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Anders, denkt

Meistens kommt es anders, als man denkt.
Immer denkt man anders, als man kommt.
Man denkt, es kommt öfter anders.
Kommt es anders, denkt man immer.
Denkt man, kommt es immer anders.
Immer, meistens,
erstens, zweitens.
Das Manchmal, nicht vergessen.
 
Do, 08.10.2009 |  # | (623) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: blogosophie



 

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Man redet über die Einheit. In diversen Medien wird die Einheit so richtig breit geredet. Wenn man über die Einheit redet, heißt es immer "Ost" und "West". Einheit bedeutet also, dass ein Land aus zwei Teilen besteht, die sich "Ost" und "West" nennen? Man tut sich selbst schon schwer, Kindern so etwas wie die Einheit zu erklären. "Da waren mal zwei deutsche Staaten." Da fängt das doch schon an. "Warum waren da zwei deutsche Staaten?" Und so weiter. Endlose Erklärbärerei, klar, Geschichte ist wichtig, aber. Nicht mit den vorhandenen Medien. Ich bin übrigens weder Ossi noch Wessi. Ich bin Wossi.

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Verrückte Träume, was man da alles so durcheinanderwirbelt. Sex, Blogs and Rock'n'Roll.

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Stinkende Menschen in der Straßenbahn. Man will da gar nicht mehr einsteigen. Alkohol und Nikotin, kalter Zigarettenrauch. Kürzlich kam der Nachbar vorbei und roch genauso. Rieche ich auch manchmal so? Die Liebste würde es mir sagen. "Geh mal duschen." würde sie gleich sagen, mit angeekeltem Gesicht. Sie lehnt Stinkerei ab, verständlicherweise. Deshalb bestreikt sie auch den Nahverkehr. Und während sie im beheizten Wagen durch die Gegend brummt, vielleicht eine Melodie mitsummt oder Autofahrer beschimpft, verkrieche ich mich in der letzten Ecke des hintersten Tramwagens, verziehe mich hinter meine Lektüre und tue so, als wäre ich gar nicht da. In der Straßenbahn.

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Kind2 weigert sich beharrlich, seinen Namen zu schreiben. Nur weil alle das können? Pöh. Ist ja noch gar nicht wichtig. Fingerfertigkeit kann man auch anders üben. Zum Beispiel beim Basteln von Einladungskarten. Der hat da schon mal was vorbereitet. Eine ganze Menge Einladungskarten, so dass die Eltern Angst bekommen. Natürlich alle ohne Unterschrift. Manchmal, abends im Bett, fragt man sich dann: Wird mein vierjähriges Kind ordentlich durch die Welt kommen, wenn es jetzt noch nicht einmal seinen Namen schreiben kann? Ist es möglicherweise dumm? Kopfschütteln. Natürlich gröbster Unfug, Irrsinn. So wird man nur, wenn man ständig auf Elternversammlungen, Elternstammtischen, Elternstraßengesprächen mit der permanenten Abstiegsangst der Mittelschicht gepeinigt wird: Mein Kind muss es mal besser haben!

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Durch Prenzlberg gefahren, das war irgendwie, so, huaahhaaahaaa. Dann lieber Karlshorst. Beispielsweise.

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Man muss nur genug Selbstbewusstsein tanken und schon gehört man zu den Allesrichtigmachern. Sie wissen schon, das sind die mit den perfekten Leben. Wenn man dann aber mal hinter die Fassade schaut, hach, ja. Wie schnell vergeht die Zauberei.

("Wir gehen heute zu denen da." - "Ach, sind das nicht die Alkoholablehner?" - "Genau, die. Bei denen kann man nur mit Medikamentenmissbrauch punkten." - "Ob die noch ein paar Ibo 800 haben?")

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Twitter ist, irgendwas cooles, geniales, communitymäßig interessantes sagen zu müssen. Oder man tut so gelangweilt kunstmäßig-philosophisch.
 
Mi, 07.10.2009 |  # | (483) | 2 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fragmente



 

Feiertag

Feiertag. Irgendwann klingelt der Wecker, warum klingelt eigentlich der Wecker, dieser vermaledeite Wecker? Achso, ja, klar. Fußballjahre sind keine Herrenjahre, ich weiß schon, warum ich Handball spielte, unsere Spiele liefen immer erst nachmittags, man konnte also morgens im Bett lümmeln, sich im Morgengrauen noch einmal umdrehen, dabei katermäßig knurren und noch einmal in Träume verfallen.

Feiertag. Der Morgen wird nicht heller, ein paar Regentropfen am Fenster, der Wind wirft die Haselnussbüsche hin und her, die ersten müden Blätter wirbeln durch die Luft, es ist kalt, es ist ungemütlich, es ist Oktober. Der T. ruft an, kommt bald, man hat ja noch etwas vor und er bringt etwas mit, ein Baumaschine, größeren Ausmaßes. Aber heute ist doch Feiertag, sage ich, aber was solls, wenn nicht heute, wann dann, man hat ja nicht ewig Zeit, die Dinge, die zu erledigen sind, zu erledigen, wir machen das heute gleich, sagt er und ich schwinge mich in meine drecksteifen Klamotten, schnappe mein Handwerkszeug und lege schon mal los.

Feiertag. Die größte Sorge macht eine Birkenwurzel, ich schätze sie auf drei- bis vierhundert Kilo. Sind Birken Flachwurzler? Ja, die haben keine Pfahlwurzel, dafür aber arm- und beindicke Wurzeln in alle Richtungen verstreut. Hast du die Kettensäge besorgt? Ähm, nee, also, Kettensäge, ha, nein. Handarbeit. Immer wieder Handarbeit, an der Hand schon dicke Schwielen, Papa, deine Hand ist so hart geworden in letzter Zeit, ja, na ja, halb so wild. Es gibt schlimmeres. Die Wurzel wehrt sich mit allen Mitteln. Der Baum war eigentlich schon längst tot, fiel bereits im letzten Jahr, man musste ihn nur mit dem kleinen Finger antippen und schon fiel das arme Dinge, mit lautem Getöse und Krachen fiel es um, aber die Wurzel, die Wurzel scheint kerngesund, eine kerngesunde Wurzel, die sich bis zum Schluss erbittert wehrt.

Feiertag. Seit drei Wochen an diesem Ding herum gehauen, gesägt, gebuddelt, gezogen, geschoben, keine Bewegung. Der Radlader senkt seine Schaufel, drückt mit aller Kraft, zieht, hebt, schiebt, drückt, macht Bocksprünge und tiefe Furchen in den feuchten Lehmboden, aber die Wurzel wehrt sich bis zuletzt. Der T. versucht es noch einmal. Das ist das letzte Mal, sagt er, sonst bleibt das dumme Ding drin oder wir zünden es an oder zerstückeln es. Schieben, ziehen, heben, drücken und dann ein lautes Kancken, Krachen, Rumms, aus das Ding, das dicke Ding, siebenhundert Kilo, mindestens, sagten wir später, denn mehr schafft der Radlader gar nicht und der war schon im roten Bereich.

loch, das vorher eine birkenwurzel war

Feiertag. Am Abend müde in die Küche schleppen, die A. hatte etwas gekocht und der Duft zog nun durchs ganze Haus. Komm, lass uns erst mal ein Bier trinken und die müden Knochen, leicht erwärmt von einer heißen Dusche, die man schon seit dem Morgen ersehnte, auf einen Stuhl packen, ein paar blutende Wunden versorgen, aber man ist da ja nicht so, das Blut wegwischen und gut ist, wenn nur nicht der Rücken, na, biste nicht gewohnt, sagt der T. und verschwindet wieder in den anbrechenden Abend dieses Feiertags.

[Bloggen als Aufsatzschreiberei. Beim Arbeiten viel nachgedacht über das Bloggen, wie einem die eigene Amateurhaftigkeit auf den Sack geht, aber, ach.com, egal.]
 
Mo, 05.10.2009 |  # | (692) | 5 K | Ihr Kommentar | abgelegt: reality blogging



 

1328

Man könnte doch eigentlich auch per Internet wählen. Sagte sie. Och nö, sagte ich, jeder Minirouter kann doch ne Kopie von deinem Kreuzchen ziehen, wenn er will und wenn irgendein oller Mensch daneben sitzt, dann könnte der doch ganz schnell mal dein Kreuz umsetzen, von hier nach da und so weiter, och nö, das wird doch nix. Und jetzt erzähl mir nix von verschlüsselten Leitungen, doo.

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Ein Nacht mit FDP-Wählern, die sich am Pinkelbecken über soundsoviel Steuern unterhalten, abschütteln und gelb wählen gehen. Ist doch klar, sagen die, kommen die Roten, ey, müssen wir zahlen. Klar, sage ich, und alle müssen sich nen Kalle-Marx-Gedenkbart wachsen lassen. Auch die Frauen.

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Das ganze Wochenende an 89 gedacht. Das Jahr der Scheidungen, Tante, Schwester, Eltern, Land. In dieser Reihenfolge. Und ich mit Zigaretten in Rübezahls Wald und mit ner dicken Russin (Sowjetin?) zu Modern Talking tanzend. Könnte man mal was zu aufschreiben. Kalte Zeiten stehen ja bevor. Rein jahreszeittechnisch, versteht sich, denn dieses Land kann es jetzt besser.

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Frank Sinatra, AC/ DC, Roland Kaiser. Wir sind schon ne richtige Stimmungskanonade. Erst du, dann ich. Frauen. Die eine wollte immer tanzen und du tanztest, aber ich nicht. Ich sagte, dass ich so gegen eins warm werde, zwischen eins und sechs ist meine Tanzzeit, dann schaute die immer auf die Uhr und trank und ich auch und um fünf vor eins musste ich dann tanzen, zu irgendeiner unangenehmen Musik. Später dann, gegen drei, stand der Nachbar plötzlich vor mir auf der Straße, hab den gar nicht gesehen, vor trunkener Verschwommenheit und nächtlichem Natriumdampflampenlicht, und murmelte irgendwas von einem guten Morgen.

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Fuck, dachte Win, fuck, du fauler, unfähiger Mistkäfer. Mürrischer Hobbyschriftsteller frisst Tastatur, ne tolle Schlagzeile für die Bild. Oder BZ. Oder Kurier. Steht doch immer so ein Schwachsinn drin. Fuck, dachte er, und steckte sich die nächste Zigarette an. Drei Sätze seit diesem Januar, wenn das so weiter geht, müssen irgendwann die buckligen Enkel den Epos vollenden, wenn er selbst längst in der Kiste liegt und die in jedem Jahr an seinem Todestag Nachrufe auf facebook schreiben. Wahrscheinlich in so einer verkümmerten Internetsprache, die nur aus Smilies und verkrüppelten Andeutungssätzen besteht, voll ironisch. Fuck. (#Schreibmalwieder)
 
Di, 29.09.2009 |  # | (464) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fragmente



 

Wahlsonntag

Wir haben sie gesehen, die Nichtwähler. Lagen faul in der Sonne und tranken Kaffee und aßen Kuchen und schwatzten blaue Rauchringe in die sommerliche Herbstluft und wir Dödel, wir liefen in das Wahllokal, um etwas zu tun, was nichts verändert. Die da oben, hört man, machen doch sowieso, was sie wollen. Würdet ihr hier nicht rumsitzen und wiederkäuen und ständig euren Dünnschiss ablassen, denkt man zurück, sondern diese eine kleine, minimaldemokratische Tat wagen, ihr könntet wenigstens dasitzen, dummlabern und sagen: Die habe ich aber nicht gewählt. Ich habe die nicht gewählt, sagte ich dann, abends, während wir faul in der Sonne saßen und uns einen Grappa aus Südtirol eingossen, von dem soll man nämlich trinken, wenn einem etwas schwer im Magen liegt. Wohl bekomms.
 
Mo, 28.09.2009 |  # | (528) | 1 K | Ihr Kommentar | abgelegt: reality blogging



 

1324

Wenn man so wunderbar verdreht ist: Gruppenkuscheln eklig finden und trotzdem bekuschelt werden wollen. Rein metaphorisch, jetzt.

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Während der eine sich nun ein Gedicht lesend erarbeitet und man selbst dabei ein wenig die Phantasie anregt, weil man ja womöglich begriffen haben könnte, wie man sich bestimmte Dinge merkt, statt sie stur auswendig zu lernen, hört der andere zu und bittet darum, es noch einmal vorgelesen zu bekommen und noch einmal und noch einmal, nur um Tage später zu präsentieren, dass er ein guter Merker und Zuhörer ist. So hat er sich auch schon eine Menge moderner Popsongs antrainiert, auch fremdsprachige, hin und wieder auch die weniger angenehmen.

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Überhaupt, die Jugend von heute!

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Unglaublich empört erzählte sie von ihrem Jungen, der herum geschubst und gehänselt wird, in der schicken neuen Privatschule, von diesen Kindern, die andere Kinder herum schubsen, weil sie die falsche Hose an haben, das falsche T-Shirt, weil sie den falschen Haarschnitt haben oder eine Brille. Ja, sagte dann jemand, aber warum sollten diese Kinder besser sein, als andere?

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Die Gummibären waren sein Tod.

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Vor Jahren bin ich, nach einer etwas vertrunkenen Nacht, die morgens um vier in einem Zelt endete, irgendwo in der brandenburgischen Einöde, mit diesem schrecklichen Lied geweckt worden. Kurz nach sieben. Dieses Lied geistert mir seitdem jeden Morgen nach dem Aufstehen durch den Kopf, ein unglaubliches Trauma, denn dieses Lied ist unglaublich belästigend und blöd und die versoffenen Typen, die damals dieses Lied abspielten, nur um ihre komatösen Rauschkumpane in den Wahnsinn zu treiben, sollen verflucht sein, bis an ihr Lebensende. (Jugendsünden.)

#

Jemand schrieb "ich hasse das Internet" ins Internet und ich dachte "Ja." Der Punkt, an dem man aufhören sollte, sich mit diesem Ding zu beschäftigen? Nein. Aber anders betrachten, den Blickwinkel ändern, die Dinge sehen, die liebenswert sind und die Schmocks Schmocks sein lassen, die Dinge, die man nicht mag, beiseite packen und neue Wege gehen. Das geht, man kann das. Und man fühlt sich besser. Schade nur, dass das Gefühl, die Welt verändern zu können, hinter einem Berg von Nichts verschwindet und man das hin nimmt, ohne sich großartig zu wehren. (Angekommen in einem erwachsenen Hinnahmeleben, ist das jetzt schon Pathos?)

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Die Würze des Männchens ist unantoastbar.

PS: Wählen gehen, muss man ja nicht extra betonen.
 
Fr, 25.09.2009 |  # | (554) | 2 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fragmente



 

Verdichtet I

Gedämpfte Schleier träumen Welt,
fällt Golde, Wald und Wiesen,
bald Himmel fließen unverstellt,
siehst blaue Nebel ruhen.

[Ein kleiner Wettbewerb: Gesucht wird das Original plus originalem Verfasser. Wer das ohne die Hilfe von Google herausfindet, bekommt 100 Karmapunkte.]
 
Mi, 23.09.2009 |  # | (1278) | 10 K | Ihr Kommentar | abgelegt: verdichtet



 



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Online seit: 08.02.2006
Letzte Aktualisierung: 03.06.2024, 07:57


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