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Ich sing' für dich Und in der Nacht dann diesen Song geschrieben, der ja schon am Nachmittag im Sonnenlicht strahlte und nur noch vollendet werden musste, dieser Song, der unbedingt "Die Frau, die ich liebe, liebt Pornoschaufeln" heißen musste, das war schon vom Anbeginn der Idee so. Hat auch etwas Göttliches, so eine Idee. Und so flirrt diese Idee durch die Nacht und es entsteht auch etwas, ein Plädoyer für den Mainstream, der ja auch nichts anderes ist, als die Summe aller Teile, geteilt durch die Masse, also doch schon menschliche Züge aufweist, nein, nicht nur aufweist, sondern ein Extrakt einer sogenannten Menschlichkeit ist und die Kunst des Ganzen liegt doch am Ende darin, aus diesem durchaus auch positiv stimmenden Plädoyer, diesem plötzlich erkennbaren Lebensmut, der durch die beigefügten Beats und Melodien auch noch bis aufs Äußerste verstärkt wird und in gerade einmal drei Minuten dreiundzwanzig Spielzeit bisher unbekannte Glücksgefühle auslöst, gleichzeitig einen Protestsong zu machen, einen Protestsong gegen diese unangenehmen Formen selbstverliebter Ablehnungsreflexe, gegen schwurbelhafte Voreingenommenheit, aus Unwissenheit oder, noch schlimmer, aus diesem angelesenem Überwissen, mit dem dann andere belästigt werden, und gegen ganz allgemein übelriechende Überheblichkeit. Und wenn dann der letzte Klang verhallt ist, muss man dann auch sitzen bleiben und wird überwältigt von der plötzlich eintretenden Stille und dann weiß man, dass alles gut sein kann. [Todo: Nun noch einen Protestsong gegen fleischfarbene Damenfeinstrümpfe schreiben und danach sechs aus 49 Macken auswählen - Stöckchen, Stöckchen, du musst wandern - dann wäre wieder Zeit für alles.]
Ringbahn Der Fleischer fragte mich, ob es ein wenig Melancholie sein dürfte. Oder war es Meer? Es war wohl mehr, aber auch das war mir recht. Dann fuhr ich Straßenbahn. Ein kleines Mädchen hatte man mit Deutschlandfahnen bemalt, ich musste an die Zweienhalbjährige denken, die im Fernsehen gezeigt wurde, sie war eigens für diesen Zweck trainiert worden, in der vierer Abwehrkette: auswendig lernen, Video drehen, Youtube, Fernsehen. Sie konnte die Namen aller deutschen Spieler aufsagen, auch die Namen der Trainer, alles in noch leicht unverständlicher Kindersprache, im Hintergrund hörte man die Mutter soufflieren, so geht das also heute mit den Kindern. Als irgendwann mal Xavi auflief, riefen die Jungs laut "Xavi" und zwar im Chor, sie hatten in einer Zeitung ein Poster von ihm gefunden, dieses ausgeheftet, einer hatte es vorgelesen und beide haben sich den Namen zum Gesicht eingeprägt. Solche Momente der Überraschung zu entwürdigen, diese also anders als rein gedanklich aufzuzeichnen, immer feste drauf mit der Kamera, den privaten Papparazzi spielen und dann hochgeladen, iss doch witzisch, nur um irgendwie Aufmerksamkeit zu erzeugen und wenn man dies nicht selber schafft, dann müssen eben die Kinder ran, die haben ja auch den niedlichen Kinderbonus, nein, das geht absolut nicht. Die Treppe am Bahnhof herunter gehüpft, Hose gerutscht, könnte mal wieder mehr essen, etwas aus dem Meer essen, vielleicht, aber es gibt doch immer so viel zu tun. Menschenansammlung. Unterschwelliger Hass gegen den öffentlichen Nahverkehr, Menschen stapeln sich auf Bahnhöfen, an Haltestellen, man muss plötzlich Gerüche ertragen, die man an sich selbst gar nicht erst erleben möchte, wandelnde Feuchtgebiete, Schweiß, alte Klamotten, Alkoholausdünstungen, kalter Zigarettenrauch und was es sonst noch alles an menschlichen Geruchsausscheidungen oder auch Geruchsanhaftungen gibt. Unerträglich, nur der Gedanke. Dann schien mir auch noch die Sonne auf den Kopf und eigentlich, ja, eigentlich, ja, genau. Eigentlich. Aber doch. Ringbahn, Landsberger Allee. Vor Jahren stand hier noch der alte Schlachthof, den auch Döblin so plastisch beschrieben hatte. Auf dem Weg ins SEZ, das war noch Kindheit, sah ich einmal, wie das Vieh hinein getrieben wurde, umgeben von Angst und Tod, obwohl die Tiere ja gar nicht wissen konnten, dass sie diesen Ort nur noch gut gekühlt, ausgeweidet und blutleer verlassen würden, um dann von hungrigen Menschen verspeist zu werden. Die Industrialisierung der Nahrungskette. Aber nein, ich bin weder Veganer noch Vegetarier, ich halte nur die Eindrücke fest. Irgendwann kam dann eine Bahn und ein Fensterplatz war frei, auf den ich mich setzte um hinaus zu schauen und zu sehen, was es zu sehen gab. Neben mir zwei Männer die Bier tranken. Bis heute hat sich mir die Notwendigkeit, in öffentlichen Verkehrsmitteln Bier zu trinken, nicht erschlossen, im Gegenteil, das ist doch radikal abzulehnen, diese vorgezeigte Prolligkeit, dieses Zischen und Klacken und Schlucken und Glucksen, warum machen die das? Ich kann es mir nicht erklären. Vorbei zogen Graffiti, die S-Bahn-Strecke als öffentliche Galerie, man hatte ja selbst mal Träume, die man versuchte, nächtens zu verwirklichen, also dieses mit Adrenalin gefüllte Traben über Stromschienen, dieses Lauschen und Hören und dann schaute man, ob jemand kam und wenn nicht, machte man sich ans Werk, ach, das sprühte und roch so gut, später lag man im Bett und war ganz berauscht, von dem Gedanken und überhaupt fragte man sich, ob man nun Kunst veranstaltet hatte, eine Kunst, die nur wenige akzeptieren, weil sie gesellschaftlich überhaupt nicht anerkannt ist, lieber Musikantenstadl oder Wetten dass...?!, nun ja, so ist das nun mal. Gesundbrunnen, die Bahn fuhr ein, Umsteigen, in Richtung Wannsee, die Gedanken kamen aber mit, sie rissen nicht ab und die letzten vier Stationen hatte ich mich nicht gelangweilt, beim Hinausschauen aus den zerkratzten Fenstern der S-Bahn.
858 Sich mit Dingen zu beschäftigen, mit denen man sich nie beschäftigen wollte, ist doch schon Macke genug. [Und dann mit Schritten die Straße abmessen, so als wäre man wer. Pfft.]
855 Irgendwie. Ausgebrannt. Allerdings, abgebrannt wäre schlimmer. Urlaub in Sommerloch und dann die Kladde vollschreiben, mit dem ganzen Schlamm der letzten Woche, angesammelt, den Abfluss verstopft. Und wenn nicht, dann nicht, wenn doch, dann ja. Floskeln um einen herum und gestern so, an der Kasse im Supermarkt, ein klitzekleiner Anflug von Ekel. Menschen waren da und sonderten Dinge ab und ich verstand das nicht. Aber das muss vielleicht auch so sein, dieser ganze Quark und die Typen dazu (so komische) und vielleicht denken die das auch über mich, obwohl ich nichts sagte, nur dachte. Ausgebrannt. Irgendwie. Aber wie hörte ich es gestern aus der Röhre, gefüllt mit grünem Rasen: Es kann nur besser werden. Na, dann.
Fahrtraum(a) Jemand hat die Englandfahne vom Auto abgerissen. Dabei wollte ich die doch extra noch abmachen. Jetzt muss ich das BFC-Trikot der F-Jugend, Größe 134, anziehen. Hauteng. Aufgewacht.
Kurz notiert Manchmal gibt es gar nicht genug Ä's um mal ordentlich Bäh! zu sagen. Aber Arsch lecken! ist ja auch keine Alternative. Vielleicht versuche ich es morgen mit unüberhörbaren Gesängen á la Deutschlaaand! Deutschlaaand!, so ein bisschen betrunken angebrüllt? Aber das ruft auch nur wieder neunmalkluge Besserwisser und notorische Irgendwasscheißefinder auf den Plan. Und so weiter und so weiter. Alles dreht sich nur im Kreis, so wie der billige Ventilator, da rechts. Aus chinesischer Produktion. Na ja. Auch egal. Bäh.
Der futurologische Kongress Trottelreiner entgegnete frostig, ich zöge allzu vorschnelle Schlüsse. Das Eingebrockte müsse ausgelöffelt werden. Das Kriterium gesunder Vernunft sei auf die Menschheitsgeschichte nicht anwendbar. Averroës, Kant, Sokrates, Newton und Voltaire hätten auch nicht geglaubt, daß ein blechernes Wägelchen auf Rädern im 20. Jahrhundert zur Plage der Städte, zum Lungenvergifter, Massenmörder und Kultgegenstand werden sollte und daß die Leute vorzögen, in diesem Gerät bei Massenausfahrten am Wochenende zerschmettert umzukommen, anstatt heil daheim zu sitzen. (Stanislaw Lem, Der futurologische Kongreß, Frankfurt/M.: Suhrkamp 1979 (Suhrkamp Taschenbuch 534), S. 127) [Es gibt ja nicht nur Fußball, es gibt auch andere Sonderbarkeiten. Im Endeffekt gab mir dieses kleine Büchlein mehr, als die 500 Seiten "Die Wohlgesinnten", durch die ich mich bis jetzt förmlich durchgearbeitet habe, im Hinterkopf immer eine Mischung aus Ekel, absoluter Ablehnung, Langeweile und ständig wiederkehrenden Fragen.]
Fluss Natürlich, Breitbandkater ist nicht jedermanns Sache. Das ist okay. Das ist sehr okay. Woanders schrammelnde Gitarren oder Operndiven und hier dies. Und am besten gar nicht über andere urteilen. Anhand ihrer Einträge in Blogs. Bin ich Richter? Schon gar nicht Gerhard. Das würde auch nicht gutgehen. Gut gehen. Gehen, überhaupt. Vorwärts immer, so hieß das ja früher schon. Flüsse fließen, stetig, immer geradeaus. Tragen aufgelöste Fracht, Mineralien, Flora, Fauna, Schiffe mit Zielen und irgendwann kommt auch mal eine Kurve. Veränderung. Siehste, sagst du und auch ich dann und vorbei fährt ein Wagen mit wehenden Fahnen, auch kein Grund, sich zu erregen. Und überleg doch mal und ich überleg dann mal, schlürfe Cocktail, alkoholfrei und dann dieses drängende Bedürfnis, Zigarettenrauch zu inhalieren, durch den Körper strömen zu lassen und wieder auszublasen, kannst du Ringe machen? Das tut doch jetzt gerade wirklich nichts zur Sache, wir sollten da mal am Ball bleiben, es fließt, es fließt und ich kann die Kurve schon sehen. Schiff ahoi. Na dann.
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