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Vereinzelt Ein unvermutetes Abendessen. # Das Gefühl, sich von so vielem zu entfernen. Als würden die Dinge einfach verschwinden. Aber es ist nur ein Gefühl. # Kinder scherzen immer mit Phantasiezahlen. Du bist blöd. Du bist eine Million mal blöder. Milliarde, Billion, Trilliarde, Zilliarde, Unendlich. Man hielt diese Zahlenreihen immer irgendwie für abwegig, allerdings hat inzwischen ein Teil dieses phantastilliardischen Zahlenraumes ein Gesicht bekommen, das man lieber hätte nicht sehen wollen. An Verstand glaube ich schon lange nicht mehr. # "Es kommen allerdings trübe Stunden, wie sie jeder hat, wo man glaubt, nicht das geringste erzielt zu haben, wo es einem scheint, als hätten nur die von Anfang an für einen guten Ausgang bestimmten Prozesse ein gutes Ende genommen, wie es auch ohne Mithilfe geschehen wäre, während alle anderen verlorengegangen sind, trotz allem Nebenherlaufen, aller Mühe, allen kleinen, scheinbaren Erfolgen, über die man solche Freude hatte." Franz Kafka - Der Prozess # Der unerwartete Sonnenschein, immer noch viele Blätter an den Bäumen, der Sonnenaufgang, der nun wieder so ist, wie man ihn am liebsten hat. # Die Sache mit der Langeweile, mit der Langweiligkeit des Textes, ich denke täglich daran, ich muss dem zustimmen. Unbedingt. Die Feststellung ärgert mich nicht, viel mehr ärgert mich der Umstand, nicht zu wissen, wie es anders gehen soll. Es kommt ja auch nicht mehr viel, vielleicht alles zu verschroben, zu tiefgründig, um viel zu viele Ecken gedacht? Vielleicht fehlt der rote Faden? Wo bleibt die Frische, wo bleibt der Wind? Im Herbst wird vieles in Frage gestellt.
Vermutlich Als Politiker muss man in Bewegung bleiben. Wer sich nicht bewegt, verliert, Stammwähler, wenn es überhaupt noch welche gibt, rennen einfach weg, Wechselwähler bemerken einen erst gar nicht, Politikerverdrossene werden noch politikerverdrossener, so es denn eine Steigerungsform von Politikerverdrossenheit gibt. Die Richtung der Bewegung ist dabei völlig egal, vorwärts, rückwärts, auf der Stelle treten, Hauptsache der windige Leib zuckt und wackelt und macht und tut und bleibt damit über der Wahrnehmungsschwelle (BILD, Spiegel, FAZ und Tagesschau), denn verschwindet der Politker erst einmal unter dem Wahrnehmungsradar des Wählervolkes, ist es vorbei, mit der Politikerei. Spitzenpolitiker sind als Spitzenkräfte natürlich am bewegungsfreudigsten, sie verwandeln sich in diesem Spiel am liebsten in draufgängerische Bergsteiger, ohne Atemmaske und ohne Sicherung erklimmen sie Gipfel für Gipfel, um wunderbare Melodeien herab zu jodeln, am liebsten verstärkt durch Milliarden oder Billionen (Scheine, Schecks und schöne Worte), wir retten die Wirtschaft, wir retten die Bildung, wir retten alles, was bei drei nicht auf den Bäumen ist, Haaalllooo und Tüüüdeeelüüü schallt es dann vom fernen Gipfel und man lacht zusammen und das bisschen, was unten am Grund passiert, im fernen Tal, in der dunklen Niederung der Realität, das ist, nun ja, im Prinzip doch Wurscht. Wichtigste Regel im Politikerleben: Immer in Bewegung bleiben und wenn nichts mehr hilft, trifft man sich wieder auf dem Gipfel. [Vielleicht auch, um einem dem Wählervolk bisher unbekannten Gott näher zu sein und ihn zu huldigen? Wage Vermutung.]
981 Akku leer, keine Steckdose in Sicht. Lächeln, immer lächeln, wird schon, wird schon. Lebbe geht weiter, sagte mal dieser Stepanović, aber auch das ist schon Jahre her. Nun ja, es ist Herbst, die Jahreszeit, in der man sich am liebsten selbst bedauert und so bedauere ich dich und du mich und wir bedauern uns und vielleicht betrinken wir uns auch mal wieder, einfach so. Die Dinge runtergespült bekommen. Und heute Nachmittag Sonnenschein, sagt der Wetterbericht.
Um die Ecke bringen Ein Roman. Eine Frau. Ein Mann. Der Leser geht von Liebe aus. Aber hier gibt es mehr Fassade als Hintergrund. Es gibt auch Hass und einen feigen Typen, der glaubt, nicht zu können wie er wollte und sie ist natürlich an allem schuld. Sie hält ihn vom Leben ab, von seinem echten Leben, seinem großen Leben, das sieht er natürlich auch jeden Morgen im Spiegel, er ist Künstler, Schriftsteller, Lebemann, aber sie lässt das nicht zu, unterdrückt ihn, macht ihn klein und leise, mit ihr ist er ein Nichts, ein Niemand, ein mediokrer Büroschnösel mit Anzug aus dem Anzugdiscounter um die Ecke. Aber er hat einen Plan. Beim Rasieren summt er ganz leise "I'll kill her". Und macht sich ans Werk. Erst ganz versteckt, heimlich, fies, später dann ganz offen und brutal. Es wird ein wenig eklig. Rein menschlich natürlich, niemand wird ausgeweidet, na ja, obwohl. Also ein paar Seiten Dramatik und keiner weiß so richtig, wie und was alles passiert, es wird ein wenig nebulös, so dass man dran bleiben muss, es gibt auch (nun doch) ein wenig Blut, einigen Sex und eine Menge Drogen und natürlich gute Musik, dunkle Nächte, helle Tage, in gleißendes Licht getaucht, das Ende ist offen.
979 Acht Stunden Arbeit an einem benzingetriebenen Ungetüm, immerhin unangenehme bis ohrenbetäubende 112 db, keine Musik in den Ohren, das ist Fließbandarbeit. Man fängt unweigerlich an, im Kopf idiotische Lieder zu singen (vorzugsweise Schlager), bescheuerte Geschäftsideen zu entwickeln, mit denen man bis vor kurzem in der Finanzwelt wahrscheinlich Millionen, Quatsch, Milliarden, hätte verdienen können und sich Romanstoffe auszudenken, die niemand jemals in sein Bücherregal stellen wollte, geschweigen denn lesen. Lächeln, sagte ich, immer lächeln, wenigstens der goldene Oktober hatte Mitleid und zeigte sich von seiner besten Seite.
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Letzte Aktualisierung: 03.06.2024, 07:57 Links: ... Home ... Blogrolle (in progress) ... Themen ... Impressum ... Sammlerstücke ... Metametameta ... Blogger.de ... Spenden Archiviertes:
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