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Kleine Jammerei Zahnärzte. Also, aber wem sage ich das. Wer geht schon gern dorthin. Ich meine, man liegt dort auf dem Stuhl, der Kopf extrem nach hinten gebeugt oder zur Seite oder beides und dann fummeln einem ständig Finger im Mund herum, Finger mit Instrumenten, kalt blitzender Stahl (hier: Made in GDR) und Geräusche verursachend, mit denen man schlimmste Foltermethoden in Zusammenhang bringt. Licht an, Luke auf. Und dann wird der Mund zur Baustelle, Bagger, Rammen, Presslufthammer arbeiten sich durch die lädierte Landschaft und ständig fragt man sich: Wie lange noch? Wie kann ich mich am besten ablenken? Ich versuche es immer mit Gedanken an supischöne Ereignisse, bis mir überhaupt nichts mehr einfällt, weil die Geräusche im Kopf alles übertönen, furchtbar, weil der Rücken verbogen, nein, verrenkt wird, weil die Kieferknochen blockieren und irgendwann eine Maulsperre droht. Stellen Sie sich doch einmal vor, Sie kommen aus der Zahnarztpraxis und bekommen Ihren Mund nicht mehr zu. Schrecklich. Schön, wenn es vorbei ist. Dann stört auch nicht mehr das taube Fleisch, der Blutgeschmack im Mund oder das Gefühl, es würde einem Sabberfäden aus den Mundwinkeln laufen, weil man eine Gesichtshälfte noch nicht unter Kontrolle hat. Ja, schön, wenn es vorbei ist. Ende Mai gehts weiter. Ich freu mich schon.
726 Erwartungshaltung erwartend. Regengrauer Tag, zuerst, dann Schnee, starker Wind, von Sturm möchte man aber noch nicht reden, Sturm ist etwas anderes, Sturm im Wasserglas, schrieb man mir, ja, da draußen auch. Ein paar Tanzschritte in der Küche, hey boys, hey girls und dann: here we go! Lasst uns Schuhe kaufen. Aber nicht solche, sondern andere, helle Sohle, gefütterter Spann, auf dass es nicht so schmerzt beim Schusse, wir sind auf Teamgeist eingestellt. Später: Sonnenklarer Himmel, ein paar zerfetzte Wolken ziehen, in der Ferne, in regelmäßigen Abständen, landende Flugzeuge, von Kinderaugen argwöhnisch beäugt, saßest du nicht auch mal darin? Ja, ja, und du auch und du und als ich dort drin saß, sah ich euch fast, glaube ich, jedenfalls winkte ich, innerlich. Kälte, noch nicht ganz klirrend, aber spürbar an den Hosenbeinen empor kriechend, die Zehen leicht fröstelnd, Bewegung! Die Straßen leer, ein wenig feucht, weißes Salz sammelte sich auf der Fahrbahn, Spuren eiskalter Frostnächte, auf das die Fahrzeuge nicht ins Schlingern geraten und man selbst dann auch nicht. Schlaf. Und dann plötzlich Menschenansammlung. Ein Großteil in praktischer Jack-Wolfskin-Uniform. Ein Symbol, popkultureller Art vielleicht? Herauskehren einer bestimmten Lebensform? Kinder haben komische Namen, Strickpullover in angedreckten Farben, in ihren Händen Kekse aus dem Basic-Biohandel. Nun ja, hier ging ein fokussiertes Objektiv ans Werk, subjektiv. Komm, lass uns gehen, in andere Sphären, Buchholz, was für eine andere Welt. Reihenhäuschen, vierstöckige Appartmenthäuser, angetäuschter und echter Wohlstand. Kinder rennen durch eine Sporthalle, angetrieben von Trainern und Eltern, hier regiert der Ehrgeiz der anderen, übertragen auf einzelne (noch) Unwissende. Allerdings ist das Mitreißende ausreichend mitreißend um einen selbst mitzureißen und so ist man plötzlich mit dabei. Oha. Wollen wir nicht? Wäre es nicht besser wenn? Spuren von Übermüdung laufen in leicht salzigen Bächlein über gerötete Wangen, Schlaf schleicht spürbar durch den schnell erwärmten Wagen, nach Haus, nach Haus, ja wo ist das denn? Gut, wenn man immer wieder den Weg zurück findet. [Den neuesten Bretterknaller von Monrose für einen Song von Evanescence halten, ohne die Härte der letzteren allerdings. Fatale Unkenntnis, nicht so schlimm, es kam nur im Formatradio. # belledejour - Vielleicht bloggt sie demnächst auch mal wieder. # Wie vielleicht ist eigentlich ein vielleicht? # Nutella (!) zum Frühstück, das mögen sie außerordentlichst!]
722 Hätten die heute nicht gestreikt, dann hätte ich Hot Chip nicht gehört. Ich hätte gelesen. Hätte. Aber sie streiken und deswegen habe ich, jedenfalls nicht gelesen. Dafür aber gedacht. Und gehört. Beim Hören gedacht. Ja, auch laut. Beides. Zum Beispiel, dass ich mit dem BS 3000 ja auch nur das iPhone erfunden habe, im Prinzip jedenfalls, wenn man es ganz genau nimmt, allerdings nie Patentmilliarden dafür sehen werde. Nun ja, ich war jung und brauchte kein Geld und außerdem ist das alles ja schon längst im Archiv verschwunden. Und was bedeutet schon Reichtum? [ich war im alleinsein glücklich und zufrieden* - Das ist eine Kunst. # Krisen von Mitbloggern verunsichern mich, wer hätte das gedacht. Blogs als Reflektionshilfe. # Eine Francesca Huffman fragt mich unter dem Motto "Rock her World": Is your partner happy? Allerdings ist das Spam und Spam nimmt keinen Anteil, ist maschineller Dreck, wertlos, nutzlos. Obwohl, wenn man dem Bedeutung zumisst, dann. # Und dann sagte auch noch jemand: Der von Christo verhüllte Reichstag, das war doch absolut nutzlos. Ja, stimmt. Mir hatte es aber gefallen.]
Verzehrstudie Die Rebellion der Dicken: Protestfressen beim König der Burger. Den dazugehörigen Protestsong "Ick fress Burger!", eine leicht modifizierte Coverversion eines bekannten Ärzte-Songs, können Sie demnächst über mein MySpace-Profil herunterladen. Guten Appetit!
721 Sich mit sich selbst langweilen. Obwohl, langweilen ist auch nicht das richtige Wort. Übersättigung, vielleicht. Ja. Diese kurze Fahrt mit dem Zug, mit dem Rücken in Fahrtrichtung sitzend, das war mal was anderes, eine Abwechslung und dann wurden Blicke ausgetauscht - verdächtig! Draußen war es aber grau und das Gesicht der Stadt hat sich seit der letzten Vorbeifahrt nicht verändert, ja, erstaunlich: Mehr als zehn Jahre alte Graffitis lächeln mir zu, wie alte Bekannte, jedes einzelne habe ich registriert und abgelegt, manche sogar abgezeichnet, irgendwo in einem alten Notizbuch schlummern diese Überreste. Und dann: Alexanderplatz. Weltzeituhr. Menschen. Übersättigung. Langeweile. Graues Gefühl.
Cats and Dogs "Katzen? Hunde? Scheiße? Schon den ganzen Tag regnet es dieses infernalische Grau vom Himmel und gestern auch schon und vorgestern. Verdammter Mist." Win saß auf seinem Bürostuhl, eher lag er, die Beine hatte er auf dem Fensterbrett abgelegt, kaute nervös am Bleistift, murmelte vor sich hin und schaute dabei durch das mit Regentropfen übersäte Fenster seines Büros in den verregneten Himmel. Wo blieb die verdammte Sonne? Warum schneite es nicht wie verrückt? Schneestürme sollten das Land einwickeln, Ausnahmezustände sollten erklärt werden, ein paar handfeste Stromausfälle wären auch nicht schlecht. Massenpanik, Katastrophenalarm, Jahrhundertwinter, da muss doch mal Bewegung rein. Aber nein, alles versinkt in dieser mittelmäßigen, grauen Masse, die Welt steht am Abgrund. "Win, es sieht wirklich schlecht für uns aus." Na, die hatte gut reden. Es sieht beschissen aus, hatte er im Stillen gedacht, als die Chefin heute morgen mit sorgenvoller Miene in der Tür stand. Aber so ohne pc darf man das ja nicht sagen, wer weiß, welche bösen Geister man mit dieser unbequemen Wahrheit rief, Geister, die man später nicht mehr los würde, Heuschreckenplagen lauerten an jeder Ecke. Aber waren die nicht schon längst da? Die Heuschrecken? Saßen die nicht gerade im conference room und bekakelten mit der Chefin Dinge, von denen, wenn man es genau betrachtete, nur einer wirklich Ahnung hatte und das war er? Ja: Bei Kaffee und Gebäck saßen sie dort, in einem überhitzten Raum, mit zugezogenen Fenstern, eingetaucht in sprödes Neonlicht bewarfen sie sich mit leeren Worthülsen, tauschten ihr Unwissen oder noch schlimmer: ihr Halbwissen aus, der ganze Raum erfüllt von hohlen Wortgebirgen, Dummheit waberte durch die stickige Luft, erdrückend, und im Prinzip ging es doch nur um eine Sache, um etwas, von dem nur er etwas verstand: Geld. Wenn es um Kohle ging, konnte hier niemand Spaß verstehen, vor allem nicht Win und deshalb konnte er nicht verstehen, dass sie ihn bei der ganzen Geschichte außen vor ließen, gerade ihn, der doch genau wusste, wie der Hase läuft, welche Hebel man in Bewegung setzen musste, um den Springbrunnen wieder zum Laufen, die Oase wieder zum Erblühen zu bringen. Und nachher kommen sie wieder alle an, ja, schreiben seitenlange Mails, voller Vermutungen und Behauptungen oder sie rufen an und kauen einem das Ohr ab, stellen Fragen, deren Antworten schon längst feststehen, reden, reden, reden, bis zum Erbrechen. So war das schon immer hier. "Liz, Baby, hast du Zeit für mich? Komm, wir treffen uns nachher und dann machen wir einen drauf, nur du und ich." Natürlich hatte sie keine Zeit. Er nahm es ihr nicht krumm, nein, allerdings hatte in letzter Zeit eine Menge Leute keine Zeit mehr für ihn. So ist das heute wohl. Man malocht sich die Seele aus dem Leib und alles andere bleibt auf der Strecke. Haben Sie schon eine Riester-Rente? Brauchen Sie auch gar nicht, Sie sind schon vorher tot oder können am Ende nur mit irgendeiner staatlichen Hilfe leben oder besser: Überleben. Irgendwie. Win holte eine Zigarette aus der Schachtel, die in der Brusttasche seines Hemdes steckte, und wollte sie sich anzünden. Ach, stimmt ja, fiel ihm ein, auch das war ja inzwischen verboten. Am Ende verbieten sie einem noch das Furzen im Büro, das schädigt bekanntlich das Raumklima, Furzen ist überhaupt unglaublich schädlich, macht das Weltklima kaputt, es sollte gleich ganz verboten werden. In jeden Lebensbereich wollen sie eingreifen, alles soll staatlich geregelt werden, Freiheiten werden unter fadenscheinigen Argumenten eingeschränkt, am Ende ist man nicht mehr Herr seiner selbst, wo ist denn da noch der Unterschied zur Diktatur? Man sollte etwas auf die Beine stellen, dachte sich Win, schüttelte aber gleich wieder den Kopf, ja, was denn auch? Banküberfälle, Entführungen von Kindern bekannter Großindustrieller, Schmuggel, die gute, alte Kriminalität, das machen doch nur noch die Dummen. Die schlauen Füchse hacken sich mit Viren oder Trojanern irgendwo ein, erleichtern Banken um Milliarden und sitzen dabei in irgendeiner abgefuckten Kaschemme in der hinterletzten Provinz, lachen sich ins Fäustchen und verschwinden irgendwo im Datennirvana, unauffindbar. Scheiße, ist das schlecht. Mit unsicheren Fingern fischte er sein Handy aus der Hosentasche und blätterte im Telefonbuch. Wen konnte er denn überhaupt noch anrufen? Mit wem konnte man noch was aufstellen? JJ. Ja, jam ja. Der konnte Geschichten erzählen, der alte Penner. Geht regelmäßig in eine alte Nazikneipe, nur um sich mit den Idioten anzulegen, ja, mit dem konnte man noch was erleben. JJ, dachte Win, den werde ich anrufen, da geht noch was.
... Und heute morgen twitterten die Vögel schon so wunderbar frühlingshaft. [Welt 2.0]
Vereinzelt Ich weiß nicht. Also eine Spur von Null-Ahnung. Vorteil: Man kann noch eine Menge lernen. # Dieser Anflug von Fußballbegeisterung, woher kommt denn das nun schon wieder? Es lebe der Sport und nun wird gegen den Ball getreten. Drum herum fanatische Mütter, die Väter eher gelassen - für die ist das doch noch Kinderkram. Kinder sind auch so etwas wie Extremsport, jahrelang. # Koch weg oder nicht. Nicht, dass es mir egal wäre, nein, nein, nein. Hauptsache ist! Verstehen Sie? Nein? Also bitte, regieren Sie r e a l i s t i s c h e r. Eine Hoffnung. # Schmidt raucht öffentlich! Hat er Visionen? Sagte er Jehova, etwa? So scheint es, also: Steinigt ihn! Auf den Poden mit dem Purchen. Ja ja, Rauchen ist so mit die furchtbarste Sache der Welt, aber wissen Sie, mein Opa starb an Lungenkrebs und dabei hatte er sich niemals nie nen Glimmstengel angezündet. Was solls, mit Radikalitäten ist zunehmend zu rechnen, nicht nur beim Wetter. # Durch Zufall: Das Leben irgendwelcher Milliardäre. Nun ja, das ist ein Leben, sag ich Ihnen. Sollte ich nun neidisch sein und leise vor mich hin weinen oder doch lieber dem noch laufenden Sudoku-Spiel hingeben, jetzt da die Lektüre des einen Buches abgeschlossen ist? Oder sollte ich mich in die Badewanne begeben und darüber nachsinnen, ob es erstrebenswert wäre, eine 250 Millionen Dollar Farm zu besitzen? Ganz zu schweigen von den vielen vielen anderen Immobilien, die man sowieso selten sieht? Was sagst du? Interessiert dich auch nicht? Aber, das ist doch, ach ja, RTL, stimmt ja, da wird mit krass konkreten Summen um sich geworfen und der arme Schlucker verzieht sich vor lauter bling-bling in ein Armeneckchen zwecks Neidausübung. Ja, dieses schwierige Sudoku-Spiel, diese Wahl fiel ja nun wirklich nicht schwer. # Den Spaß am Bloggen muss man sich auch erarbeiten, manchmal. Und da wären wir wieder bei der Neiddebatte. # Vorsicht, im Augenblick ein wenig jähzornig und unausgeglichen.
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![]() (geborgt bei flickr)
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Letzte Aktualisierung: 03.06.2024, 07:57 Links: ... Home ... Blogrolle (in progress) ... Themen ... Impressum ... Sammlerstücke ... Metametameta ... Blogger.de ... Spenden Archiviertes:
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