|
941 Schmerz, muss man wohl durch.
Lesereise "Die Wohlgesinnten" - Vielleicht ein Fehlgriff, ich bin ja nicht John Wayne. Aber, ich packe auch keine Koffer und spiele Fußball, allerdings nur mit Kindern. Der Zeit-Eisblock schmilzt, also renne ich los und sage "Los, Jungs, kommt, los, wir haben doch keine Zeit, schnell, schnell, die Zeit vergeht und vergeht und vergeht, also los." und los gehts, Schuhe an und rennen und ganz schnell sind wir außer Puste. Pustekuchen und trotzdem nichts gewonnen, der Eisblock rinnt nur vor sich hin. Und später dann, ganz früh, viel zu früh, Menschen. Überall und drumherum. Geht weg, sage ich im Halbschlaf, ich will meine Ruhe, ich will euch nicht, ihr mit euren eingebildeten Hackfressen und Gedanken und überhaupt, was macht ihr da, das geht doch nicht und kaum hat man sich kurz mal umgedreht, ist man auch schon da. Meer. Hallo. "Ich bin dann mal weg". Aha. Ja, genau. Dieser Bestseller von dem lustigen Mann aus dem Fernsehen. Das Buch ist aber nicht lustig. Und der Mann auch nicht, hier kann man ihn einmal von seine ernsten Seite betrachten, er beißt sich durch und erweist sich am Ende auch als relativ sympathisch, er ist also auch nur ein Mensch. Irgendwann ist das Ende endlich erreicht, Santiago de Compostela, Abschied von den Freundinnen, Flug nach Hause, Schluss. Das alles in drei Stunden netto. Und auch nur, weil die Halbwüchsigen von gegenüber so sind, wie man selber mal war, laut und lachend, anstatt mal Mozart, Beethoven oder Wagner zu hören oder irgendwelche anderen bürgerlich-anständigen Freizeitmöglichkeiten zu nutzen, die einem die Eltern ständig in den Weg legten, die Jugend von heute, nur noch Unsinn im Kopf und später dann über Hartz-6 jammern. Sie hätten ja auch einfach diese hübschen Mädels mit aufs Zimmer und na ja, egal. Macht Hausaufgaben, rufe ich und gebe mich damit als Deutscher zu erkennen, manchmal mache ich mir selber Angst. Das Buch, es ist nicht mein Buch, rein vom Gefühl her, es war ein Geschenk, deswegen muss ich auch nicht bereuen, es gekauft zu haben. Ja, toll, der Jakobsweg, ab und zu ist das unterhaltsam und löst in mir eine gewisse Reiselust aus und Grenzerfahrungen anderer sind ja manchmal auch ganz nett anzuschauen (Himalaya, Sahara, Ikea, alles auf Vox dann im Doku-Format), wirkliche Erkenntnis bringt das dem außenstehenden Betrachter aber nicht. Trotzdem kämpfe ich mich durch, nenne es Tagebuch, heitere Reiselektüre für heiße Mittagsstunden, Siestaliteratur. Als Blogger dürfte der Autor keine Freunde finden, die Einträge sind viel zu lang, damit hätte wäre kein einziger Kommentar zu holen. Aber, wen juckt das denn? Leben wir doch im Pop-Wunderland und jeder kann, wenn er denn könnte, es kann aber nicht jeder, auch nicht den Jakobsweg bepilgern und bebüchern, nur der eine, vielleicht auch mal der andere, das war es dann aber auch schon. Das sind dann die Bestseller, so so. Auf dem Jakobsweg trifft übrigens wirklich jeder früher oder später auf Gott und auch noch auf ein paar andere kaputte Typen, das habe ich beim Lesen gelernt und auch, dass Spanien nicht nur am Ballermann liegt, das war mir natürlich neu. Prädikat: Kann man auch im Sitzen lesen. [Hape Kerkeling - Ich bin dann mal weg]
Lesereise Es ist Freitag, die Sonne brennt, die Stirn ist mit einem Netz kleiner, im starken Sonnenlicht glitzernder Schweißperlen überzogen, hier gibt es keine Klimaanlage, keine Gedanken mehr, nur noch Leere und Lärm. Irgendwann, das Gefühl für Zeit geht schnell verloren, vor allem wenn die Armbanduhr mangels betreibender Energie ausfällt, bricht ein reinigendes Gewitter los, Sturm, dicke Regentropfen, helle Blitze, ohrenbetäubender Donner und ich sitze an einem Tisch, gedeckt mit Lebensmitteln, aber es schmeckt mir nicht, denn die Leute, die um den Tisch sitzen, sind nicht die meinen, aber was muss, das muss, sagte auch schon meine Oma und irgendwann wird man ja immer erlöst, morgens um zwei oder so, aber das Zeitgefühl war ja schon verschwunden, Gewissheit gibt es darüber also nicht. Zeit. Plötzlich hat man ganz viel davon und man steht davor, vor diesem Brocken Zeit und weiß nicht so recht, spinne ich oder ist das so und was soll ich jetzt mit dieser ganzen Zeit anfangen, man muss ja immer viel daraus machen, nutzen, nutzen, nutzen, Nutzen, denn der Brocken, das wissen doch alle, ist aus Eis und Eis schmilzt in dieser Wärme und ich sehe ja schon, dort hinten, an der einen Ecke, da ist schon ein wenig Zeit verloren gegangen, just in diesem Moment, da ich so untätig davor stand und grübelte. Und man hat auch immer ganz viel vor, in der freien Zeit, einen prall gefüllten Terminkalender, damit diese Zeit, die man ansparte, mühsam und sich deshalb auch nach ihr sehnte, irgendwie auch wieder ausgefüllt wird. Manche finden sie auch bedrohlich. Ich nicht. Also, in die Bücherkiste greifen, das ist immer ein möglicher Weg, wenn nicht gerade quality time ist, so heißt das heute, man soll ja diesen Eisblock nicht nur für sich allein haben, sondern großzügig teilen. Mit so manchem auch gern, denn das ist die Freiheit des Menschen: Er kann sich ja doch einiges selbst aussuchen und wenn es nur der Waschtisch bei Ikea ist. "Die Wohlgesinnten", ein Widerstreit, ach nee, ach doch, na gut, noch dreihundert Seiten, man hat ja schon über tausend hinter sich gelassen, sich durchgekämpft, angesichts des Themas ein schwieriges Wort, und jetzt aufgeben, das wäre ja auch irgendwie feige, irgendwann kommt wohl noch die Stelle, an Hitler in die Nase gebissen wird, eine Absurdität aus dem Führerbunker, draußen das Donnergrollen der Artillerie, Berlin liegt in Schutt und Asche, darin tausende Leichen und immer noch kommen welche dazu und es liegt doch schon so viel Grauen hinter einem,aber gleich ist es vorbei und trotzdem wird noch vom Endsieg geträumt. Hinterher schlage ich dieses Buch wortlos zu, lege es weg und schüttle dreimal brummend den Kopf. Nein, denke ich, nein. Dieser Aue, überall war er dabei gewesen sein und war schon von der ersten Seite an verloren, einem System verfallen, das einem völlig fremd und fern erscheint, wäre es einem selbst auch zu jener Zeit fern gewesen? Und manchmal ist er dann Mensch, manchmal Bestie, manchmal ein Nichts, Menschen werden vergewaltigt, erschossen, erhängt, vergast, der ganze Dreck des Dritten Reiches wird aufgewühlt, so dass man nichts mehr sieht, vor Wut oder Angst oder Hass und man wird hinein gezogen, mittenhinein ins Geschehen und dann doch wieder ausgespuckt, man ekelt sich, es widert einen an, man verzweifelt an der Wahrheit, die man ja doch nicht fassen kann, weil man das alles nicht versteht oder doch versteht und nur nicht verstehen möchte und in der Nacht träumt man davon und wacht Schweiß gebadet auf und immer wieder fragt man sich: Ist das der Mensch? Wird es immer wieder so sein? Aber, dieses Buch ändert im Prinzip nichts, auch wenn es Fragen aufwirft, trotzdem ändert es nichts, nicht mich selbst und andere schon gar nicht. [Jonathan Littell - Die Wohlgesinnten]
Schuld haben immer nur die anderen Es schrieben sich ein paar Fetzen über Maßlosigkeit in meine geheime Schreibkladde, meine Hände waren dafür verantwortlich, ich aber nicht. Die warns, die warns. Sagt sich leicht und locker und das Ganze lässt sich auch gar nicht in diese blogistische Minimalveranstaltung übertragen - man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte. Aber das gehört sich natürlich nicht, das ist nicht fein. Ebend. Und während mir nun dieses Gesäusel aus den Fingern rinnt und auch an mein fast verbranntes Ohr dringt, drahtlos, versteht sich, sollte doch etwas anderes entstehen und auch dieses und jenes, meck, meck, meck. Sie sehen, niemand versteht mich, nicht mal der angegraute Oleander, dem es schon vor dem Überwintern graut, auch nicht ich selbst und darum ist jetzt Schluss mit lustig. So.
Brand Sonnenbrand am letzten Sommertag, das ist natürlich dämlich.
Catcontent "Schau mal da, Papa, die Katze." "Ha, genau so eine hätte ich gern. Geht doch aber nicht. Katzenhaarallergie. Wenn es doch nur katzenhaarallergiefreie Katzen gäbe. Erfände jemand so eine, hätten wir auch eine Katze. Ehrlich, jetzt." "Weißt du, Papa, ich mach das. Ich baue einfach eine Roboterkatze." "Aber die ist doch nicht echt, nur künstlich, metallisch und nackt." "Na, dann klebe ich ihr einfach das Fell vom Hund an."
Zufallsfund ![]() ![]() Tolles Spielzeug. Wir lernen jetzt chinesisch und dann erobern wir die Welt.
|
![]() (geborgt bei flickr)
Online seit: 08.02.2006
Letzte Aktualisierung: 03.06.2024, 07:57 Links: ... Home ... Blogrolle (in progress) ... Themen ... Impressum ... Sammlerstücke ... Metametameta ... Blogger.de ... Spenden Archiviertes:
Suche: |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|