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aus dem Tagebuch "Darf ich das so notieren?" von Win K., Eintrag vom 23.06.2000

Urlaub mit Liz. E. scheißt auf mich, verständlicherweise. Ein paar nette Dates, sagenhaft guter Sex und jetzt das. Ich komm nicht los von Liz. Und ich jammernder Idiot schrieb E. noch einen Brief, den ich zunächst in den Mülleimer verfrachtete, nachts wieder zwischen Apfelgriebschen hervorkramte und neu schrieb, alles irgendwie noch idiotischer. Keine Ahnung, ob ich ihn ihr in den Briefkasten stecke, alles nur Kokollores. Soll ich sie wirklich noch mal um nen kleines Date bitten? Jetzt? Ach, diese Unentschlossenheit, nich loslassen können.

Fast Händchen haltend mit Liz ins Last Minute Reisebüro geschlendert, Alexanderplatz, trallalla. Ihr gehts besser, T. kann sie am Arsch lecken, sagte sie, lieber nich, denke ich. Ist doch nen Spinner, sagte ich ihr, aber gut, vielleicht hat er ihr das auch über mich erzählt. Ich will das alles gar nicht wissen. Zwei Wochen, vier Sterne, Halbpension für tausend Mark, superbillig, Malta, mal sehn, wie das wird, keine Ahnung, wird wohl einen Grund haben, warum das billig ist. Eigentlich ist es mir auch scheißegal, dafür mit Liz, die sich aber irgendwie doch nicht sicher ist, ob es richtig ist. Ist es richtig, fragt sie mich, keine Ahnung, meine Beste, aber wir probieren es aus, besser gehts nicht, glaube ich.

Prüfung bestanden, neuer Job ab August, meine Fresse, alles neu. Und Urlaub mit Liz. Yeah.

Vorher noch Junggesellenabschied von irgendeinem Typen aus Hannes' Clique, sollte ich mitkommen, obwohl ich den gar nicht kenne. Egal, kostenlos saufen, dachte ich mir, zum Feiern gibt es ja Grund genug. Hannes warnte mich vor, sabbelnder Bankertyp, der immer, wenn er was trinkt, höllisch abdreht. Treffpunkt Friedrichshain, von Cocktailbar zu Cocktailbar, pro Bar nen Drink, wer zuerst umkippt, hat verloren. Schönes Spiel. Die Namen der Drinks merke ich mir nicht, irgendwas war dabei, das schmeckte wie früher der Eierflipp im SEZ, nur mit Wodka, zuletzt noch einen Long Island Ice Tea (gar kein Ice Tea drin) und dann wurde es lustig. Der Typ war völlig daneben, was haben wir gelacht, erst hat er ner Kellnerin untern Rock gelangt "Mein letzter Abend in Freiheit, Schnalle.", der Arsch, später schwadronierte er wankend durch die Straßen und pöbelte alle möglichen Leute an. "Ich will jetzt ficken." Komischer Kerl, wollte ne Woche später heiraten, da konnte er doch nicht durch die Straßen rennen und irgendwelche Schnallen vögeln wollen. Aber gut, vielleicht bin ich auch ein beziehungsgeschädigter Spacko, der eh nix zu melden hat, außerdem war ich besoffen und konnte gut lachen, über den Idioten. Schleppte uns in ne dunkle Bar, wollte irgendwie nackte Damen tanzen sehen. Hannes schlich vorher nach Hause, Spielverderber rief ich ihm hinterher, irgendwo auf der Frankfurter. Der Rest lachte und holte noch Bier vom Türken. Mit Bier in die dunkle Bar, die fast leer und dunkel war, klar, an den Tischen ein paar verzweifelte Schnapsleichen, zwei, drei aufgehübschte Damen, bisschen zuviel Schminke, kurze Röcke, Musik gedämpft und ein langhaariger Muskeltyp an der Theke. "Ey, wech mitte Pullen, ey." Wir also wieder raus, Bier ausgelutscht und wieder rein gewankt, schöner wurde der Laden davon aber auch nicht. Das Bier war unglaublich teuer, irgendwann rannte ne Nackte durch den Raum und streichelte unserem Oberjunggesellen am Kinn, der die Nackte wie ein Wilder betatschen wollte, besoffen wie er war, die blökte ihn daraufhin an, dass ohne Moneten nich mal Anfassen drin wär, der Muskeltyp an der Bar langte unter die Theke, wahrscheilich wollte er schon ne Pumpgun rausholen. Der Banker peilte nix mehr, zog sein Portemonnaie raus und wollte die Scheine auf den Tisch packen, wir packten den armen Irren am Kragen und zerrten ihn raus aus der Bar. Meine Fresse, dachte ich, der will heiraten, meine Fresse, inner Woche, merkt der noch was? Ich, Anstandsdödel, hahaha. Ich ging dann ohne Gruß, die Nackte hätte ich auch gern mal angepackt, aber na ja, ich fahr mit Liz in den Urlaub, was solls.

(...)
 
Mi, 08.08.2007 |  # | (1178) | 3 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Schreib mal wieder



 

Zwischenspiel

Hasenscheiße - Für eine Handvoll Köttel

(Wenn die Ernsthaftigkeit sich langsam in Dispersionsfarbe auflöst.)
 
Di, 07.08.2007 |  # | (818) | 3 K | Ihr Kommentar | abgelegt: musik und so



 

Unterwegs

Gestern noch Erdbeeren veredeln und den Gartenzwerg ordnungsgemäß plazieren,



heute dann Höhlenmalerei, der grünen Wiese den ersten Schnee verpassen, während draußen der Sommer sein Comeback feiert. Malerrolle statt Biergarten, immer irgendwie gegen den Srom.



Und dann, demnächst also, die große Tournee der Büffel-Bigband, der Herr malt solange, die Dame ölt die Stimme in der hauseigenen Gesangskabine, schalldicht, JB medidiert noch einmal in Nepal und Mad Max lockert schon die Fingerchen, für den großen Eröffnungsknall. Vielleicht kommt vorher aber noch was. Und was ist mit dem Sommerloch? Im Sommerloch verschwunden? Vielleicht ein Meta-Sommerloch?
 
Mo, 06.08.2007 |  # | (540) | 4 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fragmente



 

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aus dem Tagebuch "Darf ich das so notieren?" von Win K., Eintrag vom 07.06.2000

Irgendwann rief Liz an. Das macht sie häufiger in letzter Zeit und ich frage mich warum. Warum, fragte ich sie, aber sie wich immer aus. Warum? Ja, warum eigentlich? Liz ist ein dicker, fetter Betonklotz, der tief in meinem Kopf, in meinem Gehirn verankert ist, hineingegossen, eingeflochtenes Eisen darin und kein Sprengstoff vermag derzeit, diesen Klotz zu sprengen. Ich bin mir selbst ein Klotz am Bein. Lernen. Ich lerne nächtelang, ich lerne und lerne und lerne, morgens fiese kleine rote Schweineaugen, die mich im Spiegel anstarren, der Rest des Körpers zittert, ich lerne, lerne, lerne und wenn ich Notizen auf die leeren Blätter schreibe (ganz schief, die Buchstaben, bröckelig), geht es mir gut. Der Betonklotz im Kopf zieht mich runter. E. ist sauer auf mich. Du öffnest dich nicht, sagte sie und sie wollte doch, dass ich bleibe, mit ihr frühstücke, den Tag verbringen und ich, ich wollte es nicht. Du, wollte ich sagen, du tust mir gut. Hätte ich Liz nie kennengelernt, könnte ich dich lieben, jetzt, aber so. Nein, ich sagte das nicht, nein, E. tut mir gut und das würde sie kränken, glaube ich. Mich würde es kränken, an ihrer Stelle. Hannes ist meine beste Stütze. Wir trinken viel, lachen und heulen, fahren an die See und sitzen dann die ganze Nacht vor dem Zelt, warum schlafen? Kälte kriecht von unten die Hosenbeine hoch und wir trinken Cola-Whisky aus großen Biergläsern, einszwanzig im Supermarkt. Da muss man nicht so oft nachschenken. Hannes hat genauso viel Ahnung vom Leben wie ich, nämlich keine, Schmerz, sagt er immer wieder, andächtig, das kann man ja gar nicht beschreiben, Schmerz kennen wir doch noch gar nicht. Doch sage ich, doch, ich weiß immer noch, wie du vor der Tür standest und nur "Scheiße" sagtest, da sah man dir den Schmerz an. Doch, den kennen wir. Du, ich, wir alle. Jammern tut gut, aber jammern bringt auch keinen weiter. Irgendwie muss man das überwinden, das alles. Nur wie?

Liz rief also wieder an. Ob ich Zeit hätte. Natürlich hatte ich Zeit und das wusste sie. Natürlich griff ich nach jedem kleinen Strohhalm, wollte sie sehen, ihr in die Augen schauen, vielleicht ein Zeichen erhaschen, das nicht alles verloren ist, kein Ende, vielleicht ein Anfang. Es ging ihr nicht gut und ich hatte Zeit. Drei Stunden Notaufnahme. Sieh mal, der Ausschlag. Furchtbar. Vor T. schämte sie sich, sie kannten sich doch noch nicht so lange, ich wollte sie anschreien. Bist du nicht mehr ganz richtig? Und am Ende wollen wir vielleicht noch beste Freunde bleiben? Noch ganz richtig? Ich sagte nichts. Es sah schlimm aus, Herpes oder so, gefährlich, tut höllisch weh, vielleicht auch was mit den Nerven? Bleib noch, sagte sie später und ich blieb, schaute sie an, rauchte, versuchte nicht zu jammern, nicht zu flehen, nicht zu betteln, irgendwann musste ich raus, hielt es nicht mehr aus, konnte sie nicht trösten, in ihrer Nähe sein, ich sagte nichts und ging. Später rief ich wieder an, entschuldigte mich, sie weinte. Ich will dich, sagte sie, und ich will dich nicht, sie könne sich nicht entscheiden, es sei so schwer, sagte sie, immer mit dieser ehrlich schluchzenden Stimme und ich glaubte ihr, fühlte die Zerrissenheit. Ich kann dir die Entscheidung nicht abnehmen, sagte ich, ich bin hier und warte und sie war still, schluchzte und bevor sie auflegte, fragte sie noch hecktisch, wie aus der Pistole geschossen, irgendwie vorbereitet: Willst du mit mir in den Urlaub fahren? Sprachlosigkeit. Ja, dachte ich. Nein, auf keinen Fall, gleich darauf. Nein, nein, nein. Nein. Und doch, doch, doch, dachte ich noch, kurz bevor ich einschlief.

(...)
 
Fr, 03.08.2007 |  # | (1141) | 3 K | Ihr Kommentar | abgelegt: Schreib mal wieder



 

Letzter Tag im Kindergarten, also nicht ich, sondern er. Ich vermute ja, es passt ihm nicht in den Kram. Sagt er aber nicht. Hampelt nur rum, der Zappelphillip. Und denkt nach, irgendwie. Lesen will er. "Der alte Mann und das Meer" und "Moby Dick". Kam er drauf, beim Vorlesen aus diesem komischen Tierbuch. Ein blauer Marlin und ein Pottwal waren da zu sehen. Ja, Mensch, da kann man ja nur auf Hemingway und Melville kommen. Oder? Na ja, hab nachgeholfen. So ein Anflug von Bildungsbürgertum. Lesen muss er die Dinger schon selber. Darum ist ja auch heute letzter Kindergartentag. Und dann Schule.
 
Di, 31.07.2007 |  # | (716) | 7 K | Ihr Kommentar | abgelegt: kinder kinder



 

Vereinzelt

Jedes Mal, wenn ich [einen privaten Radiosender Ihrer Wahl einfügen] einschalte(n muss), habe ich sofort das Gefühl, mit irgendeinem schweren Gegenstand auf das Radio eindreschen zu müssen, solange, bis es aufhört zu plärren. Allerdings muss ich ein gutes Beispiel für die Kinder abgeben und die Liebste mag dieses Hintergrundgedudel, irgendwie. Hrrrrsch.

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Paris und Nicole steigen in die Straßenbahn, Paris hat ein wenig zugenommen, sieht dadurch aber nicht schlechter aus, jedoch auch nicht besser. Sie kann nicht in diesen extravaganten Schuhen (Eispickelabsätze) laufen und knickt immer um. Die riesige Brille in ihrem Gesicht, sie verdeckt fast die gesamte Gesichtspartie zwischen Stirn und dem Ansatz der Nasenflügel, steht ihr nicht. Auch nicht die halblange Hüfthose. Und das Oberteil. Nicole hat es da schon besser getroffen, glaube ich, allerdings ist die immer noch dünn wie ein Gerippe. Paris und Nicole sprechen russisch, aber na gut. Paris holt einen PDA von HP aus der Tasche und tippt wie wild darauf herum, danach trägt sie vier- bis fünstellige Zahlen, offensichtlich Geldbeträge, in ihr Moleskine und bildet Summen. Das erinnert ein wenig an Onkel Dagobert. Buchhaltertussi. Wacklige Handschrift, "mädchenuntypisch". Paris und Nicole wohnen wahrscheinlich bei mir um die Ecke, sie steigen nämlich an der gleichen Haltestelle aus, kurzzeitig befürchte ich, dass Paris über ihre eigenen, mit diesen mörderisch hochhackigen Schuhen versehenen Füße, stolpert, hinfällt und sich etwas bricht. In Gedanken erste Hilfe leisten.

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Bekannter Schauspieler, morgens am Hackeschen, Sonnenbrille, Hut, Bier in der Hand, zieht sich Zigaretten aus dem Automaten beim Döner an der Ecke (ist nicht mehr so einfach) und flirtet dabei kurzzeitig mit der betrunkenen Engländerin, die sich gerade einen knoblauchsoßetropfenden Lahmacun in den Mund stopft, spontan ein Bier trinken wollen und dann betrunken zum Mond fliegen. Wasn Spazz.

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Zwei Typen in Schottenrock und rosanen T-Shirts, Bier in der Hand, pöbeln in dreckigstem Englisch, ich nenne das hier nur noch Ballermann-Mitte.

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Ein Webzwonull-Dienst wird mit aufgemalten Figuren auf dem Boden. Ziel dieses Projektes ist es, die Verbindung zwischen Menschen zu verstärken. Ja, nee, passt ja irgendwie zum Ballermann-Mitte, aber sonst eher nee.

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Heute mal wieder: Arctic Monkeys!

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Mein Ruin. Sag alles ab. Kapitulation. Anders bloggen wollen. Alles anders machen wollen. Viel zu viel Geschwätz. Aber welche Kreativtechnik nutzen?
 
Fr, 27.07.2007 |  # | (1341) | 7 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fragmente



 

Ach, hmm, na ja, ist das überhaupt noch in? Diese Art zu bloggen? Über sich selbst? Tagebuch, jetzo? Obwohl, Tagebuch, das klingt so nach, ähem, so nach, ach keine Ahnung. Ist ja auch egal. Musik.
 
Do, 26.07.2007 |  # | (646) | 5 K | Ihr Kommentar | abgelegt: schleichender wahnsinn



 

En bateau

Komischer Tag, heute. Zweifel liegt in der Luft und Sicherheit und Angst und Gänsehaut und Sicherheit, trotzdem. Man ist ja auch nicht allein. Und soll man sagen "So schnell verreckt man nicht?" Nein, soll man nicht, das geht ja bisweilen schnell. Viel zu schnell. Und trotzdem, immer Lächeln, bitte Lächeln, ja, nee, ja. Ich bin nicht ehrgeizig, ich mach das nur ordentlich. Was? Ja. Achso. Und dann soll ich mir nen Hut aufsetzen und nen Schnurrbart wachsen lassen und sagen "Liebste, dürfte ich Sie über das Wasser schippern? Die See ist so wunderbar ruhig heute." Aber nur, wenn Inga Humpe dazu singt, nein, ins Mikrofon haucht. Komischer Tag, heute.
 
Do, 26.07.2007 |  # | (500) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fragmente



 



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Online seit: 08.02.2006
Letzte Aktualisierung: 03.06.2024, 07:57


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