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Mal draußen sein

Man schaut mich heute an. Frau schaut mich heute an. Also, in erster Linie Frau. Komisch. Sind es die perfekt liegenden Haare? Der angetäuschte Dreitagebart? Habe ich einen Popel auf der Nase? Erst einmal Nase putzen, wie Mutti es gelehrt hat. Schnaub. Warten auf die S-Bahn. Hallo S-Bahn, aber was ist das? Ein Typ, so jung wie ich, also mindestens so alt - hab ich am Bartwuchs erkannt - steht neben mir, mit einem Skateboard in der Hand. Trau keinem über 30 der nen Skateboard hält, flüstere ich ihm ganz schelmisch ins Ohr, die S-Bahn-Aufsicht rettet mich zum Glück. Dann: Willkommen im alten West-Berlin. Ich sage "Hallo, altes West-Berlin. Tut mir leid, mit deinem alten Flughafen, aber du hast ja noch das Cafe Keese." Nun ja. Erträumt ist hier ein Büro im ersten Stock oder im zweiten. Altbau, Jahrhundertwende, die vorletzte, wenig Straßenlärm, Spatzen tschilpen auf dem Hinterhof, das hört sich schon sehr nach Berlin an. Und dann schwerste Gedankenarbeit, ganz hermetisch eingeschlossen, Fenster zu, die Funzel an und los. Na ja, eben nur ein Traum. Dafür "Das Schloss" gefunden, es liegt in Europa und wenn ich groß bin, mach ich in Zertifizierung und werde Multibilliardär. Jetzt aber noch nicht. Jetzt bin ich niedergeschlagen. Diese Veranstaltung hier, so behauptet es jedenfalls die FAZ und diesem riesigen, papiernem Supertanker sollte man schon gewissen Glauben schenken, also diese Verantsaltung hier, habe im Prinzip und überhaupt nicht den gleichen anspruchsvollen kulturellen Wert, wie zum Beispiel der Schnuffelduffelsong mit seinem überaus anspruchsvollen kulturellen Wert, der urheberrechtlich und höchststaatlich zu schützen sei, interpretationstechnisch gesehen. Ungefähr 27 Sekunden lang dachte ich daran, dieses Blog abzuschalten.
 
Di, 29.04.2008 |  # | (569) | 11 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fragmente



 

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Und gerade eingefallen, so einfach holterdipolter, ist mir feeling so real. Eine Zeit, in der ich scheinbar noch Singles in Plattenläden kaufte. Na gut, da ging ich ja auch zur Loveparade und nahm trotzdem selten keine Drogen.
 
Di, 29.04.2008 |  # | (507) | 6 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fragmente



 

Tag beginnt


 
Di, 29.04.2008 |  # | (765) | 1 K | Ihr Kommentar | abgelegt: bilder erklaeren die welt



 

Ein Beitrag ohne Foto

Ich sollte mich in kleinen Musikgeschäften, in denen mies dreinschauende Nerds unbekannteste Platten und Zeugs dem willigen und vor allem wissenden - im Sinne von wissen, was man will - Kunden, der ja im Prinzip ebenfalls ein mies dreinschauender Nerd ist und eben genau an diesem Platze seiner Werktätigkeit nachgehen könnte, in die Tüten packen, herumtreiben. Mach ich aber nicht, weil ich den Großteil der von mir bevorzugt anzuhörenden Musik aus dem vermeintlich rechtsfreien Raum des globalen Internetzes beziehe, bisweilen auch legal. Meine Ersatzbefriedigung ist der Buchladen um die Ecke, den ich als mies dreinschauender Nerd und nur mit gewisser Überwindung betrete, mit limitierter Geldmenge und gesperrten Geldkarten in der Brieftasche. Diese hat übrigens nicht ohne Grund ein Loch. Schwitzige Finger und so eine Art fiebriger Trancezustand sind für mich hier garantiert, Papier ist mein Fetisch, bedrucktes zumindest. So greife ich also mindestens einmal monatlich in verschiedenste Kisten mit Remittenden, anders ist diese kleine Obsession ja nicht mehr zu finanzieren, und statte mich mit Werken aus, die auf keiner Bestsellerliste mehr stehen oder dort sowieso nie standen, um diese dann später in genau demselben Trancezustand in meinen Kopf hineinzuführen, lesetechnisch gesehen.
 
Fr, 25.04.2008 |  # | (511) | 2 K | Ihr Kommentar | abgelegt: reality blogging



 

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Es bleibt immer soviel Häßliches, wenn das Licht angeht. (kid37)
 
Do, 24.04.2008 |  # | (674) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fremde feder



 

805

Spontan etwas gedacht, eine Kaffeetasse, die mehr schlecht als recht abgewaschen war und noch Tee- und Kaffeeflecke aufwies, in der Hand und einen frühlingshaft warmen Sonnenschein im Gesicht und vor einem schwer zu bedienenden technischen Gerät - deutsche Marke, gebaut in China - stehend und sowieso recht gesunder guter Laune im Herzen, also spontan gedacht, dass man sich ja auch mal ganz allgemein für den einen oder anderen kleinen oder auch großen Ausrutscher - Gedanken, Taten, irgendwas - im Grunde grundlos einfach mal so für sich selbst entschuldigen könnte. Das gäbe doch sicherlich Karmapunkte im Muttiheft und vielleicht auch ein angenehm gutes Gefühl in der Magengegend. Und dann, als das schwer zu bedienende Gerät aus China das graue Papier einzog, um die darauf befindlichen Buchstaben zu digitalisieren und so für eine weitere Bearbeitung nutzbar zu machen, habe ich ganz leise und zwischen meinen leicht rasierten Wangen, also geradewegs zwischen Ober- und Unterlippe heraus, ein solches, wenn auch fremdsprachliches "Sorry" hinausgeflüstert, mitten hinein in den weiß gestrichenen Raum, der nach Arbeit roch und auch nach Mülleimer. Ich habe keine Ahnung, ob das nun Karmapunkte im Muttiheft bringt, aber es tat eigentlich ganz gut, so mit frühlingshaft warmer Sonne im Gesicht.

[Ab jetzt bin ich vielleicht wieder Menschenfreund.]
 
Do, 24.04.2008 |  # | (430) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fragmente



 

Abfall für jeden

Dass S. in der gestrigen Nacht im volltrunkenen Zustand ins Bett gefallen sei, stellte sich am Ende nur als Gerücht heraus. Natürlich hatte man ihm dies ohne weiteres zugetraut, dachte man doch immer noch an diesen einen Abend vor genau zehn Jahren zurück, ganz bewundernd ob der Trinkfestigkeit und Respektlosigkeit gegenüber dem eigenen Körper, jugendliche Grenzenlosigkeit. Diese Zeit war aber längst vorbei und S. nun ein ganz anderer Mensch. Nachts stand er nicht mehr auf, um sich Zigaretten anzustecken und den angespannten Körper zwecks Energieaufladung in die laue Sommernachtsluft zu stellen, nein, inzwischen stand er nachts auf, um Kopfschmerztabletten in kaltem Wasser sprudelnd aufzulösen und eine Sammlung spröder Gedanken zu vervollständigen. Hallo, Leben.

Für ihn selbst war das ein Anschlussprojekt zum Jahrhundertbestseller "Abfall für alle" von Rainald Goetz, das er natürlich "Abfall für jeden" nannte. Ein Arbeitstitel. Er hatte sich vorgenommen, proletarische Alltagslyrik mit einem spezialintellektuellen Überbau zu versehen und so eine schwer verständliche Kryptik entstehen zu lassen, die den gesellschaftlichen Verfall des Alltags spiegeln und zum grundlegenden Denken anregen sollte. Eine künstliche Idee. Schnell stellte er dabei fest, dass Menschen nur noch in zwei Kategorien einzuteilen sind: Dumm und weniger dumm. Das verunsicherte ihn, den Menschenfreund, zutiefst, vor allem auch, weil ihm gesammeltes Unverständnis für seine Ideen entgegenschlug. So zog er sich in seine einsame Gedankenwelt zurück, innerlich verlassen, äußerlich allerdings recht sexy, eigentlich. Trotzdem konnte er nicht mehr so ohne weiteres Grinsen, Körperlichkeit war ihm nur noch manchmal wichtig und überhaupt Sex völlig übertrieben aufgeladen, vor allem medial, aber verständlich, überlagerte dieser ursprünglichste Trieb doch das Elend des Alltags, beim Orgasmus vergaß man sozialen Verfall und die Boshaftigkeit von Macht, alles reduzierte sich auf ein paar hübsche Bilder im Kopf und den Austausch von Körperflüssigkeiten, alles ganz Prima, eigentlich.

Hallo, Leben, sagte darauf hin die K., die ihn zurück ins Bett zog, in das er sich, entgegen anderslautender Gerüchte der Gemeinde, nun völlig nüchtern und ernüchtert, hinein legte und sich der Liebe hingab, die ihn den ganzen Mist, der ihm das Hirn zerkochte, weil er das alles gar nicht wirklich fassen konnte, diese triefende, stinkende Gedankesuppe, vergessen ließ, für eine gewisse Zeit zumindest, bis er wieder aufstand, gegen halb vier vielleicht, um eine Kopfschmerztablette in kaltem Wasser sprudelnd aufzulösen und wieder ein paar Gedanken in sein bereits zur Hälfte mit unsauberer Handschrift gefülltes Notizheft zu schreiben. Abfall für jeden.
 
Mi, 23.04.2008 |  # | (538) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: melancholie



 

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Im Zeichen des Stiers - Nur damit Sie es wissen.
 
Di, 22.04.2008 |  # | (1057) | 4 K | Ihr Kommentar | abgelegt: le bufflon



 

Sonntag

Guten Tag. Im Prinzip alles wie immer.

In der Nacht versuchte ich, Solaris 10 5/08 auf meinem alten 486/33 SX zu installieren, vorher hatte ich auf insgesamt sage und schreibe 4 Megabyte RAM aufgerüstet. Leider versackte ich bei Diskette 243/516 und schlief mit dem Kopf auf der Tastatur ein. Am Morgen nervte der Nachwuchs und wurde prompt zu den Großeltern abgeschoben, das liegt im Interesse aller: Wir, vor allem ich, haben unsere Ruhe, der Nachwuchs erholt sich von uns und die Großeltern bleiben körperlich fit. Klar. Später holte ich dann frische Brötchen vom Bäcker (Sie erinnern sich an Chantal? Die macht da keine schönen Augen mehr, ist aufgegangen wie ein Hefekuchen und die leckeren Brötchen sind inzwischen dreimal so teuer wie damals, man nennt das wohl Inflation.) und frühstückte so leidlich mit der Partnerin dahin, im Radio lief irgendwas aus den 80igern, 90igern und das Beste von heute, sie las Zeitung und ich bastelte mir aus Streichhölzern einen sogenannten Augenaufhalter. Danach setzte ich mich provokant an den noch mit einem ordentlichen Betrübssystem auszustattenden Oldtimer-Rechner (Baujahr weit zurück in den 90igern, Computermittelalter), wurde allerdings sogleich am Schlawittchen gepackt und in eine dieser spießigen Kleingartenanlagen entführt. Das nennt man wohl modernen Feminismus.

Arbeite, hieß es dort ohne Umschweife, obwohl mir für diesen geheimen Ort die ewige Ruhe und Glückseligkeit versprochen wurde, für die ich bereitwillig auf jeden achso alltäglichen Luxus verzichtetete, "das ist voll angesagt und hipp" sagte man mir mal, aber nicht, dass es mit körperlicher, schmutziger Arbeit verbunden ist, die ich zutiefst verabscheue. Das Leben ist hart und nur die harten komm' in' Garten. Nach achtstündiger körperlicher Schwerstarbeit ohne Grill, nur mit Bier und einer nervenden Nachbarin vom Typ typischer Ossi, hatte ich auch keine Lust mehr auf Betrübssysteminstallationen, sondern mehr auf installationskünstlerische Träume im weichen Federbett, das aus allergischen Gründen ja doch keines ist. Ach, ich trieb auch Leistungssport, ein wunderbarer Ausgleich zu körperlicher Schwerstarbeit, unterhielt mich so leidlich mit der Lebensabschnittbegleiterin, löste zwei bis drei Sudoku-Rätsel und puschte mein geistiges Alter nach einer Methode von Dr. Kawashima, fühle mich jetzt also außerordentlich jung und den Gefahren des alltäglichen Alltags (Großstadtdschungel, Bürostühle, Kindergartenbekanntschaften) gewachsen. Was dann noch abging, verrate ich hier aber nicht, das geht ja alles keinen was an. Und nächstes Wochenende vielleicht wieder Fußball (Ballpumpe kaufen!).
 
Mo, 21.04.2008 |  # | (517) | 6 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fragmente



 

Vereinzelt

Die Vorstellung, als genetisch zurecht gebastelter, gefühlsgedämpfter Neo-Mensch in einer halb-virtuellen Scheinwelt zu landen, mich zwecks Ernährung in den Restpfützen eines austrocknenden Ozeans zu wälzen und dabei an praktisch nichts und niemanden zu denken, lässt mich ein wenig verstört zurück, obwohl die Vorstellung einer gepflegten Langeweile nicht ganz uninteressant erscheint. (Houellebecq - Die Möglichkeit einer Insel)

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Die Bahnen fahren im Minutentakt ein. 5, 4, 3, 2, 1. Das ist mir nur beim Blick auf die Anzeigetafel aufgefallen.

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Ein Typ trägt ein T-Shirt, auf dem Iron Maiden steht. Das war ja überhaupt nie meine Musik. Ich hatte allerdings mal eine einwöchige Metallica-Phase, fiel dann aber schnell wieder in meine elektronische Lethargie, in die Huldigung des Künstlichen zurück.

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Sobald ich die Konsole öffne, kommuniziere ich mit der Seele des Computers, schaue in das verborgenene Innere und kann ihn vielleicht, unter Zuhilfenahme des fucking manual, ein wenig kurieren. Der digitale Medizinmann.

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Einen weißen Mac gekauft. (aufgew.)

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Etwas mehr als nur ein bisschen wollen und dabei merken, dass man selbst auch nicht besser ist, als alle anderen. Rückzug ist ja manchmal auch ein Angriff, reine Interpretationsfrage.

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"Wie, ihr habt noch kein Haus gekauft?" (Rebellion im Mittelstand)

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Anhand von Pokemon-Karten wird Kindern die Einfachheit des Marktes spielerisch bewusst gemacht. Angebot, Nachfrage und wenn man Glück hat, ist der Stapel abends höher als am Morgen. Dann hat Kind alles richtig gemacht, ist der Gewinner, während der zwangsläufige Verlierer sich zuhause das Genöle seiner Eltern ("die Alten") anhören muss, wie teuer doch die Anschaffung dieser Unsinnigkeit überhaupt war (im Verhältnis) und das demnächst gefälligst das Taschengeld dafür herhalten muss. Man kommt da übrigens auch gar nicht raus, das ist so ein Gesellschaftsding, bei dem man auch immer mitmachen muss.

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In der S-Bahn sitzt ein alter Mann, er spricht laut und hört sich dabei ein wenig wie Benn an. Er benutzt zuweilen diesen Alt-Berliner Grundton, der sich irgendwie von der heute in der Öffentlichkeit gebräuchlichen Sprache unterscheidet. Heute redet man hochdeutsch, dreckberlinerisch oder irgendetwas mit "Alda, isch mach disch kaputt." oder so. Aber nein, das ist nur eine Feststellung, keine Wertung.

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Ein wenig mehr Sonne wäre auch okay.
 
Fr, 18.04.2008 |  # | (478) | 5 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fragmente



 



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