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Vereinzelt

Schöner Morgen. Die Fenster aufgemacht und gleich roch es, wie es immer in den Sommern im Brandenburgischen roch, wenn Oma morgens die Tür aufmachte und von draußen diese frische, feuchte Nachtluft aus dem Wald, von den Wiesen und vom See in den kleinen Bungalow strömte und die Sonne auf die Terasse schien und ich mich bereit machte, für meine Abenteuertouren durch die Wälder, über die Felder, immer am See entlang.

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Fucking Berlin: Die Tram war eine Sardinenbüchse. Natürlich, dachte ich sofort, jetzt ist es schon wieder passiert. S-Bahnen fahren nicht mehr. Besser gesagt dreiviertel aller Züge. Berlin möchte Weltstadt sein und die Bahn schickt Provinzmanager. Davon aber gleich vier. Natürlich, super, die Gewinne in den letzten Jahren. Kann man gleich einkassieren, aber. Die Manager sind weg und die S-Bahnen Schrott. Berlin ist am Ende. Wenn es überhaupt jemals angefangen hat. Seit 1945 wurde hier kaum noch was gerissen. Ja, nee, alles Schick in Prenzlberg und in Zehlendorf scheint auch jeden Tag die Sonne, aber wie, bitte schön, wollen Sie denn heute von Zehlendorf nach Prenzlberg kommen? Sehen Sie, die Realität ist ganz einfach: Meine Heimatstadt, ein Drecknest.

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Und die Liebste stellt fest: Je älter man wird, umso weniger Menschen kann man leiden. Wenn wir alt sind, müssen wir wohl in der Wüste leben. Wenn wir uns dann noch leiden können.

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Hitler-Porno gegen Aids, Rumänische Faulpelze, OECD-Bildungsnotstand, Finanzdepressionskrise: Wie soll ich das meinen Kindern erklären? Und wie, um Gottes Willen, soll ich ihnen beibringen, dass auch wir Geschirr von Ikea haben? (Armutsrisiko!) Mir ist schon ganz schlecht.

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"Was hast du eigentlich gegen die SPD? Ich habe doch immer SPD gewählt."

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"Du hast noch einen Haufen von diesen Dingern. Von diesen ähem wie heißen die nochmal? Kann ich die wegschmeißen?"

Dings ähem na wie hießen die nochmal?

NEIN!
 
Mi, 09.09.2009 |  # | (415) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fragmente



 

Kasupke ist anders

Meine Fresse, lass mir doch in Ruhe mit dem Internetz-Manifest, doo. Schon det kommunistische Manifest konnte keen überzeugn, nee, im Jejenteil, die Leutchens renn imma noch wie de Bekloppten innen Mediablöd und koofen supaflache Fernseha, statt ma drüba nachzudenkn, wie Scheiße die real-existiernde Welt iss und jetz noch dieser virtuelle Blödsinn. Jeh und hol mir nochn Bier, Mann, sonst krieg ick mir nich mehr ein.

Der Berliner H. Kasupke, befragt zum alles bewegenden Thema "Internet-Manifest". Den alle bewegenden Onlinedienst "Twitter" kennt er übrigens auch nicht und kommentierte das Gezeigte so: "Wat isn det? Brauch ick nich, habick keene Zeit für."
 
Di, 08.09.2009 |  # | (1082) | 9 K | Ihr Kommentar | abgelegt: dinge, die die welt nicht braucht



 

Vereinzelt

Wolkenbruch am Morgen,
vertreibt Kummer und Sorgen.
Spült den alten Dreck weg
und macht Platz für neuen,
Dreck.

Oder so ähnlich.

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Dass es morgens noch dunkel ist und die Sonne es abends ganz eilig hat, zu verschwinden, ist irritierend. Ich bin noch nicht auf Herbst eingestellt.

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Sich gelangweilt durchs Musikarchiv klicken. Sich gelangweilt durch die Onlinebuchhandlung schleppen. Sich ohne Suchmaschine nackt fühlen. Sich immer wieder Videos von dem neuen Diablo III anschauen, wobei man doch genau weiß, das es auf diesem Oldtimer niemals laufen wird. Das alte Ding, an dem man sich schon die Finger verbrennt, wenn man mal ein Spielchen spielt, das die Bedienung der Taste "W" erfordert. Ich gehe davon aus, dass unter dem harmlosen "W" die zur Herdplatte mutierte Grafikkarte zu finden ist, die entweder bald in Flammen aufgeht (spektakulär) oder gar nicht mehr anspringt, wenn das alte Ding angeworfen wird (langweilig). Sich gruseln bei der Vorstellung, dass der Bildschirm schwarz bleibt. Sich unwohl fühlen, angesichts dieser Abhängigkeit.

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Poetry and Motion

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Am unangenehmsten sind die Menschen, die ihre Urteile fällen, ohne den Verurteilten überhaupt zu kennen. Das ist auch so eine aus dem realen Leben in die Onlinewelt herein getragene Unsitte, Unmöglichkeit, zeigt aber, dass es hier eben gerade nicht viel anders ist, als dort. Sich selbst dabei ertappen, Urteile über Menschen zu fällen, die man gar nicht kennt.

(Beispielsweise diese Menschen auf den Wahlplakaten allerorten: Alles Unsympathen, wenn Sie mich fragen, die ich gar nicht wählen kann, weil mir immer schlecht wird, wenn die auf mich herab blicken, als sagten sie: Ach, komm, du willst es doch auch.)

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Ich packe eine Bücherkiste und packe einen Bukowski ein. Und Sie?
 
Do, 03.09.2009 |  # | (539) | 9 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fragmente



 

Stadtschleicher

Durch die Stadt schleichen, manche nennen mich auch schon Stadtschleicher. Ein Taxifahrer belegt einen unbehelmten Radfahrer, weil der ihm irgendwie, wahrscheinlich, die Vorfahrt genommen hatte und er scharf bremsen musste, was ihn wahrscheinlich zum ersten Mal an diesem frühen Morgen munter machte. Unbehelmte Radfahrer sind mir suspekt, seitdem ich es schaffe, im höchsten Gang der Gangschaltung mehr als 500 Meter zu fahren, denn das ist wirklich schnell und auch gefährlich. Sagt die sorgenvolle Liebste. Hauptsache die Haare liegen. Taxifahrer und unbehelmter Radfahrer trennen sich friedlich, kürzlich sah ich einen Wachmann aus seinem Auto springen und dem Vordermann die Faust zwischen die Augen drückend, nun ja, dit iss Berlin, wa. Gewalt ist irgendwie ja doch scheiße. Sagte ich schon vor kurzem zu jemandem, der meinte, Kinder hätten ab und zu ein wenig Haue gern. Bekloppte Menschheit. Zwei Typen wanken über die Alte Schönhauser: Ey, weisse wo hier nen Bankomat iss, ey? Und sach ma, wo issn hier nen anständjer Puff? Die säuselten was von gerade beendeter Arbeit und nun hätten sie Lust auf ein bisschen Spaß mit bezahlbaren Damen und so weiter. Natürlich kenn ich keine Puffs. Püffe? Deshalb wollten sie mich gleich mit einladen. Wat du kennst keen Puff? Dann momma gleich mit, wir laden dich och ein. Nee, sagte ich, lasst mal, ick bin schon reichlich ausjelastet. Hahaha.
 
Mi, 02.09.2009 |  # | (755) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Berlin



 

Willkommen im Club Marzahnorca

Letztes Jahr war alles toll. Letztes Jahr ging irgendwo schon mal die Welt ein bisschen unter und im Westen die Sonne, feuerrot am westlichen Horizont, unter der untergehenden Sonne das brodelnde Meer, blau und warm und unwiderstehlich und wir darauf schauend, ganz braun gebrannt von der Hitze und der Glut und ganz hitzig vom kühlen Ouzo, getrunken aus den edlen Gläsern eines sieben Sterne-Clubs mitten im westöstlichen Mittelmeer.

Auch in diesem Jahr ging die Sonne im Westen unter, feuerrot am westlichen Horizont, nur war der gar nicht zu sehen oder jedenfalls nicht ganz, vielleicht, wenn man sich weit aus einem Dachfenster beugte oder auf einen Haselnussbaum stieg, gleich hinter dem Haus. Das Meer schien ausgetrocknet, wie die Geldbörse, der Grund erreicht, wir haben Krise, die alles umfassende Geldbörsendepression. Als wenn sich alles nur darum dreht. Und doch lebt man und genießt die wohltuende Abwesenheit der mediterranen Spaßgesellschaft, man schenkt sich daheim ein kühles Bier ein, bestaunt die Dinge, die einen umgeben, so schlecht, wie andere sie finden, können sie gar nicht sein.

Aufs Fahrrad geschwungen und mal geschaut, wie das Volk so tickt, da drüben, auf Marzahnorca, der nahen Nachbarinsel, hinter dem Industriegebiet. Ja, dort haben sie das goldene M, aber schaut doch mal, Kinder, davor stehen riesige Abfallcontainer, ein paar Dixi-Toiletten für die dicken Kinder von Marzahnorca, nur das Spielgerät, umgeben von mit Fettspritzer übersäten Gummimatten, das steht noch. Also kehren wir um ("Ja, ja, wir reiten, bis zum Horizont.") und widmen uns unserer bürgerlichen Idylle, klein ist sie und beschaulich, aber sehr doch nur, auch wir haben einen See, an dem zu entspannen es sich scheinbar lohnt.

Plauer See

Nur die schicke Eigentumswohnung am Ufer des Sees oder gar das Ferienhäuschen mit eigenem Anlegeplatz, das gibt die Geldbörse ja doch nicht her, denn, Kinder, es ist Krise, allerorten, schaut euch doch nur mal die Gesichter der Politiker an, hier, dort, überall, nichtssagende Fratzen ohne nennenswerte Inhaltsstoffe, das Konjunkturprogramm heißt Abwrackprämie und wir haben nicht einmal Geld für Gold. Oder Silberkännchen. Nicht einmal den Wohnwagen "Michael" können wir uns leisten, in dem hockt nämlich der schrecklich dicke Sven mit Tante Mathilde, liest die Bild und abends haut er Steaks und Würstchen aus dem nahegelegenen Nettolidlaldisuperdiscoutermarkt auf den Grill, hossa, noch ein Lübzer Pils dazu, zur Not tut es auch ein Sternburger (nicht Starnberger), denn auch der Sven muss in Krisenzeiten sparen, las ich in der Faz.

Dauercamper Michael

Aber auch die kargen Tage im Zelt am See sind irgendwann vorbei, genauso wie die fetten Jahre im mediterranen Club im westöstlichen Mittelmeer, dem FDGB-Heim für die Partyfunktionäre unserer alles tragenden medoikren Mittelstandsmittelschicht, dann heißt es nach Hause rollen und Pellkartoffeln mit Quark genießen und abends dann, bei Kerzenschein, aus dem Dachfenster lehnen und dem Sonnenuntergang zuschauen, der für die nächsten anderthalb bis zwei Milliarden Jahre keine Krisen kennt.
 
Di, 01.09.2009 |  # | (668) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: blogosophie



 

1299

Und irgendwann mal, vielleicht wenn die Kinder aus dem Haus sind und das scheinbar bürgerliche Leben wieder angenehm verwildern kann, kommt der Roman "Tausend Dinge, die ich nie machen wollte, aber musste und dann auch noch Spaß dabei hatte." Melancholisch stimmt mich dabei nur der in jedem Sonnenstrahl bereits mitschwingende Herbst - "Hoffentlich wird es ein goldener Oktober." hörte ich sie sagen - und der immer noch verwaist im Schrank vor sich her dämmernde Stapel ungelesener Bücher. Aber nächstes Jahr ist ja auch noch ein Jahr.
 
Mo, 31.08.2009 |  # | (404) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fragmente



 

Vereinzelt

Nachricht von Lord Spamalot:

a giant outside
if you will
but bring me
my ball back again

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Kurz nach Sonnenaufgang, after hour. Nacht und Tag vermischen sich, im Ohr vermischen sich Töne auf unterschiedlichsten Frequenzen, verdichten sich zu einem Gesamtbild. Eine künstlerische Zusammenstellung elektronischer Töne ist dem normalen Radiosong mit drei bis vier Minuten Länge auf jeden Fall vorzuziehen, modernes Radio ist hektisch. Pop ist hektisch und wenn der dann noch mit Werbung drum herum verkauft wird, macht er keinen Spaß mehr. Irgendwann, in einem Anfall von Wahn, irgendwo auf der Autobahn zwischen Berlin und Anklam, stellte ich fest, dass der Unterschied zwischen künstlerisch zusammengemischter elektronischer Musik und klassischer Musik so groß gar nicht ist. Was natürlich nicht stimmt.

#

Kürzlicher Verleser: Oberliga statt Oberschicht. Und nein, ich spreize meinen kleinen Finger nur beim Schreiben auf der Tastatur ab. Wahrscheinlich gehöre ich zum Tastaturadel.

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Wenn man den Punkt überwunden hat, nach dem morgendlichen aus dem Bett schälen, anzunehmen, man könne eines Tages berühmter Schriftsteller sein, wirkt man viel befreiter. Und ist es auch. Man gibt sich mit kurzen Einträgen in sein sogenanntes Weblog zufrieden, nennt diese bescheiden "Vereinzelt", klitzekleine, belanglose Fragmentchen und auch mit dem exklusiven Leserkreis ist man zufrieden. Stellen Sie sich bloß vor, ein jeder, ob nun Kretin oder Bourgeoise, könnte in einen herkömmlichen Büchersupermarkt stiefeln und sich Ihre Gedanken, ihre ureigensten und innersten Gedanken, einfach so kaufen, sich mit dem hart erarbeiteten und erkämpften Büchergut auf eine Sonnenliege (El Arenal, Binz, Miami Beach) legen und darin lesen, um dann das Büchlein später zu verleihen, zu verschenken, achtlos liegen zu lassen, bei ebay zu versteigern oder in ein Billy-Regal zu räumen, oh mein Gott. Nein, morgens als sogenannter Blogger aus dem Bett zu steigen, die Augen aufzusperren und über das Gesehene später vereinzelt Protokoll abzulegen, das ist das Glück. (versöhnlich)

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Natürlich würde es mich interessieren - ich muss noch einmal auf den kleinen Finger zurück kommen - wie viele der exklusiven Leser beim Tee trinken den kleinen Finger abspreizen. Man muss sich ja ganz speziell auf seine exklusiven Leser einstellen. (siehe auch: Der Gesellschaftsfinger)

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Nicht verreisen, reisen. Irgendwo hin. Egal, Hauptsache irgendwie grün, wenig Menschen, Wasser, Ruhe.

#

Bis nachher, morgen, irgendwann.

(Menschenskind, Sie haben ja wirklich keine Ahnung. Was wissen Sie von der Gärtnerei? Nichts! - Ab jetzt nur noch Gartenfreund und Liebhaber. In jeder Hinsicht.)
 
Fr, 07.08.2009 |  # | (642) | 5 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fragmente



 



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Letzte Aktualisierung: 03.06.2024, 07:57


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