|
Der Tag verging, das Dunkel brach herein Es schneite schon, aber nichts blieb liegen. Zum Glück, sage ich, denn gestern abend, im vorwinterlichen Herbstgewinde, fiel mir ganz spontan ein: Skiurlaub wäre für mich die Hölle. Werde am Wochenende mal wieder Dante lesen, etwas für meine gute Laune tun. Das tut ja sonst niemand mehr. Im Gegenteil. Man wird wohl seine Lehre daraus ziehen. Jede Seite.
Vereinzelt Kind2 steht am Tisch, schau dir mal die Haare an, sagen wir, und schneidet ganz in sich versunken Dreiecke aus einem Blatt Papier, konzentriert und weltvergessen, rollt dabei die Zunge und schneidet und schneidet, mir fällt der Satz des Pythagoras ein, Kind1 interpretiert diesen gleich richtig und kurz vor der obligatorischen Gute-Nacht-Geschichte protestiert Kind2 lautstark gegen das Wegräumen des entstandenen Minischnippselhaufens. # Paul Kalkbrenner (sehr laut und auch wunderbar melancholisch) und The Matthew Herbert Big Band (einfach nur). Trotzdem die Welt nicht verstehen. # Immer wieder Reisen in virtuelle Welten. Die Faszination des Künstlichen, Grafiken, Interaktion, manchmal träume ich von Literatur, die in Bits und Bytes gegossen wurde. Aber bitte nicht Second Life. # Im Traum Abwasserrohre verlegt. Mit bloßen Händen im lehmigen Boden gewühlt. # Ich glaube, Kafka verstanden zu haben. In einem Raum stehen und denken: Genau so wird er das gemeint haben. # Wie man es schafft, an die Oberfläche steigende Beschimpfungen und Wutausbrüche immer wieder zu bändigen. # Irgendwann kommt der Gedanke, ein virtueller Messie zu sein. Wissen wird gesammelt, es liegt herum, auf Festplatten, in Mailaccounts, irgendwo, und es bleibt die Frage: Was nutzt dieses Wissen? Ist es am Ende nicht völlig nutzlos? Die Dinge wiederholen sich, als wollte man wirklich, dass sie sich immer wieder genau so wiederholen. Natürlich gibt es immer wieder Stimmen, die viel Gutes sagen und von Veränderungen sprechen, sie werden aber nicht gehört oder missverstanden und fehlinterpretiert oder aber die Veränderungen benötigen Jahrtausende, um ihre Wirkung zu entfalten, so dass sie über viele Generationen gar nicht wahrgenommen werden. Dazu gehörte allerdings Wissen, Wille, Verantwortung. Und genau daran zweifle ich.
Ein immer wiederkehrender Prozess S. tritt durch die Tür, draußen tobt ein Sturm, Wolken ziehen, dicke Tropfen schlagen S. ins Gesicht, die Haare wirbeln wild herum, er fröstelt, und drinnen umfängt ihn Wärme. Nicht die wohlige Wärme eines gut geheizten Wohnzimmers im Winter, dafür ist dieses Gebäude nicht geschaffen, diese Wärme ist eher erdrückend, schwer, nur der alles durchdringende Kaffeegeruch erheitert ein wenig die Seele, bringt Farbe in die staubige Luft. Lange Gänge, mit verschiedenen Farben gekennzeichnet, Tür an Tür an Tür, der Boden ist abgewetzt, die Türen verschlissen, früher waren sie vielleicht einmal buchefarbend, heute klebt überall Schmutz und die Farbe blättert ab, die Wände scheinen neu getüncht, Reinweiß ins Grau übergehend, darüber liegt Stille. Hier arbeiten Rechtspflegerin neben Rechtspflegerin, an den Türen stehen Namen, aber es gibt dazu keine Gesichter, keine Aufgaben, hier nicht die Orientierung zu verlieren, fällt schwer. Ab und zu schleppen sich Menschen mit traurigen Gesichtern durch die langen, engen Gänge, Gerichtsverhandlungen, Prozesse, Anträge, Urteile, erdrückend die Macht, die hier im verborgenen liegt, Bedrohungen, ausgelöst durch die unerbittliche Wärme, die, wenn man nicht die schwere Winterjacke abgelegt hat, zu einer erdrückenden Hitze wird, Schweißperlen bilden sich auf der Stirn, der Atem geht schneller, die Gedanken rasen und dann, dann stellt S. am falschen Ort die richtigen Fragen oder am richtigen Ort die falschen Fragen und schnell merkt er, dass nur eine Chance hat, die für immer verloren sein wird, wenn er sie jetzt verpasst.
Kein Waldspaziergang Was fehlt, ist ein Waldspaziergang. Ein Waldspaziergang, begleitet von viel Zeit und die tief stehende Herbstsonne strahlt durch die hohen Kronen der Kiefern, die Wege sind matschig, aufgeweicht vom Herbstregen, unter alten Bäumen breiten sich grüne Moosteppiche aus, weich und voller Wasser, das herausquillt, sobald man auf ihnen geht und darüber braunes, welkes Gras, in dem sich Tautropfen und der Regen der vergangenen Tage gesammelt haben, das Kreischen eines Eichelhähers, das Hämmern eines Spechtes, in der Ferne flüchten Rehe und irgendwo streift ein Fuchs durchs Unterholz, auf der Suche nach Mäusen, Kaninchen, ein wenig Aas. Schorfheidenromantik, Pilzsuchererlebnisse, auch Wanderungen im Harz, die Kälte des morgendlichen Waldes, die Einsamkeit zwischen den dunklen Stämmen der Kiefern, leichter Nebel liegt über allem, dann kommt die Sonne hervor und man setzt sich auf das, was gerade da ist, ein Baumstamm, ein Baumstumpf, ein alter Stein aus rötlichem Granit, trinkt heißen, dampfenden Tee, isst andächtig ein Brot und um einen herum ist Stille, nur ein paar ferne Geräusche vielleicht, das Bellen eines Hundes auf einem versteckten Gehöft und ganz weit weg ein wenig befahrene Straße, aber sonst die reine Stille. Mehr braucht es nicht. [Bilder aus der Schorfheide]
1008 Reale Weltkriegsatmosphäre ... für nur 44 Euro [Werbung eines Elektromarktes, Zuspitzung der Krisen]
Vereinzelt Krisenzeiten bringen die unglaublichsten Gerüchte ans Tageslicht, Ängste, die in dunklen Kellern schmoren und nur auf günstiges Klima warten, kriechen die Kellertreppe hinauf und klopfen leise, aber stetig an die Hintertür. Dunkel, neblig, feucht und kalt, schön kalt muss es sein, dann kommen sie hervor, werden an die Oberfläche gespült und halten die Leute davon ab, ebend die Dinge zu tun, zu denen sie die schöne bunte Werbewelt animieren möchte, animieren muss. Nein, sie werden lieber in der Hütte sitzen und Pläne schmieden. # Lego-Basteln statt Beruhigungspillen. # Angefangen, interessant erscheinende Wörter auf alten Visitenkarten zu notieren. Von abgeblasen bis Zwiebelsaft. # Ärzte, Bigotterie in weiß. (Im Meer der Pauschalisierungen.) # so löst man wohl letztlich auch die frage mit berlin: ist es schön oder hässlich? nicht, indem man stilfragen diskutiert. sondern, indem man lebt, entdeckt und es lieben lernt, stück für stück. # Mehrmals den Himmel über Berlin gepriesen, der an allen anderen Orten auch nicht anders ist, mehr oder weniger spektakulär, heute, morgen, irgendwann, aber ich bin ja hier und nicht an anderen Orten und deswegen pries ich mehrmals den Himmel über Berlin. # Eine alles umfassende Müdigkeit.
|
![]() (geborgt bei flickr)
Online seit: 08.02.2006
Letzte Aktualisierung: 03.06.2024, 07:57 Links: ... Home ... Blogrolle (in progress) ... Themen ... Impressum ... Sammlerstücke ... Metametameta ... Blogger.de ... Spenden Archiviertes:
Suche: |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|