... Lange Nacht der Einsamkeit und diese Ruhe und dann sechs Stunden am Stück reden, reden, reden, reinste Empörung purzelt ab und zu aus dem Mund, allerdings bin ich Stoiker und bleibe ruhig. Unverständlich. Und dann macht man sich auf den Weg, das ist ja immer alles furchtbar hecktisch, geschäftig, geschäftlich, reiht sich ein in das Heer der grauen Männer (kaum Frauen), die mit ihren Rollkofferdackeln an der Leine durch die weiten Hallen ziehen ('Komm, Rolli, na komm schon.') und jede freie Sekunde für ihre geschäftigen Zwecke zu nutzen wissen. Büros gibt es doch heute gar nicht mehr, es gibt nur noch weite Hallen mit WLan, UMTS und jeder Menge Menschen, die angestrengt auf Monitore schauen (ohne gleich Blogger zu sein), Wartezeiten werden auf ein Minimum reduziert. Aber darüber bloggt ja auch niemand. Leise vor sich hin pfeifen. Ich bin auch einer von euch. Alles ist immer dunkel. Dunkle Wolken hinten am Horizont, ein Regenbogen, ein Regenbogen, ein Jubelschrei, endlich Farbe. Farbe bekennen. Einsam rumsitzen, fallen gelassene Worte in ein Notizbuch notiert, Rekonstruktion, dann Schreibwahn, nicht meine Gedanken, aber notwendig. Tausende Fotos ohne Apparat. Melancholie, dein Freund, nicht nur in der Nacht, der langen Nacht der Einsamkeit, ständiger Begleiter, der Freund, der zu dir hält. Ich sollte ihr mal ein Denkmal setzen und es wieder einreißen, weil eingerissene Denkmäler wohl am längsten in der Erinnerung bleiben.
Komplimente, heute Du hast den schönsten Arsch der Welt - bei dingsbums im Monatsabo, sende Arsch1 für mono, Arsch2 für stereo und Arsch3 für in bunt und surround. Ach.com, egal, auch nur alles fürs Dixieklo. [Und nachts träumt man dann vom großen Wurf und heraus kommt, nach überwältigenden 3 Stunden Schlaf, nur ein wenig Kotze, aus einem Kindermund. So ist das nämlich.]
Willkommen, November Das harmlose dudeldidum der Musik, draußen geht das Licht verloren und drinnen Ideen, Gedanken verschwinden irgendwo zwischen den Tasten des Keyboards. Mails, ich sollte Mails schreiben. Lange, kurze, dicke, dünne, egal. Alles dabei. Keine Lust. Lustlosigkeit schleicht sich von hinten an, packt zu und zerrt mich vom Stuhl, weg, weg, weg. Nein. So geht das nicht. Einschließen hilft vielleicht. Dann kann man nicht mehr raus. Ich ersticke. Musik wechseln, bitte mehr Gitarren. Zack, zack, zack, ein paar revolutionäre Salven abgeschossen, mach kaputt und so weiter. So bin ich aber nicht. Ich mag die Pet Shop Boys, zum Beispiel. Das ist Schonwaschgang. Kürzlich spielte mir ein Freund Bob Dylan und Johnny Cash vor. An denen fuhr ich bisher besinnungslos vorbei. Wie geht das denn? Nicht hinhören. Ich las auch noch nie etwas von Thomas Mann. Doch, "Tod in Venedig". Dann lieber Kafka. Und Cash und Dylan. Das gefällt mir. Plötzlich. Schon wieder ein paar Gedanken weg, tzzzisch, diese Gedankenlosigkeit. Am liebsten wäre ich überall und könnte alles machen. Gleichzeitig. Ein Jederzeitalleskönner. Ich habe mir angewöhnt, jede erlebte Situation sofort blogtechnisch aufzubereiten. Mein Akku läuft dabei heiß, Billigware von Medion. Wofür? Für die Katz. Schreib doch für die Katz, wenn du eine hättest. Ich habe keine, dafür Katzenhaarallergie. Immer noch harmloses dudeldidum der Musik, ja, so bin ich nun mal. Und draußen geht das Licht aus und vorbei und dabei ein paar Gedanken verloren, wichtige, womöglich, wer weiß das schon.
Lauf! Ja, komm her, komm näher, trau dich, vergiss die kommende Dunkelheit, die untergehende Sonne, das vergehende Licht, die langsam über den Boden kriechende Kälte, die sich an deinen Beinen heraufschlängelt, wie eine Schlange mit ihrer gespaltenen, leise zischenden Zunge. Siehst du den Nebel aufsteigen? Feuchte Spinnenetze glitzern im letzten Schein des Sonnenlichts, immer noch wunderbar warm, ein Licht, das dich einhüllt, aber jetzt vergeht und vielleicht nie wieder kommen, sondern unaufhaltsam verschlungen wird, von bitterkalter Nacht, unheimlichen Geräuschen, Schatten, dunklem Rauschen. Irgendwann wirst du die Schreie hören, die dich bis ins Mark erschüttern werden, Schreie voller Angst, die dich dann selbst packen wird und dann fängst du an zu rennen, so schnell du kannst, renne, ja, renne, aber pass auf, dass sich keine Äste in deine Augen bohren, dich schmerzhaft verletzen, dich erblinden und für immer in ewiger Dunkelheit allein lassen, pass auf, pass nur auf. Spürst du den weichen Boden unter deinen Füßen? Dunkle Wasser quillen aus dem weichen Moorteppich, vielleicht ist es ein alles verschluckender Sumpf aus dem dich niemand mehr befreien kann? Jeder knackende Ast, der unter deinen zittrigen Beinen zerbricht, jagt dir einen Schauer über den Rücken, einen Schauer durch deinen bis auf den letzten Muskel angespannten Körper, deine Nackenhaare stehen zu Berge, Gänsehaut überzieht deine wunderschöne weiße Haut, die so makellos ist und rein, die du unter deinen nassen, kalten Kleidern versteckst, so schön, so schön. Du kannst kaum noch atmen, schlucken, musst jetzt stehen bleiben, dich abstützen, an dunklen, feuchten Kiefernstämmen, die scheinbar endlos in den Himmel ragen und dann kommen wieder diese Geräusche, Richtung und Herkunft undefinierbar, sind es Tiere? Menschen? Geister? Ja, vielleicht sind es Geister, die hinter dir her sind, die dich packen wollen, in ihre Höhlen ziehen, um dich zu quälen, dich zu Tode erschrecken, lauf, lauf, ja, lauf nur, aber du wirst es nicht schaffen, nein, denn sie sind schneller als du, sie schweben weiß schimmernd über dir, zwischen den Bäumen und werden sich wie Raubvögel auf deine verängstigte Seele stürzen, sie dir aus der Brust reißen, bei lebendigem Leib, und sie werden dein blutendes, schlagendes Herz triumphierend in den dunklen sternenlosen Himmel halten, dabei markerschütternde Schreie ausstoßen, die Lust der Geister, gierig und geil, ja, lauf nur, lauf, sie werden dich trotzdem holen. Jeder Ast, der sich in deinen Körper bohrt, auf deiner hastigen Flucht durch den immer dunkler werdenden Wald, fühlt sich an wie der Reißzahn eines tollwütigen Raubtieres, das geifernd, Zähne fletschend und wütig knurrend hinter dir her ist, dich einholen wird und in Stücke reißen, zerfetzen, bis zur Unkenntlichkeit verstümmeln und du wirst sterben, einen qualvollen, einsamen Tod, hier auf dem kalten, feuchten Boden, in der unendlichen Einsamkeit des Waldes, dieser dunklen, undurchdringlichen Hölle und niemand wird dir helfen können, niemand, niemand, nein, irgendwann vielleicht werden sie deine Überreste finden, ein paar Fetzen, abgenagte Knochen, die man von dir übrig ließ, hier, am Schauplatz eines unfassbaren Gemetzels, blutig, grausam, ohne Gnade. Lauf nur, lauf, renne, so schnell dich deine Beine tragen können, lauf, schnell, denn dort hinten kommen sie schon, schwarze Reiter ohne Gesicht auf wutschnaubenden Pferden, hörst du die dumpfen Schläge der Hufe auf dem moosbedeckten Boden, dunkel, bedrohlich, unaufhaltsam, lauf, lauf, lauf, sie werden dich einholen, bei Sonnenuntergang, in der unendlichen Dunkelheit, sieh doch nur, sieh, dort im Westen, das letzte Licht vergeht, renne, lauf, lauf, lauf, denn jetzt kommen sie, immer näher und näher und näher, die wehenden Fahnen flattern im Wind, drohendes Rauschen, lauf, lauf, lauf, dort hinten ist dein Tor zur Freiheit, siehst du es? Ja, dort, eine Lichtung, ein Bachlauf, feucht nach Blüten duftende Wiesen, das Gras knietief und weich, ein paar Rehböcke mit ihren Ricken und darüber ein klarer Sternenhimmel, der helle Mond, alles friedlich und frei, Sicherheit und Leben, kein Blut, keine Geister, keine Raubtiere, keine schwarzen Reiter, lauf, lauf, lauf, nun lauf endlich, schnell, schneller, lauf, sonst werden sie dich holen, lauf, lauf, lauf. (Dieser Text steht im losen Zusammmenhang mit diesem Text, der wiederum mit dem heutigen Tag, wie auch immer man ihn nennen mag, und dem Grundgefühl des kommenden Monats in Zusammenhang steht. Ich glaube, Frau Schlüsselkind könnte ein Lied davon singen, wenn sie denn sänge.)
Und dann feststellen, dass aus dem früheren wunderbar ein schier unglaublich wunderbar geworden ist, ganz plötzlich an übereinanderlegbaren Schablonen zu erkennen und man selbst von der Furcht vor der Vergängnis, den Unwegbarkeiten des Lebens gepackt wird und man jeden Moment, jede Minute, jede Sekunde nutzen müsste, um nichts zu verpassen, zu verlieren. Und dann zählt jede kleine Berührung, jeder Blick, jedes Lächeln, denn dafür reicht die Zeit noch und dann eine nächtliche Erkenntnis, zitternd in ein Notizbuch geschrieben. Komische Jahreszeit, immerhin ein wenig Frühling im Herbst, Licht in der Dunkelheit, Farbe im grauen Einerlei.
Am Strand ![]()
Alltag Aus dem Radio tönen abwechselnd die Stimmen von Beck und Müntefering, über allem schwebt schon wieder dieser Schröder, der aber wichtigeres zu tun hat (Geld verdienen?) und außerdem schon gar nicht mehr dazu gehört. Ex. Die Agenda war ja nur ein schlechter Scherz ähem ein Instrument und diese ganze neoliberale Kacke ja im Prinzip und eigentlich gar nicht so gemeint. So geht also Politik. Hinterher ist alles anders. In fünf Jahren wird Schäuble wohl auch sagen, dass diese ganze Terrorgeschichte ja gar nicht so gemeint war und die Bürgerrechte, die Freiheiten als Grundlage der Demokratie vor Politikern wie ihm ja im Prinzip geschützt gehören. Oder so ähnlich. Keine Lust mehr, Radio aus. Die Musik war sowieso schlecht, alles Wiederholungen, kein Wunder, wenn keiner mehr diesen Schrott kauft, man muss ja nur das Radio anmachen. Zwischendurch wunderte ich mich, dass Grönemeyer nun auf Englisch singt, war aber der Springsteen, den ich plötzlich ein bisschen gut fand. Besser als dieses Parteitagsgeschwurbel, wir sind gut aufgestellt, rollte irgendwann der Müntefering aus dem Lautsprecher, seid ihr nicht, dachte ich sofort, euch wählt doch keiner mehr, wenn, dann wollen die doch alle nur noch die echten Konservativen. Man darf gar nicht drüber nachdenken. Lieber hole ich den Olli Schulz aus der Schublade und lass mir Geschichten erzählen, die klingen wenigsten nach etwas, Liebe, Leben, das ist ehrlich, da kann man sich beruhigen. Geschichten überhaupt, der Große ließ kürzlich in sein sogenanntes Sprachlerntagebuch, das von Migrantenerkennungsfragen (Welche Muttersprache sprechen deine Eltern?) nur so strotzt, wenn man doch wenigstens und überhaupt, ach egal, der Große diktierte also in dieses Tagebuch hinein, dass er gerne Geschichten erzähle und das stimmt wirklich, jeden Tag mindestens eine wahnsinnig unrealistische, fiktive Geschichte aus berufenem Kindermunde, möglichst unter Benutzung aller historischen oder erdachten Figuren und Plastiktiere aus dem Spielzimmer, das ist ehernes Gesetz. Und ich Idiot mach das Radio an. Und dann legt der andere, der Kleine, seinen Lockenkopf lachend auf sein Kopfkissen, nein, er schmeißt ihn geradezu fröhlich drauf und seine kleine, weiche Hand streicht mir übers unrasierte Gesicht und dann sagt er leise: "Papa, ich bin der kleine Eisbär und du bist der große Eisbär und wir tanzen zusammen übers Eis." Müssen Eisbären wirklich nie weinen?
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![]() (geborgt bei flickr)
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