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841 Und jetzt ein Text: Uniformierte, alles dabei. Anzüge, jede Farbe, dazu Aktentasche, Aktenkoffer, Aktenrucksack, Aktenrolli. Fehlt nur noch der Aktenschrank, der Aktencontainer, das Aktenarchiv, riesige Gebäude, aus der Hosentasche gezaubert und ganz am Ende, zum Schluss dann, der Shredder, der alles dekonstruiert, um es Wochen, Monate, Jahre später wieder dem üblichen Papierkreislauf zuzuführen. Komische Welt. Manchmal stehe ich so rum, wie außen vor gelassen, gelassen, nicht dazu gehörend und nur Beobachter. Geht aber nicht, als Mensch. Als Mensch ist man immer mitten drin, im Schlamassel. Recht hilfreich: Das Portishead-Portrait in der Tasche und die unregelmäßige Reihe: Digitale Evolution. (Spex) Nervös am Handy rumspielen, das passt alles noch nicht. Draußen: Sonne, es ist schwül, eine Reihe wartender Taxen, Glas, viel Glas und innen drin, warm eingepackt, rüttelsicher, der Gedanke, etwas ganz, ganz anderes machen zu wollen.
Morgen Morgen. Morgen werde ich ein Foto machen. Und ich werde Milch kaufen. Nein, nicht nur einfach Milch kaufen, ich werde Milch bunkern. Ich komme aus dem Osten, ich weiß, wie das geht. Einfach bei Kaufland ranfahren, reinstürmen, kistenweise Milch aufladen und dann ab durch die Mitte. Obwohl, ist ja Prenzlauer Berg. Egal. Hauptsache, wir haben genug Milch im Schrank. Kaffee ohne Milch, also, ich meine. Nun ja. Gut. Morgen. Morgen werde ich auf jeden Fall ein Foto machen. Das muss schon drin sein.
Geht doch ![]() (Hier gibt es doch nicht nur graue Mäuse. Zudem sind die Dinger inzwischen auch so eine Art Streetart-Litfaßsäule und werden deshalb demnächst das gleiche Sprenkelmuster tragen, wie zum Beispiel die Sitze in den S-Bahnen.)
838 Es gab auch schon Tage, an denen ich Sade hörte. Die gibt es immer wieder. Oder so ähnlich. Wenn zum Beispiel der Himmel grau verschleiert ist, obwohl noch gestern die Sonne zum Zwinkern zwang. Ja, solche Tage gibt es immer wieder. [Man sollte einfach auch mal im Bett bleiben und alles alltägliche verweigern.]
Nummer 5 Tokio Hotel machen - zum richtigen Zeitpunkt, mit druckvollem Marketing und professionellen Songwritern im Hintergrund - durchaus soliden, emotional geladenen und international anschlussfähigen Rock für zum Auf-dem-Bett-Liegen-und-sich-schlecht-Fühlen (das entsprechende Genre gibts schon länger und nennt sich derzeit "Emo"), mit Bill Kaulitz (18) als kalkuliert weibisch auftretendem Sänger, der sich vor allem jungen Mädchen als Seelenverwandter und Weltschmerzkumpel anbietet. Außerdem spricht er "eyes" wie "ice" aus und klingt in amerikanischen Ohren offenbar nicht nur süß, sondern auch irgendwie teutonisch schick. Schrei nach Liebe Nun ja. Zum Glück leide ich nicht unter dieser Form von schlechtem Musikgeschmack, sondern lebe mit meinem eigenen ganz gut und glücklich. Manchmal packt mich aber die Angst vor dem Nachwuchs, was wäre wenn, denn kürzlich las ich in einem mitgebrachten Poesiealbum (handgemachtes Analog-Blog für Grundschüler - in Papierform) unter der Rubrik "Lieblingsband" eben diese Formation von da oben. Allerdings auch kein Grund, sich aufs Bett zu legen und schlecht zu fühlen und Lieder über Regengüsse, gesungen von einem androgynen Höhlentroll im Stimmbruch, zu hören, nö, das würde auch nur alles verschlimmern. (Und jetzt gerade kommt mir der Gedanke, ob nicht Depeche Mode auch eine solche Emo-Formation war [ist?], denn die hörte ich damals™ immer, wenn ich auf dem Bett lag und mich schlecht fühlte.) Nun ja, alles halb so wild, es gibt wichtigeres. Glaube ich.
... "Große Verlage, kleine Verlage, es macht keinen Unterschied. Man muss sich das so vorstellen: Es gibt zigtausende von Schreibern in diesem Land. Sie bilden ein großes Meer, und ihre Manuskripte sind die Schiffe, die in den Hafen einlaufen wollen, und die Häfen sind die Verlage. Aber da ist der Hafenmeister vor. Die Lektoren. Die prüfen die Schiffe auf Tauglichkeit. Ob sie leck sind. Frisch lackiert. Schon dabei fallen die meisten Schiffe durch und müssen umkehren, zurück aufs offene Meer, wo sie absaufen, ein Schiff nach dem anderen. Der Meeresgrund ist übersät mit nicht gelesenen Manuskripten. Beim Rest der Schiffe werden die Papiere geprüft, aber nur wenige, ganz wenige, dürfen ihre Ladung auch löschen." Das Interview: Glumm befragt 500beine und umgekehrt aber auch
Mal Frohsinn verbreiten Seid keine Netz-Neandertaler! In der Bahn: Menschen. Versteht sich von selbst. Rechts eine Frau, liest "Feuchtgebiete", sieht aber nicht so aus. Gegenüber ein Mann, Jogginganzug, liest eine Boulevardzeitung, keine deutsche, Kosovoderso. Links daneben eine junge Dame, Pornobrille, siebenachtel Hose, sieht gut aus, schöne Stimme, telefoniert. Ich auch, schon wieder. Und dann. Und überhaupt und sowieso, man sollte über dieses oder jenes etwas schreiben, einen kurzen Absatz, eine Randnotiz oder auch nen Essay, über Kläranlagen, über Kleingärten, über Mütter mit Kindern, über Väter mit Kindern, über Kinder mit Eltern, über Menschen ohne und mit irgendwas, über Moral, über melancholisches Mischgemüse und über ein paar Miesmuscheln, die auseinanderfielen und von Möwen gefressen wurden. Allein, es bringt nichts. Aufregungstsunamis versanden in den dichten Sandbänken der Bedeutungslosigkeit, der endlose Strom der Meinungen spült jede Individualität hinfort, überzieht sie mit grau-braunem Schlamm, stinkend, warm, ohne Nährwert und obenauf, ganz oben auf der Welle, der perfekten Welle, reitet der Dieter Bohlen, der weiß Bescheid, von Tötensen bis ans Ende der Welt und vielleicht auch zurück. Zeit, den Nihilisten auszupacken, einfach mal den Apfelbaum umhauen, statt ihn zu hegen und zu pflegen, aber bitte, keine Gewalt. Nutzlosigkeiten. Winzigkeiten. Nichts. Liegt die Welt in Trümmern, auch dann wird noch gejammert, dieses ist blöd, jenes ist Scheiße und das alles sowieso unglaublich doof. Früher trug ich Markenschuhe und Markenunterhosen, von Hugo Boss, aber bitte so, dass der Schriftzug zu sehen war, schlüpfrig, schlüpfrig, heute kann ich mit Masterabschluss, Auslandspraktika und fließend kirgisisch glänzen und im Assessmentcenter lüge ich mich interessant, als wäre ich wer, und wenn es dann endlich, so mit Mitte Vierzig, um die Wurst geht, ist es dann auch egal, wenn sich das Peter-Prinzip plötzlich ganz schnell erfüllt. Ende der Fahnenstange. Witzigkeit kennt keine Grenzen, trallalla, das kann ich nicht, bin oft auch Griesgram, kann ich mit leben, ich muss keinen lieben, aber ich kann, ja, ich kann und dem Dr. House will ich sowieso nicht das Wasser reichen, bin ja auch kein Mediziner. Und überhaupt und sowieso, frisches Wasser auf die Mühlen der Bedeutungslosigkeit, hier und jetzt und berühmt wird man damit garantiert nicht, zum Glück, vielleicht, denke ich noch weiter und jetzt ein Bier und noch ein Bier, der Frohsinn kennt heut' mal wieder keine Grenzen. [Erst heute habe ich festgestellt, dass rote Schuhe nicht per se hässlich sind, schon gar nicht an einem schlanken Damenfuß. Diese Feststellung birgt allerdings Konfliktpotenzial.]
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![]() (geborgt bei flickr)
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