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Schon wieder ein Gedicht in die graue Tonne - Bitte die komfortariffreie Zone beachten! - verfrachtet, diese Verdichtungen - ohne Rüttelplatte - also das Herunterbrechen riesiger Gedankengewitter auf, nun ja, drei bis fünf Strophen oder auch Zeilen, das ist doch eine Kunst, die an mir vorüber gezogen ist, in Lichtgeschwindigkeit, und nicht einmal gewunken hat. Hallo? Ungreifbar. Überhaupt scheint Kunst nicht so einfach zu sein, wie behauptet wird - "Das kann ich doch auch!" - sondern irgendwie, schwer? Also streiche ich stundenlang Betonwände mit Bitumen ein, das ist zwar keine Kunst, dafür aber - scheinbar - nützlich und auch gedankenreinigend.
 
Mo, 27.07.2009 |  # | (410) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: blogosophie



 

Logging station

Zuerst „Wordpad“ starten und dann loslegen. Einfach los. Irgendwas. Vielleicht mal ein richtiges Schreibprogramm benutzen? Mit Echtzeit-Rechtschreibcheck und Änderungsverfolgungsmodus und automatischem Dings und Bums? Ach, nöö. „Wordpad“ tut es doch auch. Jeder kleine Editor tut es. Nun ja, ach. Egal.

Bloggerei, Schwätzerei. Oft gefällt mir das besser, als angestrengte Literatur, „richtige Literatur“. Natürlich, dort versuchte jemand, hart arbeitend, ein gewisses Etwas auf die Beine zu stellen, aber was soll man tun, wenn dieses Etwas einem die Augen zufallen lässt, einen so ermüdet, dass man das Etwas dann weglegt, vergisst, wo man es abgelegt hat, nach Jahren wieder findet und es dann in die unterste Schublade des Bücherschranks verfrachtet. Auf ihr könnte gut und gerne auch "Bäh!" geschrieben stehen.

Dann lieber Blogs. Klug geschrieben, vielleicht, am besten rotzig, provokant, aber nicht zu viel, nur ein Prise und alles ganz entspannt, ganz unangestrengt, irgendwie ehrlich, nicht im Sinne der Abbildung realer Zustände, nein, alles in allem sollte das Lieblingsblog Ehrlichkeit ausstrahlen. Beispiele? Nein. Zu viele dürften dann nicht genannt werden, das würde den Rahmen sprengen.

“FAZ-Blogs“ lesen, allerdings vermeiden, einen Großteil der unvermeidbaren Kommentatoren in irgendeiner Weise ernst zu nehmen. Nein? Nein. Grundsätzlich, zumindest. Sprachliche Profilierungsversuche, man will hier Zeichen setzen, Intellekt beweisen, Bildung als Schild und Schwert des Bürgertums, Klassengesellschaft, Klassendenken, Hierarchien, oben, unten. Kann ich nichts mit anfangen, das schreckt mich immer ab.

Überhaupt sind diese Blogs in der FAZ eine gute Idee. Seitdem es dort Blogs gib, lese ich FAZ. Nicht immer mit Zustimmung.

Nachtleben, partnerschaftliche Musikgeschmäcker, die ja am liebsten ganz weit auseinandergehen, aber dann diese nächtliche Kompromissfähigkeit, dieses dunkle Kellergewölbe, in dem sich der Bass bis unter der Decke staut und einem dann fest in die Magengrube haut und man wieder weiß, warum man eben genau diese Musik mag und alles andere Nebenherdudelei ist, Fahrstuhlmusik für das gemütliche Leben am Tage, aber hier werden die Karten auf den Tisch gepackt, hier geht es um Alles oder Nichts, hier bummert und basselt es, hier wird der Mensch lebendig. Warum tanzt du erst ab Mitternacht? Vorher war ich noch zu müde. Komm, Baby, lass uns nach Detroit fahren, denn dort passen wir vielleicht am besten hin, sagt mein internes Musikanalyseprogramm, nach Analyse unserer beiden Playlists.

Entschuldigung. Am Wochenende immer netzlos. Keine Zeit für digitale Netze, denn die analogen stehlen soviel Zeit. Vor allem Brennesseln scheinen eine rege Kommunikation zu pflegen, sie bilden umfangreiche und kaum in ihrer Gänze erkennbare Netze, die schwer aus dem Boden zu entfernen sind.

Man sticht mit dem Spaten von früh bis spät,
fängt morgens an, wenn der Hahn laut kräht.
Und hört erst auf, wenn die Sonne sinkt,
zum Abschied die Tanne ganz leise winkt.

Eine geheime, geschlossene Google-Group eröffnen wollen, aber zu welchem Thema? Wie man mit Politikern umgehen soll, ohne gegen die Verfassung zu verstoßen. Zum Beispiel. Das wäre spannend.
 
Mo, 20.07.2009 |  # | (538) | 2 K | Ihr Kommentar | abgelegt: blogosophie



 

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Draußen sitzen und denken: Was will man mehr? Natürlich ist man nicht ohne Wünsche und Träume, aber. Das ist doch nur noch Beiwerk, Luxus, mehr, als unbedingt nötig ist. Wäre man als Millionär glücklicher? Wohl nicht. Man muss auch nicht alles haben. Ein wenig Musik aus dem Dachfenster des Hauses am See, ein, zwei, drei Mal angelächelt werden, den Spaten aus der Hand legen, um ein Buch zur Hand zu nehmen, einen Kaffee trinken, Löcher in die Luft starren. Man weiß, das man vieles noch gar nicht weiß, aber unbedingt wissen möchte, dass also die Zukunft, wie auch immer sie aussieht, nicht ganz langweilig wird, wenn auch bescheiden, und man hofft, dass die unvermeidlichen Klippen ohne größeres Leck umschifft werden können. Ein Tag, an dem das erste Geschenk ein Kuss und das zweite eine Dose billigsten Dosencappuccinos ist - wer trinkt so etwas? - kann nur ein guter, besonderer Tag werden.

(Der Krise entgegen. Der Krise entgegnen. Man nannte mich heute schon den "Sturmgeborenen", was natürlich stimmt, denn es gewitterte schon damals heftig.)
 
Di, 05.05.2009 |  # | (708) | 7 K | Ihr Kommentar | abgelegt: blogosophie



 

Morgenkreis

Es schreiben so viele ins Internet,
so viele schreiben ins Internet,
und gar nicht mal nur nett, sondern auch mal,
nun ja, wie soll ich es sagen?
Bescheuert? Bekloppt? Und auch total verrückt?
Es schreiben so viele ins Internet,
so viele schreiben ins Internet,
warum dann nicht auch ich?

[Und jetzt alle.]
 
Di, 21.04.2009 |  # | (521) | 2 K | Ihr Kommentar | abgelegt: blogosophie



 

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Besonders schön am keine Zeit haben ist die Tatsache, dass diese riesige Betroffenheitswelle an einem geschmeidig vorbei glitscht. Ich meine die mediale. Ekelig. Da kommt der gute alte analoge Dialog mit dem Lebensabschnittbegleiter ganz recht, man kann Gemeinsamkeiten abchecken - ganz ultra-kommunikativ - und seine Schlüsse daraus ziehen, Meinungen korrigieren, sie an andere weiter transportieren. Ohne Einmischungen.

Ich verfasste ein dämliches Gedicht, das ich zum Glück wieder vergessen habe. Es war ein Gedicht über das Verbieten und hätte wohl heißen müssen: Willkommen in der Diktatur.

Zum Glück aller bleibt die Gesellschaft von solchen Gedichten verschont, ist sie doch schon mit den bekannten Medien gestraft genug.

Krisenzeiten. Krisenherde.

Zwischen einem Beitrag, der von einem Bombenanschlag irgendwo berichtete und einem Beitrag mit herumfahrenden Panzern, die irgendwo mal wieder die Demokratie mit panzerbrechender Munition verteidigen - Kolletaralschäden nicht ausgeschlossen - kam auch noch irgendwas mit Aktienkursen, zusammbrechenden Autobauern, die Autos bauen, die keiner kaufen will oder kann und am Ende das Wetter, das auch nicht rosig aussah.

Und nicht zu vergessen der Amoklauf. Ein gefundener Fraß für jeden Journalisten, ein Thema, an dem man sich abarbeiten kann und natürlich muss, wer es nicht erwähnt, ist Unmensch.

Und so weiter.

Vielleicht - ein ganz kurzer Schlussgedanke im Gedankenwirrwarr, ausgelöst durch dies und das - ist die Welt, speziell das Durchschnittswesen Mensch, einfach schlecht oder besser: Im Wesentlichen nicht gut. (Natürlich nicht Sie.) Das macht die Sache allerdings auch nicht besser.

Und jetzt weiter mit gewaltfreier Musik.
 
Fr, 13.03.2009 |  # | (434) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: blogosophie



 

Geschichten erzählen

Wenn es Ihnen nichts ausmacht, etwas mehr zu lesen, als 140 Zeichen am Stück und Sie auch noch gerne eine völlig absurde und überhaupt gar nicht vorstellbare Geschichte lesen wollen, in denen Menschen, Trolle und Gold vorkommen, dann klicken Sie bitte jetzt.

Eine wirklich komische Geschichte
 
Do, 19.02.2009 |  # | (699) | 5 K | Ihr Kommentar | abgelegt: blogosophie



 

Eine wirklich komische Geschichte

Es waren einmal ein paar dicke, fette Höhlentrolle, schimmlig-grüne Fettklöpse, die in ihrer stinkenden Höhle saßen und gelangweilt an alten Menschenknochen nagten und dabei in ihr Feuerchen starrten. Ein absolut langweiliges Höhlentrollleben, die reinste Verschwendung von Atemluft. Das dachte sich auch der Chef, der mit der dicksten Schweine-Knollennase und den größten Reißzähnen, die schief aus dem stinkenden Maul wuchsen, und so dachte er angestrengt nach. Nach weiteren Wochen gelangweilten Menschenknochenknabberns an lodernder Flamme brüllte er freudig in die Runde:

„Jungs, ich hab’s.“

Schön und lebendig sollte es werden, in der Trollhöhle und man wollte den Menschen, die doch ihr Gold so sehr liebten und es deshalb tief in ihren Burgen vor gierigen Raubrittern, neidischen Nachbarn und der faulen Dienerschaft versteckten, ein Möglichkeit bieten, ihr Gold viel sicherer aufzubewahren und es dabei auch noch zu vermehren. Es zu vermehren? Die Trolluntertanen verstanden ihren Chef nicht, wie sollte Gold sich vermehren, ein totes Metall, zweifelsohne schön anzusehen, aber eben doch tot.

„Ihr seid doch so dämlich. Wir werden doch nicht nur den lieben langen Tag lang hier auf dem Gold sitzen und es vor den gierigen Gierpickeln beschützen, nein, wir werden es denen geben, die es unbedingt auch wollen und das sind doch immerhin alle, vor allem die, die es nicht haben und dafür verlangen wir von ihnen zusätzliches Gold und so wird es sich vermehren und alle werden reich und glücklich.“

Und so geschah es. Die Menschen vertrauten den Trollen, den schrecklichen, stinkenden Trollen mit ihren überdimensionalen Nagelkeulen und ihren Steinschleudern, die mit einem einzigen Schuss eine ganze Burg einreißen konnten, sie vertrauten ihnen und brachten ihr ganzes Gold in die Höhlen, um es dort sicher zu wissen. Und wie versprochen vermehrten die Trolle das Gold und gleichzeitig lagerte es tief in ihrer Höhle, trocken und sicher. Kaum einer traute sich in die Höhle, um die Trolle anzugreifen und sich das Gold zu hohlen und wagte es doch einmal jemand, musste er in seinen letzten Atemzügen gar Schreckliches erleben, die Geschichten aber davon machten die Runde unter den Menschen, alle hatten Angst vor den Trollen und so war das Gold sicher. Trotzdem gab es Menschen, die sich trauten und vorsichtig an den Höhleneingang stellten, dort kleinlaut nach den Trollen riefen, damit diese ihnen ein wenig von dem Gold abgaben, es ihnen liehen, für ein kleines Geschäft, das Gewinn versprach, ein kleines Heim, für das das Ersparte nicht ausreichte, für Schmuck, Tand und schöne Kutschen. Die Trolle schauten sich die Bittsteller sehr genau an, hörten ihnen genau zu und wenn ihnen die Bitte schnell lächerlich erschien, lachten sie die armen Seelen aus, im schlimmsten Fall bissen sie ihnen auch mal den Kopf ab, einfach so, zum Spaß. Doch denen, denen sie vertrauten, gaben sie ein wenig von dem Gold und verlangten die Rückzahlung und einen angemessenen Zins, der unter Androhung von Peitschenhieben, schwingenden Keulen oder abgebissenen Köpfen regelmäßig zu entrichten war.

Das Geschäft lief toll, die Höhle füllte sich zusehends mit Gold, ständig mussten neue Gänge ins Gebirge gehauen werden, die sich genauso schnell wieder füllten, denn die Menschen hatten weiterhin Vertrauen in die Trolle und ihren Geschäftssinn, der ihr Gold nicht nur sicher bewahrte, sondern auch auf immer noch wundersame Weise vermehrte. Allerdings reichten irgendwann auch die zusätzlichen Stollen nicht mehr aus und die Trolle mussten sich nach Alternativen für die Einlagerung der ständig wachsenden Goldmenge umschauen. Sollten sie ein weiteres Gebirge für sich erobern, um neue Lagerstätten zu errichten? Oder sollten sie noch viel mehr Gold an die Menschen verleihen, die sich doch so sehr danach sehnten? So könnten die Trolle für noch mehr Vermehrung des Goldes sorgen und auch sie selbst konnten doch so ihren kleinen, bescheidenen Goldschatz wachsen lassen. Das Gold um sie herum, das viele Gold, es glänzte so schön und funkelte, alle wollten es haben und wenn sie es hatten, wollten sie noch mehr und mehr und mehr. Mit der Zeit wurden so die Trolle unvorsichtig und unaufmerksam bei der Verleihung des Goldes, sie schauten nicht mehr ganz so genau hin, von wem und wofür das Gold verlangt wurde, sie fuhren es aus und verteilten es an alle, die etwas davon wollten: Arme Tagelöhner und Bettler, die sich damit Träume erfüllen konnten, die sie noch gar nicht geträumt hatten, Diebe und Betrüger, die viel versprachen und blumige Ideen entwickelten, an denen nicht einmal ein Fünkchen Wahrheit war, auf all diese Feinheiten achteten die Trolle nicht mehr, denn das Gold musste raus und die Versprechen gehalten werden.

Und es kam, wie es kommen musste: Eines Tages stellten die Trolle fest, dass die Höhle fast leer war und das, was noch viel schlimmer war, niemand mehr kam, um seinen Zins, geschweige denn seine Schuld zu begleichen. Die Diebe und Betrüger hatten sich hinter die sieben Berge verzogen, um dort die Beute zu verprassen und über die dummen Trolle zu lachen. Die Tagelöhner und Bettler hatten alles verprasst und ausgegeben, nichts war mehr da, von dem schönen Gold, nicht einmal mehr Goldstaub, sie hatten noch weniger als vorher, nichts, mit dem sie die monatlichen Forderungen der Trolle erfüllen konnten. Und es kam noch schlimmer: Fast alle dieser armen Menschen hatten den gleichen goldenen Traum geträumt und sich im Schatten ihrer neu erworbenen Wellblechhüttchen, die sie sich nicht hätten leisten können und die deswegen mit dem leichtfertig herausgegebenen Gold der Trolle bezahlt worden waren, gerekelt und nun mussten sie diesen Traum aufgeben, die Wellblechhüttchen verkaufen, aber niemand mehr wollte sie haben.

Die Trolle hatten nun ein gewaltiges Problem: Sie bekamen das Gold von den Menschen, denen sie es geliehen hatten, nicht mehr zurück, sie bekamen auch kein Gold mehr für die Dinge, die sich diese Menschen davon gekauft hatten und das Schlimmste: Sie mussten den Menschen, denen sie versprochen hatten, ihr Gold aufzubewahren und zu vermehren, den Menschen also, die ihnen vertraut hatten, nun sagen, dass ihr Gold für immer verloren schien. Schnell verbreiteten sich Gerüchte unter den Menschen und man redete überall über die dummen, gierigen Trolle, wollte ihnen an den Kragen und sich das Gold zurückholen und die Trolle bekamen es mit der Angst zu tun.

So sprachen sie also beim alten, weisen König vor, klagten ihm ihr Leid, das nicht nur das ihre war, sondern das Leid aller, jener, die tief in den Schulden steckten und diese nicht mehr bezahlen konnten und auch jener, die ihr Gold den Trollen anvertraut hatten, auf das es sicher gelagert sei und sich dazu auch noch vermehre, und auch sie, die armen Trolle, hatten gedacht, alles sei irgendwie gut und würde allen helfen, sie weinten, barmten und klagten und meinten, das nun gesamte Königreich in Gefahr sei, denn wenn alle arm wären, ginge es doch keinem mehr gut, sogar dem König nicht. So baten sie den König, der ihnen mit unveränderter Miene lauschte und nur ab und zu Zorn im Gesicht aufflackern ließ, nun endlich doch seine gut gefüllte Schatzkammer zu öffnen und die Höhle der Trolle wieder mit Gold zu füllen, auf das alles wieder gut sei und alle so wunderbar und glücklich wie bisher weiterleben könnten.

Der alte, weise König lachte. Er weinte. Er spottete, er schimpfte, er schrie und spie, schäumte vor Wut.

„Wie könnt ihr es wagen. Eure Dummheit und die Gier dieser vom Gold geblendeten Menschen, das soll ich nun noch mit meinen wertvollen Schätzen belohnen?“

Mit einem Wink schickte er seine ritterliche Garde aus, das restliche Gold aus der Höhle zu holen und diese dann zum Einsturz zu bringen, die Trolle aber ließ er vor den Augen der erschrockenen Dienerschaft im Hof der Burg köpfen und die vom Blut triefenden Köpfe auf den Zinnen der äußersten Mauer aufgespießen, so dass man sie schon weitem sehen konnte.
 
Do, 19.02.2009 |  # | (598) | 1 K | Ihr Kommentar | abgelegt: blogosophie



 

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20 von insgesamt 25 most read stories dieses Blogs stammen aus dem Jahre 2006, die restlichen fünf wurden in 2007 geschrieben und gelesen. Danach war also nichts mehr sonderlich bemerkenswert. Mir ist das ganz recht. Absteigende Äste, Abwärtsfahrten mit dem Schlitten oder auch das ungebremste Herunterrollen vom Idiotenhügel haben mir schon immer sehr viel Spaß gemacht. Obwohl, in 47 Kommentaren sonnt es sich doch auch manchmal ganz schön.

[Drei Jahre Suchanfragen.]
 
So, 08.02.2009 |  # | (745) | 61 K | Ihr Kommentar | abgelegt: blogosophie



 

Lose Reflektion

So ist der Großstadtdepp: Als Flachlandtiroler das Haus trotz Schneefall in Turnschühchen verlassen, dünne Söckchen bedecken das frierende Eisbein, am Ende leidet man an grausam kalten Füßen, gefährlicher Rotz läuft einem aus der Nase – dabei denkt man auch immer irgendwie an „The Stand. Das letzte Gefecht“ von Stephen King – in den nächsten Tagen dürfte man wohl an schwerstem Nierenversagen dahin siechen, das Ende ist nah. So ist der Großstadtdepp. Niemand rechnete überhaupt noch mit Winter, Schneefall und gefrorene Seen, das wurde doch längst verdrängt, vom Frühling im Dezember 2007 und auch Januar 2008, sowie schon im Jahr davor, so dass man völlig überrascht und überfordert ist und das Haus in Turnschuhen aus billigem Kunststoff verlässt, statt in ordentlichem Schuhwerk aus Leder, hoch geschnürt bis über den Knöchel. Typisch. Mit der andauernden Kälte wächst dann auch die eigene Aggressivität. Schon wieder sitzt so ein Depp auf meinem gut beheizten Stammplatz in der Straßenbahn, schon wieder rennt man durch die Nacht und die Nase gefriert, rote Wangen brennen, Fingerkuppen schwärzen sich, als hätte man den Mount Everest ohne Handschuhe bestiegen, das Gehirn läuft im Stromsparmodus, mach doch mal bitte einer den Frühling an. Dann meckert man eben über die Pollen. Hatschie.

Das Internet ist die große Auftaumaschine, eine Lötlampe für die eingefrorenen Windungen, denn hier gibt es alles, für jeden. Na gut, dabei etwas für sich heraus zu fischen, also Dinge zu finden, die man genau so haben wollte und gar nicht anders, an denen man sich erfreut oder auch mal reibt, erregt, also nicht im pornografischen Sinne – davon gibt es ja auch reichlich – nein, eher im gedanklichen, intellektuellen Sinne, das ist tatsächliche, erfreuliche Arbeit. Ein Interesse daran vorausgesetzt. Manchmal ist es das Wühlen im Schlamm, manchmal das Fischen im Trüben und manchmal schwebt man auf Wolke Sieben, wenn man nämlich entdeckt hat, dass es Stellen gibt, an denen genau die gleichen Dinge gedacht werden, die man selber denkt, oft noch ein wenig erweitert, ausgeschmückt, verbessert, aber auch genau Gegenteiliges, das einem dann auch logisch erscheint oder gerade nicht, weshalb man dann noch einmal seine Position überdenkt und sich selbst neu ausrichtet. Und das alles vom heimischen Sofa aus, also wie früher, als man sein Fernsehprogramm mit der Fernbedienung bestimmte, allerdings nur, um zu konsumieren oder vielleicht seine Meinung im kleinen Kreise kund zu tun, heute kann man allen Internetmenschen mit seiner Meinung auf den Sack gehen, diese können dann also auch öffentlich angepisst oder tatsächlich erfreut sein oder auch ignorieren, das Schicksal des Großteils der privatschreiberischen Meinungen. Egal. Das ist doch die Freiheit. So kann man zum Beispiel die Kommentare auf Welt.de abscheulich finden und dann gar nicht mehr lesen, weil man weiß, dass sich hier ein Pool mit Unverbesserlichen befindet, man kann sich aber auch darüber lustig machen oder oder oder. Freiheit.

Woher kommt dieses Denken? So etwas fragt man sich doch täglich. Wenn zum Beispiel der Nachwuchs den Einsatz von Überwachungskameras für absolut normal hält, ja, sogar davon ausgeht, dass damit kleinere und größere Verbrechen verhindert werden können, dann fragt man sich, woher das kommt. Wo hast du das aufgeschnappt? fragt man oder woher diese Assoziation kommt, diese Schlussfolgerung, dass die ständige bildliche Aufnahme von Orten in Verbindung mit der Auswertung dieser Bilder durch überwachende und entscheidende Instanzen, irgendein Vergehen oder Verbrechen verhindern könnten, was ist das für ein Glauben? Ein Siebenjähriger denkt ja nicht darüber nach, dass dabei auch viel falsch laufen kann, muss. Man sieht einen Typen mit schwarzer Jacke, schwarzer Mütze, einem Schal mit Streifen, der Geld abhebt, von einem Konto und wenig später wird der Automat manipuliert und irgendeiner behauptet, dass könne doch nur der gewesen sein und dann überwacht man eben alle, die irgendwie Ähnlichkeit mit diesem Typen haben, hört Telefone ab, durchsucht Wohnungen, schnüffelt im Müll, das ganze Programm und die Betroffenen können eben nicht mehr frei leben, werden eingeschränkt, obwohl sie zu mindestens 90 Prozent unschuldig sind, damit geht der gesamte Rechtsstaat verloren und da setzt dann also der ganz private Bildungsauftrag ein. So ist das doch letztendlich mit Kindern, wenn man denkt.
 
Mo, 02.02.2009 |  # | (595) | 5 K | Ihr Kommentar | abgelegt: blogosophie



 

Am Abgrund

Amy Winehouse nach Ehestreit im Krankenhaus, Ex-Minister Clement tritt aus SPD aus, Vorzeitige Haftentlassung von Christian Klar im Januar, Piraten entführen Supertanker, Rettungspakete, Finanzkrise, Rezession, Deflation, Arbeitslosigkeit etc. pp.

Bergab, bergab, so auch mein letzter Gesprächspartner, statt in den Hörer des Telefons biss ich lieber in die Tischkante, mal wieder und wieder und wieder. Stiege ich in diesem Tempo auf den Mount Everest - was ich allein wegen der zu befürchtenden Kälte dort oben sowieso nie machen würde - erfröre ich schon nach wenigen Metern. Im Tal.

Nun denn, schreiten wir trotzdem voran, amor fati steht auf dem Banner, welches im Winde verweht. Es ist zwar kalt, erfroren sind wir aber noch lange nicht.
 
Di, 25.11.2008 |  # | (415) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: blogosophie



 



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Online seit: 08.02.2006
Letzte Aktualisierung: 03.06.2024, 07:57


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