Splitter Ein schöner Morgen, kalter Mond am dunklen Himmel, er strahlt wunderbar einen sich stetig verbreiternden Kondenstreifen eines Flugzeugs an, dass sich in der Nacht heimlich gen Westen geschlichen hat, kalter Wind, endlich riecht es nach Winter. Er kommt, denke ich, denn was wäre ein Jahr ohne Winter? Wir brauchen unsere Regelmäßigkeiten, ab und zu zumindest, es muss ja nicht immer gleich Langeweile sein. Der Bäcker weiß schon, wie viele Brötchen ich nehmen werde und weil ich weiß, dass er das weiß, überrasche ich ihn täglich mit einer anderen Bestellung, er lacht. Der Hund will noch laufen, ich lass sie, Freiheit ist doch so etwas schönes, jetzt gerade liegt sie zusammengerollt an meinen Füßen, im Bett schläft ein kleiner Wurm mit roten Wangen und kalten Füßen, gestern abend wussten wir schon, was das bedeutet. Heute liege ich den ganzen Tag auf dem Sofa, schau in den Spiegel, den 60 Jahre alten, auf und neben mir der leise vor sich hin seufzende kleine Minibüffel, vielleicht blogge ich auch, auf dem Notizblock oder nur im Kopf, Bloggen ist mehr als nur auf den Bildschirm starren, dachte ich mir, als ich Samstag nacht schmunzelnd ein kleines Päckchen aus dem Briefkasten fischte.
Während er wie wild am Navi herum fummelte und versuchte, es richtig einzustellen, fragte sie mich freundlich lächelnd nach dem Weg.
In der Nase verbrannter Kaffee, schon wieder vergessen, auch der Tee steht noch unangerührt in der Küche und dampft einsam vor sich hin. Draußen ziehen graue Wolkenfetzen, ab und zu strahlt die Sonne hindurch, ich höre Rauschen, doch es ist nicht das Meer, dass langsam vor sich hin rauscht, es ist nur das dunkle Rauschen im Kopf, alles wirkt wie weggeweht. Wo sind sie hin, die Gedanken, die Ideen, zündend, prickelnd, rötlich glühende Wangen? Alles scheint verloren gegangen, Leere, gähnende Leere, der Ideengeber macht wohl gerade Urlaub, ohne dem Rest des Körpers Bescheid gegeben zu haben? Es könnten die Nachwehen das Weihnachtsfestes sein, lässt man die Zügel locker, gehen die Pferde durch und dann rennt man ihnen tage- vielleicht sogar wochenlang hinterher, um sie wieder einzufangen. Kommt zurück auf die Weide, hier, gleich hinterm Deich, sattes grünes Gras, sogar im Januar, und hört ihr nicht den Wind in den sich unermüdlich drehenden Windrädern? Klingt das nicht wunderbar nach Heimat? Sie sind zu weit weg, ich kann sie sehen, aber nicht fassen, sie hören mich nicht, wollen es vielleicht auch nicht. Der Tee dampft feucht in mein Gesicht, er riecht nach Vanille und Karamel, süßlich, der Dampf füllt langsam die Leere im Kopf, weiß auf schwarz, sieht erst einmal grau aus, fühlt sich aber warm an. Schön. Sie werden zurück kommen, denke ich, auch wenn es vielleicht ein wenig dauern könnte.
Ganz exklusives Foto, aber furchtbar schrecklich. Ich habe lange überlegt, ob ich das hier überhaupt reinstellen kann, aber ich riskiere es mal. Aber bitte, halten Sie Taschentücher bereit, es könnte sein, dass Sie weinen müssen. Sind Sie sicher, dass Sie das wirklich sehen wollen?
Press button to continue Pünktlich gegen Mitternacht begann der Bürgerkrieg. Böller explodierten mit gnadenloser Wucht, Kinder versteckten sich unter Tischen, Betrunkene versuchten sich in Gesängen, Familien versuchten sich in Liebenswürdigkeit, ein paar kleine Umarmungen, ein paar Küsse, dann war Schluss. Um ein Uhr wurde Waffenstillstand gefeiert, zünftig, mit Böllern, versteht sich, der erste Regen im neuen Jahr, kühl und angenehm in der mit dickem Rauch geschwängerten Luft, wieder versuchten sich Betrunkene in Gesängen. Gegen halb vier kam der Notarzt, gegen Mitternacht gerufen, erst ein Wodka-Bad, dann ein versautes Abendkleid, irgendwo hatte sie ihre Schuhe verloren und landete schließlich in der Notaufnahme. Und niemand rief: Gesundes neues Jahr. Christina Stürmer setzte den Schlusspunkt, ich bin müde dröhnte es die ganze Zeit in meinen Ohren, lächelnd fielen wir in unsere Betten und schliefen den ganzen Tag. Ab und zu rafften wir uns auf, ein Spaziergang, ein Abendbrot, immer noch müde lächelnd und ein paar tiefe Wunden leckend, das neue ist schon wieder fast wie das alte, Hauptsache wir haben genug Tempos im Haus. Alltag, er schmeckt noch ein wenig fad, nach den bunten Tagen, am schönsten ist immer noch die Zeit zwischen dem wunderbar warmen Weihnachtsfest und der, egal wie, kalten Silvesternacht, lassen wir uns überraschen, von den Dingen, die zwischen dem ganzen Müll auf der Straße liegen, von den kleinen Perlen, die man immer wieder findet, in diesem Jahr wird noch viel gefeiert, das steht so im Kalender, mal sehen, was noch so alles dazu kommen wird.
Just for you, Miss Schlüssi (natürlich nicht nur, aber vor allen Dingen). Nichts besonderes mehr, in diesem Jahr, nur dieses Ende hier noch, vielleicht ein wenig verwirrend, komisch, womöglich so eine Art Jahresrückblick nach Bufflon-Art, nicht für ein perfektes Dinner geeignet. Mir bleibt nur noch zu sagen: Rutschen Sie alle gut, aber nicht aus, lassen Sie es krachen, wie auch immer und natürlich sehen wir uns im nächsten Jahr.
Zwischenspiel im Zwischenspiel Warum? Darum. 2 In der Dunkelheit sah ich keinen Tunnel mit einem hellen Licht am Ende, das langsam näher kam, obwohl es wohl gepasst hätte. Nein, ich sah einen Bildschirm auf dem alten Sekretär meines Urgroßvaters, den er Ende der zwanziger Jahre irgendwie aus Posen nach Berlin gebracht hatte, schwach ausgeleuchtet auf einer sonst schwarzen Bühne, jedenfalls sah es so aus. Auf dem Bildschirm war ein Browserfenster geöffnet und es lief folgendes Video: Lange konnte ich dieses Bild allerdings nicht genießen, irgendwann kam die Dunkelheit wieder. Und die unglaubliche Stille.
Zwischenspiel oder Das Ende einer Spaßgesellschaft 1 Was für ein Fest. Nein, nicht turbulent, aber auch nicht spektakulär, eher erkenntnisreich. Keine tiefgründigen Erkenntnisse, nein, überhaupt nicht, im Prinzip war es eher ein dumpfer Schlag, der das lang gehegte und gepflegte Brett vor dem Kopf entfernte, endlich, ein Ende der Spaßgesellschaft, im nächsten Jahr fahren wir vielleicht ganz weit weg. An die Ostsee, das wäre meine spontane Idee. Am Ende stolperte ich, den Gürtel ein Loch weiter gestellt, durch die kalte Nacht und drehte den MP3-Player auf volle Lautstärke. Endlich wieder ordentliche Musik, nicht dieses Gesäusel vom heiligen Abend, von der heiligen Nacht, endlich wieder ich, endlich wieder ein wenig Normalität. Selbst der Hund atmete wieder auf, nicht mehr diesen leckeren Gerüchen nachhecheln, darauf hoffen, dass etwas von der leckeren, fetten Gänsekruste vom Tisch fällt. Nein, das Fest war nicht schlimm, es war ok. Und gerade in diesem Moment sang Thees Uhlmann etwas von einem passionierten Mensch in einem mediokren Land und ich fragte mich, warum diesmal das Mittelmaß ausreichte, um trotzdem ein gutes Gefühl zu hinterlassen. Egal, ich sang laut mit und sprang herum, wie ein Verrückter, mir doch wurst. In der Wohnung schliefen schon alle, selbst die Angebetete schnarchte süß vor sich hin. Ich stürzte mich hinein, in das wunderbar kühle Bett, tief schlafen, dies war mein einziges Ziel in dieser Nacht, tief schlafen, mehr nicht. Noch schnell ein paar Zeilen lesen, doch das Buch fiel mir schnell aus der Hand, die müden Augen zu, der Körper wurde ganz schwer. Komm zu mir Nacht, dachte ich und ließ mich fallen. Süße Schwere umfing mich, ein tiefer, bodenloser Fall, erst ein dunkles Nichts, dann wohlig warme Farben und doch stand ich irgendwann unvermittelt wieder auf, zog mir ein paar dicke Socken an und schaltete die wunderbar gelblich-warme Beleuchtung des Weihnachtsbaums ein. Ein kurzer melancholischer Blick auf die Geschenke unter dem Baum, die der Weihnachtsmann dort angeblich hinterlassen hatte und ich lief schleichend durch den Flur, nahm meinen Schlüssel und ging durch die Wohnungstür hinaus. Der Hausflur war dunkel und kalt, jemand hatte die Tür zum Hof aufgelassen, immer wieder dasselbe, ärgerte ich mich, zog doch dann immer die kalte Luft in unsere Wohnung. Ich schaltete das Licht an und entdeckte an der gegenüberliegenden Wand eine Postkarte, die dort jemand mit durchsichtigem Klebeband auf den Fliesen befestigt hatte. Auf der Vorderseite war Albert Einstein zu sehen, er stand vor einer Tafel und auf deutete verschiedene Formeln, auf der Rückseite stand mit hecktischem Schriftzug der Spruch „Geist ist geil!“ Wer hatte diese Karte dort angebracht? Albert Einstein? Geist ist geil? Und warum war eigentlich diese verdammte Tür offen? Ärgerlich ging ich zur Hoftür, um sie zu schließen, über die Karte konnte ich mir später noch Gedanken machen. Auf dem Hof hörte ich komische Geräusche, die eindeutig nicht zum normalen Geräuschpegel in unserem Haus gehörten. Es war ein wildes durcheinander von Stimmen, gedämpft, aber trotzdem hörbar, ein wenig Musik dazu und ich fragte mich, woher diese Geräusche wohl kamen. War etwa der DJ aus der dritten Etage im Hinterhaus wieder eingezogen und versorgte uns nun wieder mit den neuesten Klängen aus der Berliner Clubszene, zu jeder Tages- und Nachtzeit? Ich trat heraus auf den dunklen Hof, der Boden war feucht und kalt, alles andere als angenehm, aber ich war neugierig. Der gedämpfte Lärm kam nicht von oben, aus irgendeiner der Wohnungen im Hinterhaus oder den Nachbarhäusern, sondern eher von unten und mein Blick fiel augenblicklich auf die Kellertür, die komischerweise offen stand. Doch nicht nur dies war komisch, merkwürdigerweise leuchtete nicht das sonst übliche grelle weiße Licht der Kellerbeleuchtung aus dem Keller, sondern nur ein schummriges blaues Licht, das von dichten Nebelschwaden verschleiert wurde. Was war da los? Neugierig ging ich in Richtung Keller und versuchte, die Treppe herunter zu schauen und irgendetwas zu erkennen. Die Stimmen und die Musik wurden zwar deutlicher, doch ich konnte nicht in den Keller hineinschauen, überall hingen die dicken Nebelschwaden, beleuchtet von diesem kalten, blauen Licht. Ich trat auf die Schwelle zu Kellertreppe und wollte auf den Schalter für die Kellerlampen drücken, als der Boden unter meinen Füßen nachgab und ich mit einem heftigen Ruck nach unten rutschte. Ich fiel mit dem Rücken auf den staubigen Boden des Kellers, konnte meinen Kopf kaum halten und schlug hart mit dem Hinterkopf auf dem kalten, bröckeligen Lehmboden auf. Das blaue Licht verwandelte sich schlagartig in tiefe, schwarze Dunkelheit, die Stimmen und die Musik verschwanden sofort und plötzlich wurde es unheimlich still.
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