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Ein älterer Herr kam in die Bahn, auf dem Kopf Hörer mit ausgefranstem Schaumstoff, er hörte wohl etwas lustiges, denn er tanzte und summte mit. * Als ich die Schlange am Postschalter sah, wich ich auf den Kiosk aus, der Briefmarken lose anbietet und dachte spontan: Nein, danke, dann lecke ich lieber selbst. * Kalter Regen auf unbedecktem Haupt, mir kommt eine junge Frau entgegen, mit Schirm und schwarz-weiß geringeltem Rock. Sofort ans Bloggen gedacht. * Am Bauzaun ein altes Werbeplakat der Vanity Fair. Alt, na ja, vielleicht 2 Wochen? Heute vergeht Zeit schnell. Darauf: Giselle Bündchen, anregend. Mann bleibt eben Mann. Daneben Bushido, der schrieb doch auch nur Unsinn, in der ersten Ausgabe dieses Magazins. * Diese Baseball-Kappen, mit Netz, nur halb aufgesetzt, sieht affig aus. Ich hatte auch mal solch eine, gekauft im Dezember 1989, schwarz, mit einem dicken gelben Batman vorne drauf. Wir, mein Vater und ich, striffen durch Kreuzberg, fühlten uns zu Hause und vergaßen Marzahn. An diesem Abend durfte ich den "Weißen Hai" schauen und fühlte mich wohl, beim Aushöhlen einer Kokosnuss. Die Kappe setze ich später nur selten auf. * Die Dame gegenüber las Zeitung. Den Politikteil. Eigentlich nur noch langweilig, Stammtischparolen gehen mir durch den Kopf, man nimmt es nur noch wahr und macht es ab, mit sich selbst, ohne große Aufregung, resigniert, zieht sich zurück in seinen Mikrokosmos (dieses Wort ist auch nur geborgt), reine Polemik steht dort an vielen Stellen, kaum noch Lösungen. * Auch der Februar ist vorbei, die Zeit rast, der Frühling steht vor der Tür, ein paar zartgrüne Knospen sieht man schon, Krokusse, Hyazinthen, lauwarme Abende drohen, offene Fenster, Musik, Stimmen und ein knisternder Stuhl auf dem Balkon.
Keine Ahnung, mit Musik Ich habe keine Ahnung. Hinzu kommt dieses nutzlose Wissen, schließt man die Tür hinter sich und geht, braucht man das hart erworbene Wissen nicht mehr, es führt einen nicht weiter, allerdings: Es füllt das Konto und zudem kann ich mit den Erkenntnissen über zwischenmenschliche Beziehungen vielleicht doch noch etwas anfangen. Mobbing oder doch das Seelenheil anderer? Wo ist meine Bestimmung abgeblieben? Und immer wieder das vor sich hindudelnde Radio. Teilweise unerträglich. Chasing Cars - immer wenn ich es höre, bekomme ich Beklemmungen, habe das Gefühl, einen Stuhl durch eine Fensterscheibe schmeißen zu müssen. Komm doch mal zum Punkt, schrei doch einfach mal, lass es krachen, aber doch nicht so. Einen Stuhl, soso. Ein Stuhl im Orbit höre ich den Grönemeyer aus seiner Kehle pressen - was soll ich damit anfangen? Nichts. Rein gar nichts. Schauen Sie nach, schlagen Sie nach, Orbit. Am ehesten könnte wohl die Umlaufbahn gemeint sein, denke ich mir. Stuhl in Umlaufbahn? Das geht mir zu weit, das ist doch kein Bild, meine Güte, gründeln nenne ich meine Nachforschungen. Der Große ist da weiter, er singt bei diesem Naidoo mit, ob er versteht, was der da säuselt, ich weiß es nicht, dann will er Justin Timberlake, Nelly Furtado und "Papa, wann kommen wieder die, die dieses Theo-Lied singen? Theo? Er meint Snow, die Chili Peppers, das weiß ich, dies ist zum Glück kein nutzloses Wissen. Und da ich immer noch keine Ahnung habe, widme ich mich nun schöneren, bemerkenswerteren Dingen (das kann man wunderbar sammeln, ausgedruckt, und Jahre später weise nickend betrachten).
Heimkehr Der Geruch der nassen Wiesen liegt noch in der Nase, die Wohnung verlassen und kalt, heimatlicher Geruch, alles vertraut, ein Nest, in das man immer wieder zurückkehrt und sich wohlfühlen kann. Überall Wäschehaufen, dunkle Erde klebt noch an den Sachen, schwerer Boden, schwarz und nass, kein Sonnenstrahl blendete uns, dafür nur graue Wolken im Wind, der die Windräder unermüdlich antrieb, antreibt, gestern, heute, morgen. Und dann das helle Kinderlachen auf dem verlassenen Kinderspielplatz hinter dem Deich und dahinter die Schiffe, die unermüdlich hin und her fahren, einfahren in die Häfen, hinaus auf das bräunlich schäumende Meer, kalt und fern, unaufhaltsam, sie ziehen gelassen ihre Bahnen, auch jetzt, da wir nicht mehr da sind.
Über mich selbst bloggen. Ich mag es, wenn sich die einzelnen Teile der obligatorischen Wochenendzeitung in der gesamten Wohnung verteilen. Überall ein Stückchen. Überhaupt hänge ich letztendlich doch an der Papierausgabe einer Zeitung, wohl nur wegen dieser wohltuenden Geruchsmischung aus Kaffee und Zeitungspapier. Ich trinke gerne Tee. Ich mag Berlin, vor allem wegen der Ecken und Kanten, denen ich so oft schon den Rücken gekehrt und meine Fluchtpunkte gesucht habe, nur um zu merken, dass es ohne nicht geht. Ich liebe Essen, vor allem weil es Genuss bedeutet, Freude mit Freunden, weil der gedeckte Tisch zum Abendbrot Familie bedeutet, ein Gourmet, bin ich allerdings nicht, denn ich neige zur Maßlosigkeit. Und ganz am Ende: Das Meer.
Gebügelter Rücken, ohne Falten, hart und unbeweglich, wohl zuviel Stärke, das ist die Schwäche. Aus dem Bett gefallen und den Mussolini getanzt, butterweiche Morgenluft, wohltuende Stille, unterbrochen vom Gesang der Amsel, Frühlingsboten, nach Meer roch es nicht. Mittelmaß, ein ganze Bahn voll, zwei Frauen steigen ein, sie riechen nach Zwiebeln, frischem Döner, missmutige Gesichter um einen herum, eine schaut wie diese Hotelerbin, wenn sie beleidigt ist. Mittelmaß und man gehört dazu, die Norm steht fest und wenn man ehrlich ist, weicht man kaum davon ab. In Träumen kann man fliehen. Eine Insel, in südlichen Breiten, fern und leer, weißer Sandstrand und eine kärgliche Hütte unter stahlblauem Himmel, das Meer brandet, in der Ferne ein Fischerboot, hüpft auf und ab, heimliche Idylle, auch hier gilt das Mittelmaß, in einer anderen Qualität, wenn man nicht ab und zu auf die Felsen steigen würde, an denen die Wellen laut und mit weißer Gischt zerbrechen, um sich dem warmen Naß der Brandung zu stellen und in die Ferne zu schauen, es gäbe keinen Unterschied mehr. Möwen überschauen diesen Ort, abgehoben, frei. Draußen, in der abfallenden Dunkelheit, wanken drei Männer, verwelkt in der Nacht, mit hängenden Augen, in den Händen fett triefende Pizza, sie stolpern über den kalten Boden, der Glanz des gestrigen Abends scheint vergangen. Die Insel, erträumter Zufluchtsort, Träume und Realität vermischen sich, in der Bahn riecht es muffig, dazu eine Mischung aus Kaffee und Zeitungspapier, draußen das Meer, türkis, warm und erfüllend, ein Tag wie jeder andere, Krokusse blühen in allen Farben, vielleicht noch ein wenig Schnee, die Erinnerung an den weißen Strand der fernen Insel.
Der dicke Mann schleicht missmutig durch den Gang, kaum beachtet er die Geräusche seiner Umwelt, müffelt still vor sich hin, man sieht ihm den Ekel vor sich selbst und dem Rest der Welt förmlich an, wenn er einsam den Gang entlang schnauft, das Rasseln der Bronchien kann man schon von weitem hören.
"still in love" und natürlich ganz laut "the greatest" (Oder wie Kasupke kürzlich sagte: Iss doch jeden Tach Valentin. Also jetze ma ehrlich, wa.)
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![]() (geborgt bei flickr)
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Letzte Aktualisierung: 03.06.2024, 07:57 Links: ... Home ... Blogrolle (in progress) ... Themen ... Impressum ... Sammlerstücke ... Metametameta ... Blogger.de ... Spenden Archiviertes:
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