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Uschi´s Sonnenstube

Sobald Sie Ihr Haus verlassen haben, gehen Sie direkt nach links bis zur nächsten Ecke, dann noch drei Straßen weiter, dann rechts und Sie finden garantiert etwas, dass "Uschi´s Sonnenstube" heißt oder dieser Bezeichnung auf jeden Fall entsprechen könnte. Das glauben Sie mir nicht? Sehen Sie selbst.
 
Mi, 15.11.2006 |  # | (1477) | 5 K | Ihr Kommentar | abgelegt: urlaub



 

Hier bin ich. Fast. Sprachlos, aber nicht gedankenlos, ein wenig aufgedunsen, denn Uschi meinte es gut. Ich muss mich nur noch meiner Verkleidung entledigen, dann bin ich wieder da, rede wirres Zeug und bedanke mich brav für jeden Kommentar, für jedes Lüftchen, dass graue Wolken wegschiebt, für jedes Wort, dass mich zum Lächeln bringt oder zum Weinen, für alles und noch mehr. Ich weiß noch nicht, ob ich es tatsächlich bin, ich muss noch ein wenig suchen, sortieren, auf ein paar Knöpfchen drücken und ein wenig träumen. Vielleicht bekomme ich trotz vollkommener Selbstüberwältigung auch noch eine Weihnachtgeschichte zustande. Wenn nicht, mach ich nen Foto.
 
Di, 14.11.2006 |  # | (1005) | 6 K | Ihr Kommentar | abgelegt: le bufflon



 

Fortsetzung folgt

Melden Sie sich ab, sprach die Stimme zu mir, denn so stehe es in den goldenen Bloggerregeln. Es könnte sein, dass Sie jemand vermisst. So sei es.


 
So, 05.11.2006 |  # | (1481) | 9 K | Ihr Kommentar | abgelegt: le bufflon



 

Bilanz

Ich habs ja mit Zahlen, merkt man hier aber nicht. Hier verschwende ich lieber Worte, wenn auch nicht auf solch Gänsehaut erregende Weise, ein atemberaubernder Text, der dunkle Erinnerungen und Erzählungen aus der Familie wieder in Erinnerung bringt, ich dagegen muss mich mit dem Banalen begnügen. Nein, nicht Bananen, Sie Scherzkeks. Zwanghaftes Schreiben, ja, wenn nicht hier, dann in ein Notizblock, "Tschuldigung, darf ich das kurz notieren?", die leicht überschaubare Masse schaut, kommentiert, warum das alles, weiß ich nicht genau, manchmal kennt man sich selbst nicht.

Stürmische Tage, dunkle Wolken treiben über den Himmel, der Wind bläht die Jacke auf, Kälte kriecht in die Hände, in die Oberschenkel, es sind 2 Grad oder so, gefühlter Frost, immer wenn es stürmt, denke ich an den Schimmelreiter, nicht nur wegen Storm. Assoziationsketten könnte man damit bauen - dunkle Wolken, Sturm, aufbrausende Wellen, schäumendes Meer, Schimmelreiter, Storm, "Riders on the Storm", der "The Doors" - Film, den ich sogar mal in der Schule sah, verflossene Damen - es könnte endlos weiter gehen, eine Erinnerung weckt die andere, wie ein Domino-Spiel, es schwurbelt herum, in meinem Kopf und ich schreibe wieder viel zu viel, weiche ab und auf, die klare Linie fehlt. Später schneite es, nicht viel, ein wenig nur, aber es sammelte sich auf den Autos, blieb liegen und gefror, ein Vorgeschmack auf kommendes, für mich kommt demnächst etwas außergewöhnliches. Irgendwo in Schweden schneite es heftig, Bilder waren davon in den Nachrichten zu sehen, wenn es erst einmal bei uns soweit ist.

In der Nacht gruselte es mich, keine reitenden Leichen, aufgeweckte Seelen längst verstorbener, keine Monster und auch keine liebeshungrige Männerverschlingerin, ein komischer Traum aus Blogestan quälte mich, solche Träume sind immer mit Vorsicht zu genießen. Unangenehm der Moment in dem man erwacht und nicht weiß, in welcher Realität man sich nun befindet, in der erträumten oder der wirklichen? Ein Blogger faszinierte mich, haute genau das Zeug raus, dass ich wollte, brauchte, Leben und Denken, Ironie, Witz und Charme, so eine Art Vorbild, wenn man so will, mehr brauchte ich nicht, ich hängte mich rein, lobhudelte und verlinkte, machte jeden Schmunzius mit, bis ich ihn in der Realität traf, durch Zufall, und er ein ganz anderer war, "Agentur Neue Mitte" oder so, einer, der eine neue Gesschäftsidee testen wollte, ausreizen, in einem offenen Umfeld, der ein Drehbuch hatte, eine vorgefertigte Geschichte, die er locker abspulte, alles erfunden, nichts real, alles Verarsche, nicht mal die persönlichen Kontakte waren ernst gemeint, Kundenpflege. Ich wollte ihm die Fresse polieren, so wütend war ich, in meiner Zunge waren Zahnabdrücke zu erkennen, beißen, beißen, beißen, akute Bloggeritis, Blogosfear, glaub ich. Auch jetzt noch bin ich sauer, komische Sache, so ein Traum.

Kalte Minuten am dämmernden Hackeschen Markt. Die Bahn kam nicht, obwohl sie angezeigt war (stetig blinkende "4 Min." - einen Quatsch hat sich die BVG da ausgedacht), Millionen Krähen schwebten über dem Platz, ich musste an Hitchcock denken, hoffentlich fressen sie mich nicht auf. Aus dem Bäcker kamen die beiden Bauarbeiter, die jeden Morgen mit in der Bahn sitzen, rauchend tranken sie Kaffee, den sie auf einem Elektrokasten abstellten und dabei stumm über die mehr oder weniger leeren Straßen schauten. Abends sitzen sie wieder gemeinsam in der Bahn, später in der Kneipe an der Ecke, rauchend, trinkend, schweigend, sonntags sieht man sie gemeinsam, schon morgens beim Imbiss sitzen, rauchend, trinkend, schweigend. Leeres Leben, denke ich jeden Tag, zur Versöhnung scheint heute die Sonne, strahlend blauer Himmel, leer und weit, ab und zu ein Flugzeug, trotz Kälte, Traum und verspäteter Bahn scheint die Bilanz ausgeglichen.
 
Do, 02.11.2006 |  # | (566) | 5 K | Ihr Kommentar | abgelegt: reality blogging



 

Es schneit.
 
Mi, 01.11.2006 |  # | (692) | 7 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Berlin



 

Ein Brauch, den niemand braucht.

Niemand wollte mir die Tür aufmachen, niemand wollte mich beschenken, niemand nahm mich ernst. Dabei hatte ich mir solche Mühe gegeben. Die Sucht nach Süßem zwang mich dazu, schon morgens hörte ich es an der Badtür klopfen, niemand stand davor, niemand hätte klopfen können und eine Stimme sprach zu mir: Tu es. Ich streifte mir diese wunderbare Ganzkörpergerippeimitation über, schwarzer, zarter Stoff, wunderbar muffig riechend, mit einem fluoreszierenden Gerippe darauf, eine hübsche Maske, nicht zu aufdringlich, schließlich soll niemand einen Herzinfarkt bekommen, wenn ich zart an der Türe klopfe und um Süßigkeiten bitte, mit einem flackernd leuchtenden Kürbis in der Hand, er sah wunderbar nach frisch abgehacktem Kopf aus, zog ich durch die Straßen, klingelte an verschlossenen Türen, klopfte, rief, schrie, wenn sie nicht aufmachten, belegte sie mit Flüchen, doch niemand öffnete. Hinter zugezogenen Gardinen saßen sie und zeigten mir einen Vogel, hielten Telefonhörer in der Hand, machten obszöne Gesten, vielleicht versteckten sie sich auch und hofften, der Spuk würde bald vorbei sein, ich war verzweifelt, was für eine grauenhafte Nacht, keine Süßigkeiten, nur Schmach und Häme, im nächsten Jahr schick ich doch wieder die Kinder, sie beteiligen mich sicherlich an ihrer reichen Beute.
 
Mi, 01.11.2006 |  # | (583) | 5 K | Ihr Kommentar | abgelegt: schleichender wahnsinn



 

Vereinfachung

(Uups, der Sonntag ist schon längst vorbei? Egal.)

Das Leben kann so einfach sein. So einfach, dass es nicht einmal stört, wenn der Sonntag um sechs Uhr morgens beginnt, wenn draußen ein kräftiger Regenschauer rauscht, wenn es noch dunkel ist und kalte Luft durch das offene Fenster in der Küche in die Wohnung strömt. Es riecht nach Herbst, es fühlt sich wie Herbst an, es ist Herbst. Der Weg zum Bäcker ist gelblich ausgeleuchtet, ein wunderbar warmes Licht, passender Kontrast zum kalten Wind, der gnadenlos durch die Bäume fährt und Blätter auf die Erde fallen lässt. Die Kastanien sind schon kahl, andere Bäume wandeln gerade ein kräftiges Gelb in ein dunkles Rot, ein in Gummisachen verpackter Wicht springt durch die Pfützen und lacht dabei, als hätte es nie einen Sommer gegeben, als müsste es nie andere Jahreszeiten geben, der Winter wird kommen und selbiger Wicht wird ihn ebenso lieben, wie den Herbst, den Frühling und den Sommer. So einfach ist das Leben.



Ich habe keine Ahnung, stelle ich oft fest, ich spüre, fühle, manchmal denke ich sogar, ich denke: Das Leben ist schön, aber schwer oder kompliziert, wir machen es uns schwer und natürlich ist das alles eine Vereinfachung (mit gerade mal winzigem philosophischen Anspruch, dürfen Sie jetzt gerne sagen), Probleme türmen sich bedrohlich auf, riesige und dunkle Gebirge, die jeden Moment auf einen herabstürzen können, herabgefallene Brocken versperren den eingeschlagenen Weg, man muss ausweichen, Umwege gehen, nachdenken, reden, diskutieren, aus dem Weg räumen oder sich andere Richtungen suchen. Im Schatten der sich auftürmenden Felsen ist nichts einfach, nichts erscheint mehr leicht, kompliziertes Leben, schwierig zu meistern, ein ständiger Kampf, man muss immer wachsam sein, die Instinkte sind geschärft und man liegt auf der Lauer, die richtige Kleidung im Gepäck, für jede Wetterlage und auf jeden Fall festes Schuhwerk. Denken, oft denken wir uns angestrengt durchs Leben, finden keine Antworten und verzweifeln darüber, nicht denken zu müssen, kann eine Wohltat sein.

Der gelblich leuchtende Weg beruhigt, das fröhliche Kinderlachen, der Blick, unverklärt und unbekümmert, einem Eichhörnchen hinterher schauend, staunen, sich an diesem schwierigen Wort versuchen, die Welt entdecken und sich einen eigenen Reim darauf machen. So einfach ist das Leben, wenn man es so nimmt, wie es einem begegnet, Wichte können das, sie sind unverdorben, unvoreingenommen, sie misstrauen nicht, leben in einer Mischung aus Realität und Phantasie, entdecken jeden Tag neues, an dem sie sich erfreuen können, stellen eigene Theorien auf, über Dinge, die ihnen so wundersam erscheinen, erscheinen müssen. Auch sie denken, aber direkt, nicht in verqueren Bahnen, ohne den Blick auf große Fragen, die wichtig sind, die einer Antwort harren, deren Beantwortung manchmal nach einem schmerzhaften Weg verlangt, stellt man sich neben die Wichte, tritt man zurück, entschleunigt, genießt, alles wird einfach.



Ein Sonntag, an dem das Leben so einfach erscheint, tut gut, es kommt einem vor, als wäre man verreist, eine wichtige Auszeit, die dankend angenommen wird, wohlige Wärme und ein wenig Melancholie, um fünf wird es dunkel, Zeit für Kerzen in jeder Ecke, draußen regnet es wieder und drinnen riecht es nach Kaffee, später nach Essen, wir müssen uns keine Wunden lecken, wir können unbeschwert lachen, genießen, leben, Kraft sammeln, einfach nur leben, die Gebirge bleiben vorerst außen vor, morgen ist auch wieder ein Tag.
 
Di, 31.10.2006 |  # | (497) | 1 K | Ihr Kommentar | abgelegt: reality blogging



 

Alex

Als Win die letzten Zeilen tippte, schlief Liz schon, draußen wehte ein leichter Wind, er fröstelte und hatte seit Wochen das erste Mal das Gefühl, eine Zigarette rauchen zu müssen. Er speicherte den Text und las ihn noch einmal, atemlos.

Alex

Grau-blauer Himmel über stoppeligen Feldern, ein paar Wolkenfetzen am Himmel, die Sonne steht nicht mehr so hoch am Himmel, wärmt noch, lässt aber nicht mehr schwitzen und der vorüber ziehende Wald wird langsam bunt. Alex fährt mit dem Fahrrad gemächlich die leere Landstraße entlang, die Bäume über ihm rauschen leise im Wind, in dieser entlegenen Ecke kommt selten ein Auto vorbei, dort hinten geht es rechts auf den Feldweg zum alten Militärgelände. Er liebt diesen verlassenen Ort, die langsam zerfallenden Kasernen, Schuppen, Bunker, meist unverschlossen, kein Wachdienst, der ihn auf seiner Entdeckungstour stören könnte. Er liebt den Verfall, rostige Türen, eingeworfene Fensterscheiben, heraus gebrochene Fensterrahmen, Löcher in Fußböden, der Geruch ausgelaufenen Öls, Autowracks, Stunden, Tage hat er hier schon verbracht, hunderte Fotos gemacht, die aufgereiht über seinem Schreibtisch hängen, ein magischer Ort, der ihn immer wieder anzieht und verzaubert.

In einem Waldstück, etwas abgelegen von den Hauptgebäuden, hatte er beim letzen Mal ein paar verborgene Bunker entdeckt, die er sich heute anschauen will, herum- und hereinklettern, vielleicht gibt es Neues zu entdecken. Die Kamera hat er immer dabei, einen kleinen Rucksack mit einer Taschenlampe und einer Wasserflasche sowieso. Er muss sein Fahrrad auf dem letzten Stück durch den lichten Kiefernwald schieben, dort hinten sind die Bunker, kaum von den umliegenden Hügeln zu unterscheiden. Das Licht ist unwirklich, ein paar Sonnenstrahlen scheinen am feuchten Grasboden des Waldes zu lecken, entfernt hört er das Knacken von Ästen, Rehe, Hirsch, vielleicht auch Wildschweine, Menschen gibt es hier nicht, nicht mehr.

Der erste Bunker scheint verschlossen, eine rostige Tür versperrt den Weg, sie hängt schief vor dem Eingang, hat sich verkantet, man kann durch einen Spalt in den Bunker schauen, Alex leuchtet mit der Taschenlampe herein, modriger Geruch schlägt ihm entgegen, er sieht umgefallene Regale, Metalltische, Papiere, Kabel, alte Telefone, alles liegt verstreut herum, kreuz und quer. Die Tür bekommt er nicht auf, er versucht es ein paar mal mit großer Anstrengung, er bräuchte schweres Werkzeug, einen Flaschenzug vielleicht, alles nicht machbar, vielleicht hat er beim nächsten Bunker mehr Glück.

Die Tür des zweiten Bunkers ist genauso verrostet, wie die des ersten, allerdings ist sie noch intakt, zudem nicht verschlossen, sondern nur angelehnt, eine Einladung für jeden zufälligen Entdecker. Alex öffnet sie langsam, sie gibt ein grausames Geräusch von sich, ein lautes Quietschen, an grausames Aneinanderreiben rostigen Metalls, ein Geräusch, das durch Mark und Bein dringt und in der Weite des Waldes auf eigentümliche Weise verhallt. Kurz überkommt ihn ein kalter Schauer, alles halb so wild, denkt er sich, verlassene Orte haben ihre ganz eigene Romantik, grausam, kalt, der Verfall ist kein Gedicht eines verklärten Romantikers, es ist die Realität der Menschheit. Mit der Taschenlampe leuchtet er in den Bunker hinein, es scheint sich um eine Art Empfangsraum zu handeln, klein und trotzdem geräumig, eine beängstigend niedrige Decke mit alten Lampen hinter verrosteten Gittern, ein paar leere Regale an der Wand, überall verstreute und vergilbte, meist verfaulte Schriftstücke, kaum noch zu entziffern. Es gibt einen dunklen Gang, der tiefer hinein führt, Alex vermutet, dass er über diesen Gang in die anderen Bunker kommen kann, er macht noch ein paar Fotos im schummrigen Licht, das von außen herein scheint, dann geht er los, ganz langsam und bedächtig, mit der Taschenlampe nach dem Weg suchend.

Die Luft im Gang ist feucht und stickig, es ist stockdunkel, Alex fröstelt, obwohl es nicht sonderlich kalt ist, eine gespenstische Szenerie. Der Gang scheint sehr lang zu sein, es geht stetig nach unten, wie weit soll er überhaupt gehen, was, wenn er nicht mehr herausfinden sollte? Dort hinten ist wieder ein größerer Raum, er leuchtet mit der Taschenlampe dort hin, er erkennt ein paar Schreibtische, große Apparaturen mit analogen Anzeigen, Zeigern und Knöpfen, Kabelwirrwarr, wieder ein paar alte Telefone, langsam, Schritt für Schritt nähert er sich dem Raum, sein Pulsschlag steigt, das Herz pocht bis in seinen Hals, hinter ihm nur noch undurchdringliche Dunkelheit, noch ein paar Schritte, doch dann gibt der Boden plötzlich unter ihm nach, verzweifelt versucht er seinen Fall aufzuhalten, reißt sich dabei die Arme und Hände auf, schreit laut um Hilfe und doch fällt er in tiefes Dunkelheit, unendlich, unaufhaltsam, niemand kann ihn hören, nach dem Schrei die absolute Stille.

Dunkelheit. Ein dumpfer Schmerz im Kopf, ein stechender Schmerz im Bein, Alex tastet um sich herum, er kann nichts sehen, kein einziger Lichtstrahl erreicht das tiefe Loch im Bunker, die Taschenlampe ist beim Fall kaputt gegangen. Er nimmt den Rucksack ab, nimmt die Wasserflasche heraus und nimmt einen Schluck, es tut ihm gut, der Kopf wird klarer, leider. Langsam versucht er, sich seiner Situation klar zu werden, die schmerzende Stelle am Kopf ist feucht und klebrig, wahrscheinlich aufgeplatzt und blutig, das Bein schmerzt bei jeder Bewegung, doch das schlimmste ist die undurchdringliche Dunkelheit, die ihm die Brust fest zudrückt, die Kehle zuschnürt, er bekommt kaum Luft, er hat Angst, Todesangst. Langsam versucht er sich an einer mühsam ertasteten Wand aufzurichten, sie ist feucht, irgendetwas krabbelt unter seinen Fingern, Spinnen vielleicht, Käfer, Kellerasseln, ihm wird schlecht, er muss sich übergeben. Der Ohnmacht nahe tastet er sich an der Wand entlang, der Raum ist scheinbar nicht groß, irgendwo muss eine Tür sein, ein Ausweg, er will heraus, einfach nur heraus, irgendwie. Da, etwas metallenes, kein Stein, kaltes, rostiges Metall, eine Tür, mühsam ertastet Alex die Scharniere, alles noch intakt, bitte, lass sie nicht verschlossen sein, bitte, bitte, bitte, laut ruft er seine Bitte aus und erschrickt sofort über den eigenen Ausruf, der die dumpfe Stille der Dunkelheit jäh zerreißt. Langsam tastet er sich über das stumpfe Metall, er kann erahnen, wie die Tür aussieht, rechts oben und unten sind jeweils zwei große Hebel, die heruntergezogen werden müssen, dann würde sich die Tür öffnen, Freiheit, frische Luft, Hilfe, den Weg in die Stadt könnte er sich zurück schleppen, er will leben, einfach nur leben und nie wieder an diesen Ort zurückkehren müssen.

Mit zittrigen Händen entdeckt Alex den ersten Hebel, es ist der obere, er fühlt sich genauso verrostet an, wie der Rest der Tür, es kommen ihm langsam Zweifel, ob er sich überhaupt öffnen lässt. Und was ist, wenn die Tür offen ist? Der Gang oder Raum dahinter ist wahrscheinlich ebenso dunkel wie dieser hier, man sieht nichts, nicht die Hand vor Augen, keine Wände, kein einziger Lichtstrahl dringt in dieses dunkle Gefängnis. Er hat keine andere Wahl, er muss es versuchen, er muss hier raus. Mit seinem ganzen Gewicht hängt sich Alex an den Hebel, der sich nach mehreren Versuchen mit einem lauten Krachen nach unten bewegt, der erste Teil wäre geschafft. Jetzt musste nur noch der untere nach oben gestellt werden, wenn dies auch so leicht ginge, wäre er frei, frei, einfach nur frei.

Aber er bewegt sich nicht, keinen Zentimeter nach oben. Alex zieht und zerrt, zwischendurch nimmt er immer wieder einen kleinen Schluck aus der sich stetig leerenden Flasche, die Schmerzen in Kopf und Bein werden immer stärker, die Kraft schwindet, die Welt schwindet, die Dunkelheit nimmt ihm den letzten Atem, warmes Blut läuft ihm über das Gesicht, später Tränen, heiße Tränen, verzweifelt nimmt er seine letzte Kraft zusammen, um den Hebel nach oben zu stoßen, nichts, keine Bewegung, kein Krachen, kein Rucken, keine offene Tür, dumpfe und stechende Schmerzen im ganzen Körper, Alex hat keine Kraft mehr, die Dunkelheit wird zur Ewigkeit, er friert, langsam und verzweifelt sackt er auf den feuchten, klebrigen Boden, auf die Spinnen, Käfer, Kellerasseln, er weint, verliert das Bewusstsein, alles ist vorbei, eine Ende in Stille und Dunkelheit.
 
So, 29.10.2006 |  # | (2354) | 15 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Schreib mal wieder



 



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(geborgt bei flickr)


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Letzte Aktualisierung: 03.06.2024, 07:57


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