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Nummer 5

Tokio Hotel machen - zum richtigen Zeitpunkt, mit druckvollem Marketing und professionellen Songwritern im Hintergrund - durchaus soliden, emotional geladenen und international anschlussfähigen Rock für zum Auf-dem-Bett-Liegen-und-sich-schlecht-Fühlen (das entsprechende Genre gibts schon länger und nennt sich derzeit "Emo"), mit Bill Kaulitz (18) als kalkuliert weibisch auftretendem Sänger, der sich vor allem jungen Mädchen als Seelenverwandter und Weltschmerzkumpel anbietet. Außerdem spricht er "eyes" wie "ice" aus und klingt in amerikanischen Ohren offenbar nicht nur süß, sondern auch irgendwie teutonisch schick.

Schrei nach Liebe

Nun ja. Zum Glück leide ich nicht unter dieser Form von schlechtem Musikgeschmack, sondern lebe mit meinem eigenen ganz gut und glücklich. Manchmal packt mich aber die Angst vor dem Nachwuchs, was wäre wenn, denn kürzlich las ich in einem mitgebrachten Poesiealbum (handgemachtes Analog-Blog für Grundschüler - in Papierform) unter der Rubrik "Lieblingsband" eben diese Formation von da oben. Allerdings auch kein Grund, sich aufs Bett zu legen und schlecht zu fühlen und Lieder über Regengüsse, gesungen von einem androgynen Höhlentroll im Stimmbruch, zu hören, nö, das würde auch nur alles verschlimmern. (Und jetzt gerade kommt mir der Gedanke, ob nicht Depeche Mode auch eine solche Emo-Formation war [ist?], denn die hörte ich damals™ immer, wenn ich auf dem Bett lag und mich schlecht fühlte.) Nun ja, alles halb so wild, es gibt wichtigeres. Glaube ich.
 
Fr, 23.05.2008 |  # | (1014) | 6 K | Ihr Kommentar | abgelegt: musik und so



 

...

"Große Verlage, kleine Verlage, es macht keinen Unterschied. Man muss sich das so vorstellen: Es gibt zigtausende von Schreibern in diesem Land. Sie bilden ein großes Meer, und ihre Manuskripte sind die Schiffe, die in den Hafen einlaufen wollen, und die Häfen sind die Verlage. Aber da ist der Hafenmeister vor. Die Lektoren. Die prüfen die Schiffe auf Tauglichkeit. Ob sie leck sind. Frisch lackiert. Schon dabei fallen die meisten Schiffe durch und müssen umkehren, zurück aufs offene Meer, wo sie absaufen, ein Schiff nach dem anderen. Der Meeresgrund ist übersät mit nicht gelesenen Manuskripten. Beim Rest der Schiffe werden die Papiere geprüft, aber nur wenige, ganz wenige, dürfen ihre Ladung auch löschen."

Das Interview: Glumm befragt 500beine und umgekehrt aber auch
 
Do, 22.05.2008 |  # | (612) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fremde feder



 

Mal Frohsinn verbreiten

Seid keine Netz-Neandertaler!

In der Bahn: Menschen. Versteht sich von selbst. Rechts eine Frau, liest "Feuchtgebiete", sieht aber nicht so aus. Gegenüber ein Mann, Jogginganzug, liest eine Boulevardzeitung, keine deutsche, Kosovoderso. Links daneben eine junge Dame, Pornobrille, siebenachtel Hose, sieht gut aus, schöne Stimme, telefoniert. Ich auch, schon wieder. Und dann.

Und überhaupt und sowieso, man sollte über dieses oder jenes etwas schreiben, einen kurzen Absatz, eine Randnotiz oder auch nen Essay, über Kläranlagen, über Kleingärten, über Mütter mit Kindern, über Väter mit Kindern, über Kinder mit Eltern, über Menschen ohne und mit irgendwas, über Moral, über melancholisches Mischgemüse und über ein paar Miesmuscheln, die auseinanderfielen und von Möwen gefressen wurden. Allein, es bringt nichts. Aufregungstsunamis versanden in den dichten Sandbänken der Bedeutungslosigkeit, der endlose Strom der Meinungen spült jede Individualität hinfort, überzieht sie mit grau-braunem Schlamm, stinkend, warm, ohne Nährwert und obenauf, ganz oben auf der Welle, der perfekten Welle, reitet der Dieter Bohlen, der weiß Bescheid, von Tötensen bis ans Ende der Welt und vielleicht auch zurück.

Zeit, den Nihilisten auszupacken, einfach mal den Apfelbaum umhauen, statt ihn zu hegen und zu pflegen, aber bitte, keine Gewalt. Nutzlosigkeiten. Winzigkeiten. Nichts. Liegt die Welt in Trümmern, auch dann wird noch gejammert, dieses ist blöd, jenes ist Scheiße und das alles sowieso unglaublich doof. Früher trug ich Markenschuhe und Markenunterhosen, von Hugo Boss, aber bitte so, dass der Schriftzug zu sehen war, schlüpfrig, schlüpfrig, heute kann ich mit Masterabschluss, Auslandspraktika und fließend kirgisisch glänzen und im Assessmentcenter lüge ich mich interessant, als wäre ich wer, und wenn es dann endlich, so mit Mitte Vierzig, um die Wurst geht, ist es dann auch egal, wenn sich das Peter-Prinzip plötzlich ganz schnell erfüllt. Ende der Fahnenstange. Witzigkeit kennt keine Grenzen, trallalla, das kann ich nicht, bin oft auch Griesgram, kann ich mit leben, ich muss keinen lieben, aber ich kann, ja, ich kann und dem Dr. House will ich sowieso nicht das Wasser reichen, bin ja auch kein Mediziner. Und überhaupt und sowieso, frisches Wasser auf die Mühlen der Bedeutungslosigkeit, hier und jetzt und berühmt wird man damit garantiert nicht, zum Glück, vielleicht, denke ich noch weiter und jetzt ein Bier und noch ein Bier, der Frohsinn kennt heut' mal wieder keine Grenzen.

[Erst heute habe ich festgestellt, dass rote Schuhe nicht per se hässlich sind, schon gar nicht an einem schlanken Damenfuß. Diese Feststellung birgt allerdings Konfliktpotenzial.]
 
Mi, 21.05.2008 |  # | (542) | 2 K | Ihr Kommentar | abgelegt: haltestellenkino



 

Mann mit Hund


 
Di, 20.05.2008 |  # | (748) | 1 K | Ihr Kommentar | abgelegt: bilder erklaeren die welt



 

Don't look back in anger

But dont look back in anger I heard you say

Irgendwann riss es ab und dann schien die Sonne. Selbstgemixte Mixgetränkte, unheimliche Mischung, unheimliches Glas und irgendwann knippste jemand das Licht aus. Unwissen. Und dann schien die Sonne. Was war? Achso. Enttäuschung. Siehste mal, so läuft dit Leben und später, am Telefon dann, keine Einsicht. Ey, Alter, vermassel mir nich die Freizeit, sieh et ein oder halt die Schnauze. Der konnte nicht die Schnauze halten und teilte weiter aus, wo er doch schon längst verloren hatte, am Boden lag. Nee, sagte ich dann, nee, so nich, so sind meene Freunde nich, mach dich ma ausm Staub. Tut nicht gut, sowas. Sonen Scheibenkleister.

Viel gelernt, vom Leben. Autobahn war voll. Warum eigentlich? Wollen einsfünfzig für den Liter Super und trotzdem mit Vollgas fahren? Meine Güte, sind wir reich. Hauen die Scheine nur so raus, aus dem Auspuff und auf dem Feld steht der Raps und duftet vor sich hin, dahinter Kühe, Pferde, Deich. Schicksale, geknüpft, gehäkelt, nicht alles ist schön, manches sogar unschön, verbohrte Menschen. Vor allem: Nehmen sich heraus, Dinge zu wissen. Pah, denke ich, ständig höre und sehe ich die und die erzählen einem, wie es ist, dabei weiß man selbst, dass es ganz anders ist. Ob nun auf der Bank an der Spree oder im sumpfigen Schlick des Wattenmeeres, immer wieder dieselben Geschichten, lasse redn, raten die Ärzte, ein ärztlicher Rat und die Fantastischen Vier sagen: Es könnte so einfach sein, isses aber nicht. Und alle haben recht, vielleicht.

Nun frisch die Antifaltencreme ausgepackt, irgendwas revitalisierendes. Zeit vergeht, Schmerz vergeht, blaue Flecke heilen ab, was bleibt, wer weiß das schon. Freunde müssen Freunde sein, so einfach ist die Sache, aber dann doch wieder nicht. Verlieben, verloren, vergessen, verzeihen, Schlagermusi in der Garage, irgendwo, zwischen Windrädern und Wiesengrund, aufm Land werd ick depressiv, kommt alle Nase mal nen Auto vorbei, selbst wochentags und der Edeka riecht nach dem Konsum in der Nähe von Kahweh (Königs Wusterhausen). Allet eene Suppe und dann übten wir Flanken, Flanken, Flanken (auf dem Weg zum Flankengott und Papa, du bist heute mal Ballack) und schauten Sportschau, was wir bisher nie taten. Das Leben, das Leben, wer weiß denn schon was kommt, was geht, alles irgendwie und das Buch hab ich immer noch nicht ausgelesen.

Das Leben leben, wie es ist und dann und wann zurückschauen, ganz ohne Ärger (wenn das geht).
 
Mo, 19.05.2008 |  # | (800) | 5 K | Ihr Kommentar | abgelegt: verstaendnisuebung



 

821

7 Sünden, Bier, eine Nacht, Knutschfleck (nicht ich), Berlin, Berlin, wir fahren durch Berlin, sehr zerstückelt, das Ganze, viel Halbes und morgen alles ganz anders, habe ich heute schon gesehen und am Sonntag führt man den Kater aus und füttert ihn mit Aspirin, um dann nüchtern das Auto zu betreten, um alles hinter sich zu lassen, für Tage.
 
Sa, 10.05.2008 |  # | (431) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fragmente



 

Knapp daneben ist auch vorbei

Ich denke, so kann es gehen: Zuerst schauen Sie sich ein paar Polaroids an, alles für die Kunst (via). Sie werden sehen, dass Elvis lebt oder wie ich der Atombombe entkam, damals, mitten im kalten kalten Krieg. Und wenn Sie sich satt gesehen haben, also geistig gesättigt sind, dann können Sie guten Gewissens an dieser kleinen Belustigung teilnehmen. Einfach nur so.
 
Do, 08.05.2008 |  # | (1054) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: blogdings



 



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Letzte Aktualisierung: 03.06.2024, 07:57


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