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Big Dichtercamp Draußen ist es heiß, unerträglich heiß, aber wir sitzen drinnen. Draußen spielen Kinder am See, sie rutschen von einer großen Rutsche - eine Röhrenrutsche mit einem gigantischen schwarzen Tunnelrutschwerk - in den See, Wasser spritzt ins Sonnenlicht, aber wir sitzen drinnen. Deutschlehrer R. referiert, leitet an und fordert schließlich, natürlich Leistung. Neben mir sitzen die Zwillinge Jambus und Trochäus, sie dichten und verdichten was das Zeug hält, Bleistiftminen kratzen über vergilbtes Papier und Radiergummifussel türmen sich auf dem Boden. Mir gegenüber sitzt Pornoqueen Franzi und arbeitet an der "Ode an den Blowjob", sie ist unbekleidet, Lehrer R. betrachtet sie und ihre Zeilen wohlwollend, so wie den Dichterwillen der Zwillinge neben mir. Nur mich beäugt er argwöhnisch, schaut zweifelnd über meine Schulter, Unverständliches brummt aus seinem Mund heraus. Schließlich zieht er mir eins mit dem Rohrstock über das linke Ohr, Blut fließt meine Wangen entlang, schweißgebadet aufgewacht.
Logging station Zuerst „Wordpad“ starten und dann loslegen. Einfach los. Irgendwas. Vielleicht mal ein richtiges Schreibprogramm benutzen? Mit Echtzeit-Rechtschreibcheck und Änderungsverfolgungsmodus und automatischem Dings und Bums? Ach, nöö. „Wordpad“ tut es doch auch. Jeder kleine Editor tut es. Nun ja, ach. Egal. Bloggerei, Schwätzerei. Oft gefällt mir das besser, als angestrengte Literatur, „richtige Literatur“. Natürlich, dort versuchte jemand, hart arbeitend, ein gewisses Etwas auf die Beine zu stellen, aber was soll man tun, wenn dieses Etwas einem die Augen zufallen lässt, einen so ermüdet, dass man das Etwas dann weglegt, vergisst, wo man es abgelegt hat, nach Jahren wieder findet und es dann in die unterste Schublade des Bücherschranks verfrachtet. Auf ihr könnte gut und gerne auch "Bäh!" geschrieben stehen. Dann lieber Blogs. Klug geschrieben, vielleicht, am besten rotzig, provokant, aber nicht zu viel, nur ein Prise und alles ganz entspannt, ganz unangestrengt, irgendwie ehrlich, nicht im Sinne der Abbildung realer Zustände, nein, alles in allem sollte das Lieblingsblog Ehrlichkeit ausstrahlen. Beispiele? Nein. Zu viele dürften dann nicht genannt werden, das würde den Rahmen sprengen. “FAZ-Blogs“ lesen, allerdings vermeiden, einen Großteil der unvermeidbaren Kommentatoren in irgendeiner Weise ernst zu nehmen. Nein? Nein. Grundsätzlich, zumindest. Sprachliche Profilierungsversuche, man will hier Zeichen setzen, Intellekt beweisen, Bildung als Schild und Schwert des Bürgertums, Klassengesellschaft, Klassendenken, Hierarchien, oben, unten. Kann ich nichts mit anfangen, das schreckt mich immer ab. Überhaupt sind diese Blogs in der FAZ eine gute Idee. Seitdem es dort Blogs gib, lese ich FAZ. Nicht immer mit Zustimmung. Nachtleben, partnerschaftliche Musikgeschmäcker, die ja am liebsten ganz weit auseinandergehen, aber dann diese nächtliche Kompromissfähigkeit, dieses dunkle Kellergewölbe, in dem sich der Bass bis unter der Decke staut und einem dann fest in die Magengrube haut und man wieder weiß, warum man eben genau diese Musik mag und alles andere Nebenherdudelei ist, Fahrstuhlmusik für das gemütliche Leben am Tage, aber hier werden die Karten auf den Tisch gepackt, hier geht es um Alles oder Nichts, hier bummert und basselt es, hier wird der Mensch lebendig. Warum tanzt du erst ab Mitternacht? Vorher war ich noch zu müde. Komm, Baby, lass uns nach Detroit fahren, denn dort passen wir vielleicht am besten hin, sagt mein internes Musikanalyseprogramm, nach Analyse unserer beiden Playlists. Entschuldigung. Am Wochenende immer netzlos. Keine Zeit für digitale Netze, denn die analogen stehlen soviel Zeit. Vor allem Brennesseln scheinen eine rege Kommunikation zu pflegen, sie bilden umfangreiche und kaum in ihrer Gänze erkennbare Netze, die schwer aus dem Boden zu entfernen sind. Man sticht mit dem Spaten von früh bis spät, fängt morgens an, wenn der Hahn laut kräht. Und hört erst auf, wenn die Sonne sinkt, zum Abschied die Tanne ganz leise winkt. Eine geheime, geschlossene Google-Group eröffnen wollen, aber zu welchem Thema? Wie man mit Politikern umgehen soll, ohne gegen die Verfassung zu verstoßen. Zum Beispiel. Das wäre spannend.
Vereinzelt Menschen, die meine ganz persönliche Ironie verstehen, sehr sympathisch. Leider gibt es nicht so viele. # Im Kino: Menschen. Schon wieder. Weißt du noch, im Marmorpalast. Da waren wir ganz alleine. Dangerous Minds. Und nun? # ARD und ZDF retten also die Kunst mit meinen Beiträgen, Vodafone bietet ganz wunderbare Internettarife für die Generation upload, wenn ich zum großen, goldenen M gehe, werde ich so aussehen und auch so eine Piepsstimme haben, wie Topmodel Heidi. Es gibt auch die Werbung für einen Bezahlsender, der sich jetzt umbenennen musste, was auch immer. Die zielt mitten ins Herz und genau in diesem Moment, in dem man das sieht und beginnt, darüber nach zu denken, erkennt man, wie ekelhaft diese Manipulationsversuche sind, worauf die es abgesehen haben. Diese ganze Maschinerie und wenn man sich mal die Aussagen der Leute, die in dieser Branche arbeiten, anhört, dann wird einem furchtbar übel, man möchte sofort weggehen oder auch fremd schämen, bei diesem Kauderwelsch und den Zielen, die da verfolgt werden. Vielleicht bin ich aber noch nicht genug infiltriert, von der Matrix erfasst, vielleicht lese ich auch zu viel oder denke zu viel nach, vielleicht pass ich da auch gar nicht richtig rein, vielleicht, vielleicht. War meine Zeit nicht schon immer meine Zeit? (Hieße es nicht realer: Generation download? Aber das passte ja nicht zum sauberen Vodafone-Image.) # Es bleibt einem gar nichts anderes übrig, als die Essenz der Tage aufzuschreiben. Irgendwie bedrückend, das Gefühl, dies nicht mehr machen zu wollen, können. # Klingel, Zeugnisausgabe, Kinder klatschen, nette Worte, auch für die, die es schwerer haben als andere, sogar ein paar Tränchen, Erwachsenen sitzen im Hintergrund, ein bisschen stolz, ein bisschen gelangweilt, ja, wieder ein Jahr um und dann kommt das nächste und das nächste und die werden immer größer werden und Wege gehn, hoffentlich. Noch sieht es gut aus. Klingel. # Die überbordende iTunes-Sammlung. Was für Unsinn sich dort ansammelte. Man ist ja digitaler Messi. Brrr. Ich glaube, ich werde mir mal vier Wochen Zeit nehmen, um das auszumisten. Und aufzufüllen. Es gibt ja auch viel Neues, das in das virtuelle CD-Regal passt. Bei "Rollin' and Scratchin'" rasten die Kinder komplett aus. Im positiven Sinne natürlich, diese vorpubertären party animals, höhöhö. # Geständnis: Ich tanzte ausgelassen zu Dieter Thomas Kuhn und fühlte mich nicht einmal schlecht dabei. Weiter mit passenderer Musik.
Leben und so Thank god it's friday i'm in love. Und dann steht man vor einem Berg, der ganz klein und niedlich aussieht, wie er so von der Ladefläche rutscht, schwarz und feucht, sich aus seinem mobilen Gefängnis befreit, um abgelegt zu werden, auf dem harten Boden aus Lehm und Beton. Swuuusch. Die Kinder staunen, man lächelt so ein wenig in der Morgensonne, setzt sich auf sein Fahrrad und haut ab. Und tschüss, ihr macht das schon. "Wer singtn det?" - "Weiß ick nich." - "Hhmm, iss det Beth Ditto?" - "Häh, wer?" - "Na von "The Gossip"." - "Keene Ahnung." - Kurze Pause. - "Is det nicht die dicke Trulla aus deiner intellektuellen Zeitung?" - "Wat hat denn Pop mit intellektuell zu tun?" - "Häh?" - "Siehste." - "Na, jedenfalls singt die dicke Trulla da nich schlecht." Nichts ist mit "Ihr macht das schon." Wir machen das schon. Ein emsiges Hin und Her und irgendwann kann man sagen: Schaff dir einen Garten an und du bist die großen Sorgen dieser Welt mit einem Mal los, du bist befreit von Rezessionen und dummen Kriegen, von dem ganzen nutzlosen Gelaber der hyperaktiven Mediengesellschaft, den sinnbefreiten Werbekampagnen, dem Geschwätz der Nichtswissenden, denn du bist nun Kultivator, ein Bezwinger der Natur, du erschaffst Landschaften, formst sie nach deinen Vorstellungen, zwingst ihnen deinen Willen auf, ohne Wenn und Aber und wenn sie sich doch einmal wehrt, dann fährst du Geschütze auf und jätest Unkraut. Aber merke dir: Vor die ruhige Stunde auf der kleinen Bank im Schatten des Baumes hat Gott den rinnenden Schweiß gesetzt, denn diese eine Stunde im Sonnenuntergang sollst du zu schätzen wissen. Vielleicht ein wenig pathetisch. In der Ferne Donnergrollen, das Rumpeln der Raketen einer vorzeitigen Silvesterveranstaltung am (ehemaligen) Flughafen Tempelhof, dicke, schwarze Wolken ziehen vorbei, es ist herbstlich kalt. Man geht heimlich rauchen, "Komm, wir gehen mal hinter die Garage, nimm mal Zigaretten mit.", lächerlich eigentlich, aber das Leben ist nun einmal so. Und dann diese Pseudo-Bukowski-Geschichten, diese Leben, die zu fünfundneunzig Prozent aus Saufen und Vögeln bestehen, nur kommt dabei nichts raus, außer Grütze im Kopf und ein Haufen Schulden. Der eine bekommt Panikattacken und Schweißausbrüche auf der Autobahn, die es mit ein, zwei Sixpack Bier zu kühlen gilt, der nächste will sich mal zwanzig Euro leihen, für Brot und Zigaretten, denn das Juni-Gehalt und das Urlaubsgeld hat er schon lange verbraten, am ersten Wochenende in irgendeinem Puff in der Danziger Straße, das kennen doch alle, da gehen alle hin, im Morgengrauen, bis zum Mittag und wenn man mit Karte zahlt, steht auf der Abrechnung "Musikcafé". Und dann noch der Typ, der mit dieser Frau verheiratet ist, die einen Künstlernamen trägt und sich gerade wieder ihr Decolleté erweitern ließ, alles für die Kunden aus dem Internet und der Typ sitzt dann stinkbesoffen in einer Bar oder meinetwegen auch in irgendeinem Puff und ist eigentlich ein armes Würstchen, sucht sich dann einen zum Ausheulen und später dann, na ja. Und wenn das Kind mal fragt, dann sagt man vielleicht, dass es ja doch gar nicht darum geht, andere für das, was sie tun, zu verurteilen, sondern vielmehr darum, sich Gedanken über seinen eigenen Weg zu machen. Vielleicht ist man ja selbst kein Kind von Traurigkeit, aber irgendwie wurschtelt man sich soweit durch, dass man seine paar Penunsen nicht mit armen, kränklichen Rumäninnen durchbringt oder irgendwelchen Dämchen die Decolletévergrößerung spendiert, dafür aber stundenlang Gärten anlegt und sich dabei Geschichten ausdenkt. Zum Beispiel. Denke daran, palavert man altklug: Entscheide du, was du lieber möchtest.
Vereinzelt Am Abend, als die Schweißperlen getrocknet waren und sich Ruhe einstellte, eine kleine, dumme Denkschrift, die ich in der überhitzten und überfüllten Straßenbahn erdachte, glücklicherweise verworfen. Irgendwie, wenn man zum Beispiel am Morgen merkt, dass die Ansprüche, die man an sich stellt, nun erfüllt seien oder überhaupt denkt, man habe etwas an sich entdeckt, auf das man lange gewartet und gehofft hatte, dieses Gefühl dann abends zum Glück abstellen, abkühlen kann, dann ist das gut so. # "Es macht mir Angst, die S-Bahn zu benutzen." - Eine Autofahrerin. # Und dann nachts durch die Gegend huschen, den Leuten in die Fenster schauen und am nächsten Tag feststellen, dass man ja hätte noch und sowieso wäre doch daundda noch etwas los gewesen. Du wirst alt, sage ich. Und du bist es schon. Hahihaha. # Heute mal wieder was verrücktes gemacht. Hatte ich ja schon lange geplant, etwas verrücktes zu machen. # Wozu eigentlich bloggen? Na, darum. Einfach. Und vor allem nicht ständig von sich behaupten, man sei ein Textgenie, ein Unterhaltungskünstler. Das haben ja viele noch gar nicht verstanden, dass es darum ja gar nicht geht. Das ist doch hier keine Unterhaltungssendung, wünschenswert wäre aber, wenn man seinen Kopf anstrengte. Anstrünge. Oder so ähnlich. Mit dem Deutschen hab ich es ja nicht so, wie ich kürzlich einer Germanistin gestand, die mit dem Kopf hin und her wippte. Sprache habe ich schon immer intuitiv genutzt, was im Deutschunterricht an diesem komischen Gymnasium immer wieder zu Peinlichkeiten führte, so dass mir der nette Herr Lehrer zuletzt schriftlich bescheinigte, dass ich besser Russisch und Englisch redete, als Deutsch. Nur das arme Frankreich schnitt noch schlechter bei mir ab, schwach ausreichend. # Die großen Sommerferien, auf die habe ich mich auch schon früher sehr gefreut. Man kann zum Beispiel Bagger fahren. Ungestört. # Interessiere mich für Themen der Physik. Hawkins versucht mir die Allgemeine Relativitätstheorie und die Quantenmechanik näher zu bringen und das nur, weil ich Lem nicht abnehmen konnte, dass Raumschiffe mit einer Geschwindigkeit von 170.000 km/s durch das Weltall reisen, um auf einem Planeten in der Nähe von Alpha Centauri (was heißt schon Nähe) intelligentes Leben zu finden. Dass das irgendwann so sein wird, möchte ich ebensowenig abstreiten, wie die mögliche Existenz eines höheren Wesens, das manche als Gott bezeichnen würden. Sicher ist, dass nichts sicher ist.
Vereinzelt Es ist ja nicht so, dass die Wärme unangenehm ist. Über das Wetter meckern, ich meine, da hätte man täglich etwas zu bloggen. Allerdings bleibt festzuhalten, dass die Wärme in bestimmter Hinsicht ganz kirre macht. Wie Fieber. # Tagesabläufe, alphabetisch geordnet: Apfel, Bier, Blogger, Butter, Cola, Cornflakes, Die drei Fragezeichen, Dorf, Dusche, Friedrichstraße, Gast im Weltraum, Gemüse, Kaffee, Kartoffeln, Käse, , Kika, Kirschen, Malfolgen, Monitor, Oranienburger Straße, Putenschnitzel, Quark, Seife, Sonnenuntergang, Straßenbahn, Streuselschnecke, Tastatur, Tee, Telefon, Twitter, Vollkornbrot, Vollkornbrot, Wasser, Zahnpasta, Zigarette. Müsste man mal bloggen, ist aber viel zu langweilig. # Vielmehr muss man so jamesdeanig daher kommen und den Rebell spielen. Voll skandalös auftreten, ey. Irgendjemanden mal so richtig übers Maul fahren. Das polarisiert, zieht an und stößt gleichzeitig ab, muss man aber Talent zu haben. Ich nicht. # Zum Stinodasein stehen, die eigene Langweiligkeit akzeptieren, normal weiterleben. Kein Bukowski (oder oder) zu sein, ist kein Beinbruch, im Gegenteil. # Natürlich könnte man so tun, als ob. Sonnenbrille auf, Brusttoupet raus und dann lässig Befehle ins iPhone schreien, yeah, ich gehöre dazu, ich bin Elite, Alter, ich kläre das mal mit dem Boss von Soundso und hau dem mal so richtig auf die Schnauze und wenn du nicht schnell aus dem Tee kommst, bekommst du auch noch dein Fett weg. So geschehen in einer Straßenbahn, Berlin-Mitte. So what. Werde trotzdem nicht wegziehen. # Um sich gehörig abzukühlen, benötigt man lediglich Ginger Ale (gut gekühlt), frische Pfefferminze, Limetten, ein wenig braunen Zucker (kann man weglassen) und crushed ice (oder Eiswürfel und mit dem Hammer feste drauf). Alkoholfreier Caipirinha, macht auf jeden Fall keine Kopfschmerzen.
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![]() (geborgt bei flickr)
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Letzte Aktualisierung: 03.06.2024, 07:57 Links: ... Home ... Blogrolle (in progress) ... Themen ... Impressum ... Sammlerstücke ... Metametameta ... Blogger.de ... Spenden Archiviertes:
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