen, Gründen diese digitale Mimose sich mal wieder zickig hat, mit einer Schreibmaschine wäre das nicht passiert. Allerdings, man nennt das wohl Fortschritt, wird ja alles viel leichter, haben sie mir versprochen. Trotzdem soll ich noch mindestens 35 Jahre aktiv am Kampf um Arbeitsplätze (damals war der Arbeitsplatz wenigstens noch der Kampfplatz, heute spricht man von irgendeinem Markt, der Kampfplatz sein soll, damals für den Frieden, heute kämpft man um seinen individuellen Vorteil) an digitalen Mimosen, die ständig alles leichter machen, teilnehmen und immer wird alles leichter und schneller, durch die unvermeidliche technologische Evolution, und trotzdem schenkt einem keiner Zeit, um beispielsweise einen ganzen Tag am Meer zu sitzen und nichts anderes zu tun, als sich den Wind um die Nase wehen zu lassen, nein, im Gegenteil, es wird ja behauptet, dass man insgesamt viel zu wenig Zeit mit den digitalen Mimosen verbringe und viel zu viel Urlaub hätte (wahlweise Krankheitstage etc.) Es geht ja auch gar nciht darum, faul im Bett zu liegen und sich in der Nase zu bohren, sondern allein um Zeit. Für Langeweile. Auszufüllen mit Dings und Bums, Sie wissen schon: Gedichte, Romane, epische Folkloresongs. Oder so. Aber nein, ich meckere nicht, ich stelle fest.

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photonische Schaltkreise

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Wieviel Unsinn man sich während einer Zigarettenlänge zusammenspinnen kann. Automatische online-Tageszeitungsabgraser zum Beispiel, die einem automatisch Schlagworte und häufig benutzte Wortkombinationen zu den Themen eines Tages liefern, die man zusammenfügt und daraus Drehbücher für kurze Videosequenzen fertigt, die dann frisch gedreht bei youtube veröffentlicht werden.

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Titel 13 - Unbekannter Interpret - Unbekanntes Album

Das ist doch heute Unsinn. Kennzeichnen Sie bitte Ihre Gratis-CDs. Immerhin höre ich noch ab und zu was, wobei man ja das meiste ganz umsonst im Internet hören und auch noch mixtapen kann. Unerhört, diese Kostenloskultur, dabei sagte schon meine Oma, dass nichts umsonst sei. Nichts.

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Schon wieder von einem Blogger geträumt. Der ist nebenan eingezogen. Was nicht unbedingt schlecht wäre. Prinzipiell.

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An der Tür stehen, rauchen, von rechts, der Kindige würde von Nordwest sprechen, nähern sich Wolken, man fragt sich, ob der Wetterbericht Wolken angekündigt hat oder ob das ein plötzlicher Wolkenüberfall ist, ganz unangekündigt, womöglich ein Wolkenblitzkrieg. Darf man Blitzkrieg sagen? Rammstein sagen das, in ihrem neuen Song, der genauso doof ist, wie alle anderen Songs vorher. Obwohl, die Zeile "Blitzkrieg mit dem Fleischgewehr" gefällt mir, ich mag pornografische Schweinelyrik. Immer noch rauchen, nach rechts winken und fein "Hallo." sagen. Ganz cool und lässig. Dabei fällt einem die Kippe aus der Hand, das ist uncool, gar nicht lässig, das bin ich. Immer so tun und dann doch nicht sein. Wasser läuft aus dem Auto aus, so eine Paste reinhauen, Wasser hinterher kippen, eine Viertelstunde durch das Industriegebiet kurven, dabei sehen, wie die Blitzkriegwolken dunkelrot zerstreut werden, auseinandergetrieben, eine Spätsommeroffensive im September 2009, morgen, übermorgen tolles Wetter, na, kann man noch ein bisschen an der Tür stehen und rauchen.
 
Fr, 18.09.2009 |  # | (446) | 2 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fragmente



 

Traumnacht

Passend zur letzten Nacht, geträumt von zwei miteinander telefonierenden Bloggern, die ich über ein Bluetooth-Kabel, das in meinem Router steckte, hörte:

Moment mal...Wenn ich von jemandem träume und ihm Fragen stelle, dann kenne ich die Antwort nicht, solange er sie nicht ausspricht. Dennoch existiert dieser geträumte Mensch nicht außerhalb meines Gehirns, er ist nur ein isolierter Teil von ihm, zeitweilig. Jeder spaltet sich fast täglich, das heißt nachts, auf diese Weise - und verwandelt sich in Pseudopersönlichkeiten, die nur für den Augenblick geschaffen sind, für einen Traum. Es könnten erdachte Wesen sein - oder solche, die der Wirklichkeit entnommen sind.

Stanislaw Lem - Test
 
Do, 17.09.2009 |  # | (1376) | 4 K | Ihr Kommentar | abgelegt: auf der borderline nachts um halb zwei



 

Vereinzelt

Manchmal, wenn man kurz vor der Schließung des Gehirns wegen medialer Überfüllung steht, wird man ungerecht, legt die Güte ab, die man sich über Jahre antrainierte, die Eigenschaft, all das, was man nicht mag, unkommentiert links liegen zu lassen, es einfach da sein zu lassen und gar nicht dagegen anschreien zu wollen, wie ein Marktschreier, mit sich überschlagender Stimme und Schaum vor dem geifernden Maul, ja, man fängt also an, sich zu erregen, eine leichte Röte steigt einem ins Gesicht und alle Muskeln spannen sich an und ganz sicher steigt der Adrenalinspiegel auf einen unvorstellbaren Wert, wie der eines Boxers kurz bevor er in den Ring steigt oder dem eines notorischen Pferdewetters, kurz vor seinem ersten großen Tipp und lässt einem zum Hammer greifen und alles zu Brei schlagen, was man selbst für abwegig und falsch hält. Dinge, die man in diesem Zustand der negativen Ekstase aufschreibt, sollte man in irgendeiner dunklen Ecke verstecken und am besten vergessen.

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Und nebenan zieht die Schweinegrippe ein.

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Wunder der Techniken, man sollte sich nicht gegen sie verschließen. Nicht jede Handarbeit ist sinnvoll, man kann das ja betriebswirtschaftlich betrachten, ich habe da mal eine kleine Kosten-Nutzen-Analyse gemacht, irgendwann in der Nacht, weil mich die Muskeln quälten, und dann kam auch noch der Fachmann für Maschinenbedienung an und sagte: Hey, Mann, ein kaputter Rücken macht gar kein Entzücken, also zück endlich die Brieftasche und bezahle etwas, für ein wenig mehr Zeit. Du wirst sehen, es lohnt sich. Stimmt.

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Und dann meinte er noch, ich hätte meinen Beruf verfehlt.

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Berufung: Künstler, also so richtige Künstler, Kunstschaffende, Handwerker, also nicht die, die nur so tun und gerne reden, richtige Künstler für ihr Tun bewundern und sich sagen: Hey, das kannst du nicht. So. Ist aber auch nicht schlimm. Überhaupt, was sich ein menschliches Gehirn ausdenken, erdenken, konstruieren kann. Aus welchen Gründen auch immer sich ein Mensch lieber Gedanken darüber macht, aus einer Million Geld zwei zu machen ("Die erste Million ist immer die schwerste."), anstatt ein wenig Dampf aus dem kapitalistischen Druckkessel zu lassen und die frei gewordene Gedankenenergie der Träumerei, der Erfindung von Gedanken zu widmen. Natürlich, der Mensch lebt nicht von Kunst allein, aber bitte, kann man sich an einem Goldbarren satter sehen, als an einem Picasso?

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Links, Rechts, Mitte. Wo gehören Sie hin? Ich bin nirgendwo. Die einen sind mir zu bräsig und verkommen, die anderen verkommen und dumm, die nächsten verkommen in ihrer Langeweile, von den übernächsten weiß man nicht, wie viel Verkommenheit, Bräsigkeit und Dummheit versteckt sind. Diese Verdrossenheit, also das Gefühl, nicht wahrgenommen zu werden, niemanden zu haben, den man wahrnehmen möchte, der sich hinstellt und sagt: Passt mal auf Leute, meine Idee ist folgende. Und dann wird auch mal wieder etwas in Frage gestellt und nicht immer alles im Konsensbrei ersoffen. Schauen Sie doch hin: Sagt der eine was, widerlegt ihn der andere, ohne Alternativen anzubieten. Die Linke will Reichtum für alle, den Reichtum aber maximal besteuern, die Grünen wollen regieren, vielleicht auch ein bisschen was mit Öko machen, die SPD weiß nicht, was sie will, Hauptsache regieren und die CDU hat mehr Kraft als Ideen. Diese andere, blau-gelbe Partei kenne ich gar nicht. Von der Wahl zur Qual, niemand steht auf, haut mit der Faust auf den Tisch oder zündet den meinetwegen auch an und schreit dann laut "Revolution! Anarchie für alle." oder so etwas. Nein, statt dessen graue Mäuse, die immer alles richtig machen, weil sie gar nichts machen, na ja, vielleicht machen sie etwas, aber nichts was der Gesellschaft auf Dauer gut tut. Ob die Piratenpartei, die mir der supi-dupi-wahl-o-mat zur Wahl vorgeschlagen hat, diese Kohlen für mich aus dem Feuer holen kann, ich bin mir nicht sicher.

Und auch: Zeit | SpOn
 
Di, 15.09.2009 |  # | (438) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fragmente



 

M6

Die Straßenbahn, die Straßenbahn. M1 und M6 liefern sich ein Wettrennen, zumindest wenn es nach den Anzeigen am modernen Haltezeitenmonitor geht, der meistens stimmt, es ist nicht alles schlecht, im Berliner Nahverkehr. Na gut, manchmal wird die Definition einer Minute etwas weniger strikt ausgelegt, dann hat eine Minute mal schnell neunzig Sekunden oder hundertzwanzig, aber meistens stimmen die Zeiten, ich muss das wissen, denn ich beobachte die Anzeige genau.

Und meine Umgebung.

Dieser Mann zum Beispiel, wie er angerannt kommt, nicht hetzend, aber trotzdem die Beine ordentlich schwingend, ganz bestimmt und wohl wissend, dass in Kürze eine Bahn hier einfahren wird und er bestrebt sein muss, diese als erster zu betreten, um sich einen Sitzplatz zu sichern, möglichst einen Einzelplatz am Fenster. Aber vorher noch Rauchen. Hastig am Glimmstengel ziehen, schnell den Rauch wieder aus der Lunge blasen, durch die gelben Zähne hindurch, am grau-gelben Bart vorbei, hinaus in die milde Spätsommerluft, wann kommt denn endlich diese blöde Bahn? Die Anzeige verspricht sofortiges Eintreffen, ungeduldig blinkt das Fahrtziel dieser Linie in einem geheimen Takt, blink blink blink, die Realität sieht leider anders aus. Der Mann krault sich den Bart, ziept und zerrt an seinem kurzärmligen Holzfällerhemd herum und schaut der jungen Frau, die neben ihm ebenfalls gespannt auf die Bahn wartet, in den Ausschnitt.

Sardinenbüchse.

Seitdem die S-Bahnen streiken, ist die Fahrt mit der Straßenbahn unangenehm geworden. Wo man vor kurzem noch freie Sitzplatzwahl hatte, blicken einem nun müde, gerötete Augen ins Gesicht, gar nicht mal fragend, nicht einmal hämisch oder grinsend, meistens ausdruckslos und müde. Kleine, heimlich Blickgefechte mit entzückenden Damen sind in diesem Klima der Überfüllung natürlich ebenso ausgeschlossen, wie die Lektüre schwerstintellektueller Schwarten, ich halte mich an die Abenteuer eines gwissen Pirx. Der Mann im kurzärmligen Holzfällerhemd hastet durch die Gänge, wobei man ja nicht von Hasten reden kann, es ist eher so ein Drängeln mit irrsinnigem Blick und ausgefahrenem Ellenbogen, wahrscheinlich hat er irgendwo einen freien Platz erblickt, den er nun irgendwie ergattern, für sich sichern muss, denn das hier ist der tägliche Kampf ums Sitzen, den er anführt, mit wehender Nikotinfahne.

Und es gibt nichts Schlimmeres, als kalter Rauch in überfüllten Straßenbahnen.
 
Fr, 11.09.2009 |  # | (863) | 2 K | Ihr Kommentar | abgelegt: haltestellenkino



 

1310

Auf Wunsch eines einzelnen Herrn, habe ich an einer dieser berühmten Bloggerumfragen teilgenommen. Hören Sie selbst.
 
Do, 10.09.2009 |  # | (739) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: lustige bloggerspielchen



 



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Letzte Aktualisierung: 03.06.2024, 07:57


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