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Akku leer, keine Steckdose in Sicht. Lächeln, immer lächeln, wird schon, wird schon. Lebbe geht weiter, sagte mal dieser Stepanović, aber auch das ist schon Jahre her. Nun ja, es ist Herbst, die Jahreszeit, in der man sich am liebsten selbst bedauert und so bedauere ich dich und du mich und wir bedauern uns und vielleicht betrinken wir uns auch mal wieder, einfach so. Die Dinge runtergespült bekommen. Und heute Nachmittag Sonnenschein, sagt der Wetterbericht.
 
Fr, 17.10.2008 |  # | (484) | 3 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fragmente



 

Um die Ecke bringen

Ein Roman. Eine Frau. Ein Mann. Der Leser geht von Liebe aus. Aber hier gibt es mehr Fassade als Hintergrund. Es gibt auch Hass und einen feigen Typen, der glaubt, nicht zu können wie er wollte und sie ist natürlich an allem schuld. Sie hält ihn vom Leben ab, von seinem echten Leben, seinem großen Leben, das sieht er natürlich auch jeden Morgen im Spiegel, er ist Künstler, Schriftsteller, Lebemann, aber sie lässt das nicht zu, unterdrückt ihn, macht ihn klein und leise, mit ihr ist er ein Nichts, ein Niemand, ein mediokrer Büroschnösel mit Anzug aus dem Anzugdiscounter um die Ecke. Aber er hat einen Plan. Beim Rasieren summt er ganz leise "I'll kill her". Und macht sich ans Werk. Erst ganz versteckt, heimlich, fies, später dann ganz offen und brutal. Es wird ein wenig eklig. Rein menschlich natürlich, niemand wird ausgeweidet, na ja, obwohl. Also ein paar Seiten Dramatik und keiner weiß so richtig, wie und was alles passiert, es wird ein wenig nebulös, so dass man dran bleiben muss, es gibt auch (nun doch) ein wenig Blut, einigen Sex und eine Menge Drogen und natürlich gute Musik, dunkle Nächte, helle Tage, in gleißendes Licht getaucht, das Ende ist offen.
 
Do, 16.10.2008 |  # | (1096) | 4 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Schreib mal wieder



 

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Acht Stunden Arbeit an einem benzingetriebenen Ungetüm, immerhin unangenehme bis ohrenbetäubende 112 db, keine Musik in den Ohren, das ist Fließbandarbeit. Man fängt unweigerlich an, im Kopf idiotische Lieder zu singen (vorzugsweise Schlager), bescheuerte Geschäftsideen zu entwickeln, mit denen man bis vor kurzem in der Finanzwelt wahrscheinlich Millionen, Quatsch, Milliarden, hätte verdienen können und sich Romanstoffe auszudenken, die niemand jemals in sein Bücherregal stellen wollte, geschweigen denn lesen. Lächeln, sagte ich, immer lächeln, wenigstens der goldene Oktober hatte Mitleid und zeigte sich von seiner besten Seite.
 
Mi, 15.10.2008 |  # | (431) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fragmente



 

Vereinzelt

(Lästige Chronistenpflicht.)

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Die Welt ist im Wandel, das sagte schon die schöne Galadriel in den Bildschirm hinein, anlässlich der unvergesslichen Trilogie "Der Herr der Ringe" und ich gebe ihr Recht.

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Sämtliche Fernsehaktive feiern sich auf einer großen Party mit Auszeichnüngchen und Bussibussi, nebenbei beklagen alle, dass sie hier und da vielleicht ein wenig oder auch ein wenig mehr Geld verloren hätten ("Hui, da war es plötzlich weg und die Bank hatte noch gesagt, das wäre eine hunderprozentig sichere Anlage." hörte man die eine oder den anderen jammern), aber dieser eine alte Mann wollte natürlich nicht mitfeiern und verteilte keine Bussis und kein Hallöchen, sondern war ganz dolle böse zu allen aber das war ja vorauszusehen. Ich selbst interessiere mich ja nur noch für sanfte Kochsendungen und "Bauer sucht Frau".

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Fehlt nur noch, dass jemand versucht, Reich-Ranicki zum Blogger zu machen. Dann hätten wir simplen Sprachanwender auch nichts mehr zu lachen, also die meisten jedenfalls.

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Der Haider ist tot und ich habe es wieder als letzter erfahren, weil ich wichtigeres zu tun hatte. Alle lachten über mich, wie gemein, aber die Sonne schien dabei. Ich habe es zur Kenntnis genommen und bin weiter meinen Geschäften nachgegangen.

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Wie viele Bäume könnte man wohl mit 400 Milliarden Euro kaufen?

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Der Kunde ist immer am unteren Ende der Nahrungskette. Banken verzocken sein Geld, Firmen verkaufen seine Daten, mit denen dann andere Firmen Mahnungen schicken und Inkassounternehmen ihn belästigen lassen (alles schon passiert), er ist ja auch selbst schuld, an allem, warum trägt er sein Geld zur Bank, warum meldet er sich da und da an oder hat einen Telekomanschluss, warum kauft er so billig, wo doch jederjederjeder weiß, dass billig gekauft, zwei Mal gekauft ist oder noch mehr, warum lebt er auch in diesem oder jenem Staat, woanders ist es immer besser. Und so weiter.

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Eigentlich würde ich ja gerne was ganz anderes machen. Und frage mich deshalb wirklich: Wie viele Bäume könnte man wohl mit 400 Milliarden Euro kaufen?
 
Mo, 13.10.2008 |  # | (461) | 1 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fragmente



 

Song of the day

Hello Ackermann, tell me, how you're doin'.

[Im Original natürlich von diesem schwedischen Zahnarzt. Hab ich noch irgendwo auf Kassette oder auch bei youtube.]
 
Fr, 10.10.2008 |  # | (688) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: dinge, die die welt nicht braucht



 

Teaser

Gedacht, es wäre wieder mal Zeit für eine dieser gruseligen Versuchsgruselgeschichten. Sollte ich also das anstehende Kettensägenmassaker, an dem ich gedenke teilzunehmen - vor allem auch um zu prüfen, ob dieser Körper überhaupt noch in der Lage ist, harte, körperliche Arbeit zu ertragen (denn Kettensägenmassaker sind für gewöhnlich immer mit harter, körperlicher Arbeit verbunden) - überleben, werde ich mich noch einmal daran versuchen. Bis dahin gibt es Hausgemachtes: Eins | Zwo.

[Dabei merken, dass noch andere Serien fortgesetzt werden wollen. Allein schon deswegen und überhaupt.]
 
Fr, 10.10.2008 |  # | (470) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fragmente



 

Herbscht

Am Tisch sitzend, ein paar Karten in der Hand - es ging nicht um Geld und trotzdem verlor ich sogar mehrmals - dachte ich dann, der perfekte Herbstsong wäre eine Mischung aus Polarkreis 18 und Sebastian Tellier (Melancholisch-fluffig würde man das dann wohl nennen, lustige Blätter fallen auf nassen, grauen Boden, Menschen lachen und weinen, wahrscheinlich hat gerade wieder eine Bank zugemacht. Oder so.) Die Nachfolgeneration - auch am Tisch sitzend, frech grinsend und gewinnend - fand aber Spank Rock besser. Aber bitte, das ist doch keine Herbstmusik.
 
Mi, 08.10.2008 |  # | (445) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fragmente



 

In heaven, in hell

Sofort wollte ich jammern und schreien und barmen: Niemand versteht meine Ironie, niemand versteht mich! Bläh. Allerdings war niemand da, um mir zuzuhören, um mich zu bedauern, wie es eigentlich sein musste, wie ich es verlangte, alle waren weg. Hunter S. Thompson stellte gerade sein neues Buch vor und alle hatte sich um ihn herum versammelt und lauschten andächtig seinen Worten, die von Gonzo nur so strotzten. Einige wurden auch rot. Was will gerade der denn hier, fragte ich mich, sollte der nicht ein Appartment im untersten Stockwerk, noch unter dem Keller, belegen, dort, wo es so schön warm ist, geradezu heiß, an dem Ort, an dem alle Menschen landen, die sich nicht benehmen können? Aber er war hier und lächelte mir zu und wirkte zufrieden. Ob der hier auch mit Knarren rumfuchtelt? Und wo sind hier die Jungfrauen?

Man hatte mich gehört und schaute mich böse an, geradezu verständnislos, verstand mich also auch hier nicht, meine Ironie, hahahaha, aber ich kann ja selber nicht mehr darüber lachen. Ich gehe, erreiche ich eine Klippe, darunter ein tiefes Tal, weiße runde Gebäude, riesige Hallen bedecken den saftig grünen Boden des Tals, shopping malls und Traumfabriken, überall wandeln weiß gekleidete Menschen, alles wirkt so ruhig und friedlich, das beunruhigt mich, auch der Himmel, in goldenes Licht gehüllt, ein paar Wölkchen und in der Ferne ein großer Hügel, ein Berg, darauf große Buchstaben aufgestellt, die mich an Hollywood erinnern, auf dem Berg steht: Heaven! Aufgewacht.
 
Mi, 08.10.2008 |  # | (1284) | 2 K | Ihr Kommentar | abgelegt: auf der borderline nachts um halb zwei



 

Vereinzelt

Zapping. Eine fette Frau, um die 400 Kilo, irgendwo im fernen Amerika, wo das Geld verbrannt und auch alles andere gigantisch in den Abgrund gerissen wird, inklusive dem Rest der Welt, sie liegt in einem überdimensionalen Krankenhausbett und wird künstlich beatmet. Sie hat keinen Hals mehr und auch der Rest des Körpers ist frei von Konturen, alles wabert und bewegen kann sie sich natürlich nicht. Menschen stehen rum und schauen betroffen. Wie viel muss man fressen, um diese Dimensionen zu erreichen? Das Herz, das Herz, denke ich, was muss das für eine Maschine sein. Sie wird operiert, später stirbt sie, der Sarg ist riesig, die Familie weint, Betroffenheitsfernsehen, man schmeißt auch gleich die Chips weg. Und die Erdnüsschen im Teigmantel.

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In der Bankfiliale an der Ecke ist alles ruhig. Kein Ansturm der Anleger, Sparer, Geldbesitzer, hier herrscht Stille, ein Geldautomat ist defekt, der Ansturm bricht wohl erst später los, allerdings woanders, das Hartz-IV-Amt macht erst um neun Uhr auf oder um zehn oder gar erst am Nachmittag, Aktien, Immobilien, Spekulationen mit Milliarden, sogar Billionen, das kennt hier keiner oder kaum einer, der eine da, der dahinten wohnt, vielleicht, aber der Rest? Unrasiert und schlecht riechen, in der Nähe macht eine weitere Filiale vom KiK auf, Hauptsache billig. Das Möbelhaus, der Supermarkt, der Billigbaumarkt, der Elektronikladen, alles geschlossen, jemand schrieb Insolvenz mit w. Wenn man schon weit unten ist, wie tief soll man dann noch sinken? Hauptsache, das Geld reicht noch für Bier und Döner, da ist es gut angelegt.

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Schriebe ich einen Herbst-es-fallen-die-Blätter-Song, hörte sich das an, wie eine Mischung aus Bloc Party und 2-Raumwohnung. Glaube ich.

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Um mich herum mag man Mario Barth. Ich mag Mario Barth, wären da nicht die Zuschauer. Na ja, nicht alle. Und die Schwämme der Ed-Hardy-T-Shirts. Komm März, klingt wie Kommerz, nur viel besser. Lebensziel: Differenzierung. Lass den Kamm in der Tasche. Im Bekleidungsgeschäft ein junger Russe mit seiner Frau, ein Kind. Er redet streng, ein wenig verstehe ich sogar. Das Kind schaut nach unten, er geht mit Siegerlächeln, stellt sich vor einen Spiegel, kämmt sich die Haare. Die Frau habe ich sofort als Russin erkannt. Kultiviertes Schubladendenken.

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Bei Ikea stehen Menschen, viele Menschen, mit nassen Sachen, die Luftfeuchtigkeit liegt bei 80 oder 90 Prozent, draußen feuchtkaltes Herbstwetter, Blätter wirbeln im Eingang hin und her, es riecht nach Hackbällchen mit Soße. Ein Mann steht vor mir, er knurrt und droht den um ihn herum stehenden Menschen mit einem zusammengefalteten Schirm in seiner Faust, auf dem Schirm perlt immer noch Regenwasser ab. Diese Massen, stöhnt er aggressiv, warum bist du hier, aber natürlich frage ich nicht.
 
Di, 07.10.2008 |  # | (696) | 6 K | Ihr Kommentar | abgelegt: melancholie



 



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Online seit: 08.02.2006
Letzte Aktualisierung: 03.06.2024, 07:57


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