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Am schönsten ist immer noch die Einsamkeit im Windpark. In der Ferne der knatternde Motor eines Traktors, weit hinten, auf dem Feld, wie es wohl wäre, darauf zu sitzen, mit ihm über die dunkle, schwere Erde zu fahren, die Erde zu beherrschen, die Maschine zu beherrschen, diesen Gigant mit den riesigen Rädern, weit über dem Boden sitzend, Jungensträume. Möwen fliegen über die frisch gemähte Wiese, das Schlagen der sich ständig drehenden Rotoren der Windräder, die Sonne strahlt immer noch, am Himmel ein paar Wolken und außer dem Wind und dem Motor des Traktors ist nichts zu hören, nichts, und der Blick geht wieder in Richtung Unendlichkeit, ungebremst, kein Häusermeer, keine Hektik, nur Ruhe und nachts dann diese unglaubliche Dunkelheit, so dass einem bei jedem kleinen Geräusch ein wenig Angst und Bange wird und kleine Schauer über den Rücken jagen.

Norden der Welt
 
Do, 25.10.2007 |  # | (471) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: reality blogging



 

Windpark im Norden



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Mi, 24.10.2007 |  # | (831) | 2 K | Ihr Kommentar | abgelegt: bilder erklaeren die welt



 

Immer noch im Norden

"Alte Liebe" - ein heimkehrendes Schiff tutet laut in den krachenden Wind, Matrosen jauchzen an Deck, freuen sich auf den lang ersehnten Landgang, im Hintergrund schiebt sich ein Containerschiff vorbei, das Wasser ist braun, sandig, die Elbe schiebt unermüdliche ihre Fluten in die weite Mündung, es läd nicht zum Baden ein, so wie das blau-grün schimmernde Mittelmeer oder der dunkelblaue Atlantik, über allem eine graue Wolkensuppe, kalter Wind und Salzgeschmack auf der Zunge. Hier sollte man wohl ein Gefühl von Heimat oder Vaterland oder so bekommen, jedenfalls frage ich mich, nebenan ein Denkmal für im 2. Weltkrieg gefallene Matrosen, dieses Gefühl stellt sich aber nicht ein, Heimat, na ja, vielleicht, ein wenig, Vaterland, nein, eher nicht. Ja, es ist schön hier und auch woanders, aber kein Grund, es zu vergöttern, in gleißendes Licht zu tauchen, erstrahlen zu lassen, es anzubeten, empor zu heben, alles dafür zu geben, das Schwert zu zücken und in den Krieg zu ziehen, nein, dieses Gefühl stellt sich nicht ein, für mich ist das nicht wichtig. Also, zurück in die ländliche Idylle, dort bekannte Geschichten, die sich hinter den fein geputzten Mauern, hinter der reinen Fassade der roten Häuser abspielen, Missgunst, Neid, Liebe, Hass, Verrat, manche Dinge scheinen hier mehr Wellen aufzuwühlen, als zu Hause, vielleicht bin ich auch nur abgestumpft, desensibilisiert, ein die Großstadt liebendes Stadtkind, das hier nicht her passt.
 
Mi, 24.10.2007 |  # | (544) | 1 K | Ihr Kommentar | abgelegt: reality blogging



 

Norden der Welt

Weite, immer wieder kleine Wölkchen am Himmel, Weiden, besprenkelt mit Kühen, Schafen, Pferden, Gedanken an Prärie machen sich breit, Windräder, die sich unermüdlich im Gleichtakt drehen, alles wirkt romantisch, spricht die Idyllenader an, lässt schwelgen, in Gedanken und dort hinten der Deich und dahinter ragen Schiffsaufbauten, die sich langsam schaufelnd nach vorne schieben, unaufhaltsame Massen, Fernfahrer auf den weiten Meeren und wenn man in Richtung Horizont blickt, bekommt man ein Gefühl für Unendlichkeit, die unbegreifbar scheint. Immer wieder Dörfer, rote Häuser mit schicken Vorgärten, getrimmter Rasen, stechend grün und darum weiße Zäune, weiße Haustüren, blitzblanke Pflastersteine und vor jedem Haus mindestens ein Volkswagen, denn hier wohnt das Volk. Morgens gibt es die BILD, dort steht alles drin, dazu noch die Zeitung für den Landkreis, auf der Titelseite ein Bild von der Eröffnung eines Museums für gegenstandslose Kunst, aber BILD ist natürlich besser, die deckt die ganzen Schweinereien auf, holt das Schlechte hervor, die Abgründe, vor denen man hier, in der Idylle, geschützt ist, sich geschützt fühlt, hier, im Eva-Herman-Land, wenn man so will, in dem der Vater noch von früh bis spät knuffen geht, bis der Rücken krumm ist und die Mutter den Haushalt schmeißt und natürlich die Kinder betreut, so wie es sein soll, sein muss, es gibt kaum Alternativen, das Greuel ist der Moloch Großstadt, vor allem "die da in Berlin". So hört man es jedenfalls, ab und zu. Schaut man hinter die Kulissen, erkennt man allerdings kaum mehr Unterschiede zur Großstadt. Dramen, Schicksale, Alltag, hinter der Fassade ist nichts anders, hier, dort, das ist doch einerlei, das sind doch alles rein menschliche Probleme und während hier die Hektik der Großstadt, das Anonyme, die Ansammlung von Gesocks als Brandbeschleuniger herhalten muss, dient dort das dörfliche Einerlei, die leere Dorfstraße am Samstagabend oder das Schützenfest als Problemkatalysator. Letztendlich gibt es wohl kaum Unterschiede, im menschlichen, nur die Luft ist am Ende besser, gesünder, verträglicher und wenn man raus geht, hat man auf jeden Fall seine Ruhe.
 
Di, 23.10.2007 |  # | (545) | 3 K | Ihr Kommentar | abgelegt: reality blogging



 

Sweet home Blogorama*

Könnte ich doch nur eine verdammte Geschichte in dieses Feld hämmern, eine wahsinnige, verrückte, eine, die umhaut, ohnmächtig macht, die Gier weckt, Gier nach Leben, Lesen, alles, könnte ich doch nur. Aber nein. Es fehlt an allem, irgendwie. Zuviel gelesen, zuviel gewollt, zuviel gedacht. Aber wie, ist doch egal. Ich kann hier in dieses Feld hämmern, was ich will, niemand kann mir vorschreiben, was. Das ist die Freiheit des Bloggers. Schröbe ich über Sonnenuntergänge, täglich, eine Alltäglichkeit, niemand könnte sich beschweren oder alle, ich täte es trotzdem. Ist es nicht so? Und wären die Fotos noch so schlecht, weil zum Beispiel immer noch der Fettfleck die Linse verschmiert und ich das nicht raffe oder es jemand bemerkt und ich wie Micha da stehe, der dummerweise den Farbfilm vergaß, niemand könnte mich daran hindern, sie hochzuladen, in meinem Blog zu präsentieren und mich ganz allein daran zu erfreuen. Das ist es doch, das ist doch das, was Bloggen ausmacht. So jedenfalls steht es in diesem Bloggermanifest, immer noch unveröffentlicht und nun inzwischen im Norden der Welt zwischen Maulwurfhügeln leise vor sich hin gammelnd, nur noch die Kühe interessieren sich dafür. Egal.

* Noch nicht einmal für diese Überschrift muss ich mich entschuldigen.
 
Mo, 22.10.2007 |  # | (564) | 2 K | Ihr Kommentar | abgelegt: blogosophie



 

windräder, irgendwo im norden der welt Heute Nacht überrumpelte mich ein Traum: Ich, unterwegs als rasender Deutschlandreporter oder Weltreporter oder Irgendwoherreporter, die schönsten Plätze dieses Planeten besuchend, in der Hand eine unglaubliche teure Kamera, die ich wie ein Heiligtum behütete, weil sie mein Heiligtum war, mein Herz, mein alles und ich schoss Fotos, für die ich mich selbst bewunderte (Qualität!) und später schrieb ich im Stile eines erfahrenen Drei-Sterne-Kolumnisten ein fesselndes Manifest über die Lust und den Frust des Bloggens, das so unglaublich positiv rüberkam und mir drei Tage lang Besucherzahlen in fünfstelliger Höhe bescherte, was mich allerdings aufgeschreckt aufwachen ließ und mir klitzekleine Schweißperlen auf die krausgezogene Stirn zauberte. Vielleicht fiebre ich, ja, doch, ich glaube, ich muss in den Norden der Welt, Ebbe und Flut und frische Luft, na ja, Sie kennen das ja.
 
Fr, 12.10.2007 |  # | (1121) | 10 K | Ihr Kommentar | abgelegt: auf der borderline nachts um halb zwei



 

Großstadtfieber

Ich bin allein. Aber das ist nicht schlimm. Manchmal bin ich dabei einsam, das schmerzt dann ab und zu, aber vom Grundgefühl her ist es angenehm. Ich bin freiwillig allein, es ist so wunderbar ruhig und beschaulich und alles ganz zwanglos, von den eigenen Zwängen einmal abgesehen, man muss sich mit niemandem auseinandersetzen, quälen, keine Rücksicht nehmen, Kompromisse finden, die letztendlich immer faul sind. Es gibt Leute, die erträumen sich ihren Traumpartner und je länger sie dann allein sind, um so idealer wird ihr Idealbild von einem Traummenschen, so dass am Ende kaum noch oder besser gar kein Platz mehr für reale Personen bleibt und sie nur noch von und mit ihren erdachten Traumbild zusammenleben. Vereinsamt. Mir ist das egal. Mein Job füllt mich nicht aus, dafür schreibe ich oder setze mich nachts in die Mitte meines Wohnzimmers und lausche der Stille. Die ist natürlich nicht absolut, irgendwo knarzt, kratzt oder quietscht es immer, schlafende Menschen ächzen in ihren Betten, stöhnen, schreien oder lachen im Schlaf, draußen randalieren ein paar Jugendliche, es fahren Autos, dann wieder Stille. Diese relative Stille erfüllt mich, gibt mir Kraft, ich brauche dann keinen Schlaf, meine besten Ideen habe ich zwischen drei und fünf Uhr morgens.

Sonntags gehe ich in die nahe gelegene Rettungsstelle. Ich nehme mir einen Kaffee aus dem Automaten, setze mich zwischen die wartenden Leute und beobachte sie. Humpelnde, fiebrige, schreiende, weinende Kinder, verstört dreinblickende Erwachsene, mit sichtbaren oder weniger sichtbaren, aber dafür am gequälten Gesichtsausdruck erkennbaren, inneren Verletzungen, Schmerzen, all dies schaue ich mir an, nicht aus Sensationslust, nicht, um mich am Leid anderer Menschen zu laben, nein, mich interessieren allein die Geschichten, die sich hinter den Kulissen verstecken, die Wahrheit, der Schmerz, der hier so lange ausharrenden Menschen, die Geschichten ihres Leids. Selten unterhalte ich mich mit jemandem, meist versuche ich anhand von Gesten, des Gesichtsausdrucks, der Körperhaltung und ab und zu gesprochener Sätze das Schicksal jedes einzelnen Wartenden zu ergründen. Sich prügelnde Männer, die ihre aufgeplatzen Lippen kühlen, Kinder, die sich Fremdkörper in diese oder jene Körperöffnung steckten und nun deren, womöglich operativer, Entfernung harren, sehr oft auch allein vor sich her sitzende Frauen, mit starrem, leicht verwirrten Blick, ohne sichtbare Verletzung. Vieles liegt im verborgenen. Spekulation. Was ist ihr Schicksal? Heute früh, höre ich die eine zu der anderen sagen, als sie aufwachte, schmerzte ihr Kopf so sehr, dass sie sofort wusste, der seit Jahren in ihrem Kopf leise vor sich hin wachsende Gehirntumor habe nun das Entstadium seines Wachstums erreicht und sie müsse sofort in die Rettungsstelle, bevor sie endgültig, einsam und allein in ihrem Bett und mit aufgeplatztem Schädel das Zeitliche segnen. Die andere nickt anerkennend und erzählt eine ähnliche Geschichte, meint, sie hätte irgendetwas am Herzen, alles unheilbar. Später gehen beide raus und rauchen.

Wirklich schlimm sind die Fälle, die mit dem Rettungswagen oder gar Hubschrauber eingeliefert werden. Gestürzte Alte, deren Knochen brüchig sind und bei einem Sturz nachgaben, Opfer von Verkehrsunfällen, womöglich auch noch Kinder, blutende Gesichter, offene Brüche, irgendwann habe ich genug Leid gesehen, genügend Geschichten erdacht, mir ist schlecht vom Geruch des Desinfektionsmittels, von der stickigen Luft und dem schlechten Kaffee, helfen kann ich hier sowieso niemandem, ich gehe. Ich verlasse die Rettungsstelle in Richtung Park, in dem ich mich beruhige, herunter komme, langsamen Schrittes dem aufgeregten Zwitschern der Vögel lausche, ein paar Menschen spielen mit ihren Kindern Ball oder werfen Spielzeuge für ihre Hunde, es ist mild und angenehm, die frische Luft tut gut, sie schmeckt jetzt ganz frisch und weich. Den Abend verbringe ich vor dem Computer, ich lese Blogs, immer in der Hoffnung, jemanden zu finden, dem es genauso geht, wie mir. Verlorene Zeit, verlorene Welt, Einsamkeit und dann wieder die Stille der Nacht mit ihren Geräuschen, ich bin allein, aber nein, nicht doch, das ist überhaupt nicht schlimm.
 
Do, 11.10.2007 |  # | (1042) | 3 K | Ihr Kommentar | abgelegt: blogosophie



 

Auslauf

Das Gefühl geistiger Inkontinenz. Alles entweicht, irgendwie, ungewollt. Draußen: Sonne. Innen: Grau, Brei, ein paar abwegige Gedanken, darf man sich nicht drüber beschweren. Was fehlt? Ausdruck, Unbeschwertheit, ja, vor allem die. Ein Leben zwischen Excel-Tabellen und Word-Dokumenten, bleibt nicht viel Platz für alles. Besonders interessant die Funktion Inhalte einfügen.... Wenn das mal so einfach wäre. Ich schau mir inzwischen lieber Fotos an, Kommentare bitte weglassen, vor allem die, ja, genau die! Leise vor sich hin bloggen, entweichen, laufen lassen. Manchmal möchte ich sagen: Sie stinken mich an. Aber dann? Das vergeht wieder. Im Notizbuch blättern und sagen: Ach ja. Stimmt. So sehe ich das immer noch und dann Musik. Harmonie ist eine Strategie - Kann man so sehen. Ich, nur ich, ganz allein, Chef, keiner redet mir da rein und so wird es weitergehen.
 
Mi, 10.10.2007 |  # | (1470) | 9 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fragmente



 

Herbstsplitter

Am Morgen, Frühstück, Kinder hampeln hampelmännisch und verhöhnen Mohnbrötchen, in der Zeitung ein Nachruf, Walter Kempowski, spontane Betroffenheit wegen stetig aufsteigender Sympathie. Ach, hätte ich doch... Und dann auch noch ein Interview mit Grass, letzte Woche, er war kein Spielvater. Gewissen.

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Wir schneiden uns durch das vergehende Grün der vergangenen Saison und hinterlassen eine wunderbare, dunkle Erdwüste, feucht und nach Vergängnis riechend. Leise das Wort Saison aussprechen, wie Benn, der über die aktuellen Romane der Saison sprach. Im nächsten Jahr kommt alles wieder, die Äpfel sind riesig.

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song to say goodbye

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Und der Ganter Josef sprach zu Gans Sybille: Komm, wir schnappen unsere Sachen und hauen ab, mit den anderen, in Richtung Süden. An meinem Schnabel waren heute Morgen kleine, silbrige Eiszapfen, meine Flügel ein wenig angefroren, lass uns abhauen, in den Süden, Wärme, Sonne, glitzerndes Meer und genug zu fressen. Und so zogen sie mit den anderen, erst zu den großen Sammelplätzen und dann später in Richtung Süden. Fort.
 
Mo, 08.10.2007 |  # | (485) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fragmente



 



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Letzte Aktualisierung: 03.06.2024, 07:57


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