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Major Tom

Der große Vorteil meines Aufenthaltes auf dieser Raumstation ist der Abstand. Nur hier gewinnt man wirklichen Abstand zu allem, zwangsläufig, mehrere tausend Kilometer über dem blauen Planeten. Obwohl, in der Sahara oder in der Antarktis könnte es wohl ähnlich still und leer sein. Aber weniger komfortabel. Jedenfalls habe ich hier meine Ruhe und wenn mir das ständige Labern der Controller aus dem Kontrollzentrum ("Alles roger da oben?") auf die Nüsse geht, schalte ich den Kanal einfach stumm: Houston, we have no problem. Toll sieht das von hier oben aus, alles, vorhin kam die Sonne wieder rum und ich konnte in Ruhe die abschmelzende nördliche Polkappe betrachten, ein paar Eisbären ertranken oder verhungerten ("Och, Knut."), irgendwo verschwand wieder eine kleine Insel, bei uns sitzen Sie in der ersten Reihe und mit dem Zweiten sieht man hier oben durchs Eletronenteleskop besser als da unten. Alles öffentlich-rechtlich. Dann träumte ich. Vor meinem Auge sah ich riesenöltankergroße Arche Noen (stimmt das so?) den sterbenden Planeten verlassen, darauf Menschen und Tiere (aber nur die Guten), jedes Raumschiff angeführt von einem Captain namens William T. Kirk Shattner, eine billige Kopie dieses berühmten Enterprise-Mannes, der die Leute mit Durchhalteparolen auf das Leben 2.0 auf der Erde 2.0 einstimmte. Es kann nur besser werden.

Die Menschheit machte sich also vor meinem geistigen Auge auf, in weite Fernen, in Richtung Planet xy327, ein erdähnliches Kügelchen, weit weit weg von der alten gammligen Erde, auf dem die Überlebenden ihr altbekanntes Leben in Ruhe weiterführen können, vorerst ohne Katastrophenalarm und mit riesigen Rohölvorkommen, wird dieser Planet die Menschen länger aushalten? Ich aber bleibe hier in meiner kleinen, gemütlichen Raumstation und mache es mir gemütlich. Jetzt auch mit Adventskranz, aber bitte kein offenes Feuer. Ein netter Ingenieur installierte mir eine komplette Kinoanlage mit tollstem Sound und packte mir praktischerweise die gesammelten Werke menschlicher Kinogeschichte ein, auch ein paar Fernsehserien sind dabei, Sopranos und so, also lehne ich mich zurück und genieße völlig losgelöst und in aller Ruhe die Überbleibsel der eher guten Versuche menschlichen Entertainments (der Mann hat Geschmack - endlich mal alle Folgen "Twin Peaks" in Ruhe schauen, da hat der doch tatsächlich diese Goldbox beigepackt), während die da unten weiter an den riesenöltankergroßen Menschheitserrettungs-Raumschiffen basteln (das erinnert mich irgendwie an "Civilisation") und versuchen, vor sich selbst wegzulaufen.
 
Fr, 14.12.2007 |  # | (633) | 3 K | Ihr Kommentar | abgelegt: verstaendnisuebung



 

Gedankengang

Musik. Ja, Musik, das geht immer. Pulsschlag, im Takt, Musik also, immer Neues entdecken. Neuland. Und dann Bilder. Bilder, lieber als Texte, alles inzwischen viel zu anstrengend, obwohl, dieser eine geht und bringt eine neue Idee, aha, eine Idee, da ist sie, aufgeschnappt und eingepackt, ein Text, kein Blog, nein, nein, bloß nicht, Ausgeburt der Langeweile, nein, sogenannte Weltliteratur, wenn das der Autor wüsste, er versteckte sich hinterm Ofen, ist aber nicht mehr, der Gute. Also ein Text, eine Idee, denn da gab es das passende Bild dazu und auch das Wetter spielte mit und die Musik, ja, die passt ja immer, aber irgendwo auch wieder langweilig, die Idee, statisch und dynamisch zugleich, statisch die Handlung, dynamisch die Gedanken, Assoziationen. Also, eine Musik mit Bildern und Texten, hätte der Tag doch mindestens noch achtundvierzig Stunden mehr.
 
Mi, 12.12.2007 |  # | (499) | 2 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fragmente



 

Windpark



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Di, 11.12.2007 |  # | (698) | 0 K | Ihr Kommentar | abgelegt: bilder erklaeren die welt



 

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Bilanz: Zwei Bände "Harry Potter" in fünf Tagen ausgelesen, was auch immer mich anspornte, wohl allein die Frage nach dem Unsinn im Sinn. Oder so. "Schneewittchen und die 7 Zwerge", davon zwei weiblich, in der Schule wird auch nur mit Wasser gekocht, denn die böse Stiefmutter musste am Ende nicht auf glühenden Kohlen tanzen und kam auch nicht zu Tode, ansonsten wunderbar. Eine Fahrt im Riesenrad - ich bin ein Schisser. Glühwein. Einen tot geglaubten Staubsauger zum Leben erweckt, einem weiteren Haushaltsgegenstand künstliches Leben eingehaucht (DVD-Player), beim Kartenspiel nur zweiter geworden - Glück in der Liebe? Wahrscheinlich. Einen Weihnachtsbaum erlegt, zünftig beim Händler, nicht im Wald, man muss noch Steigerungsmöglichkeiten offen lassen, allerdings ließ man von mehreren Seiten durchblicken, dass die Perfektion eines nicht lebendigen und wiederverwendbaren Baumes auch geschätzt würde. Blasphemie! Wo bleibt da die Kültür!? Kürzlich las ich, dass diese echten, duftenden Weihnachtsbäume, so nicht im heimischen Wald von Hand geschlagen und mit dem Pferd nach Hause transportiert, ökologisch bedenklich sind. Also doch die wiederverwertbaren? Mit Tannenduftspray? Es kommt ja nur auf das Feeling an. In zwei Wochen ist es soweit, DAS Geschenk ist schon da. Ja, wie geht das denn? Was denn noch? Und dann alles hier auch noch im Poesieälbchen breittreten, überhaupt völlig uninteressant for the professionellen Journalisten from the Süddeutsche Zeitung. Mir doch egal. Demnächst noch mehr unprofessionelles Zeug, ich hab da meine Meinung.
 
Mo, 10.12.2007 |  # | (592) | 7 K | Ihr Kommentar | abgelegt: reality blogging



 

Wo ist denn nun die Mitte?

Wie fühlen sich wohl abgebrannte Brennstäbe aus stillgelegten Kernkraftwerken? Wie fühlt es sich an, auf der Spitze des Mount Everest zu stehen? Bei Sonnenschein, nach neunstündigem, nächtlichem Aufstieg (also jetzt nur für die letzten 200 m) und einem Sauerstoffgehalt in der Luft, der klares Denken, ja, das Leben an sich quasi unmöglich macht? Die Sache mit dem Mount Everest interessiert mich tatsächlich, irgendeine, nicht näher beschreibbare Todessehnsucht in mir, vielleicht auch nur schnöde Abenteuerlust oder aber reiner Wahnsinn, lassen mich tatsächlich in Erwägung ziehen, eines Tages dort oben zu stehen. Du hast doch nen Knall. Vielleicht ist es auch das. Oder doch der innere Schweinehund? Der Wahnsinn? Und wie fühlt sich nun so ein abgebrannter Brennstab an, seines kühlenden Wasserbeckens beraubt und zur Wiederaufbereitung in irgendeiner geheimen iranischen Atomwaffenbasis eingelagert? Das sind die Fragen, die einem am Rande des Jahres umtreiben. Wahrscheinlich gilt es aber auch nur, sich zu distanzieren, einen Weg sehr weit abseits von der neuen konservativen Mitte, die vor kurzem so unmissverständlich von der großen Bundeskanzlerin und großen Parteivorsitzenden proklamiert wurde, zu finden. Es geht darum, sich von der Mitte, dem Mittelmaß, dem Durchschnitt zu distanzieren, obwohl man selbst wohl auch eher dazu gehört, wegen dieser und jener Geschichte, jetzt schauderts mich. So wird es sein: Lieber Mount Everest ohne Atemschutz, als konservative Mitte. Wer will schon gern zu "den anderen" gehören?
 
Fr, 07.12.2007 |  # | (606) | 3 K | Ihr Kommentar | abgelegt: schleichender wahnsinn



 

Adventskranz

Mit dem Morgen kommt das Grauen. Zitternd, frierend erwachen, die Glieder schwer, schmerzend, Kopf, Rücken, Beine, bin ich das oder doch der hustende, schnaufende, alte Mann, der mich gestern annieste und mich unglaublich anekelte? Jetzt nur nicht schlapp machen. Du, sage ich, aber deine Augen sind genauso schwer wie meine, schwerer noch, du willst etwas sagen, aber dein Mund bleibt verschlossen. Regenwasser rinnt die Rinne hinab, es tröpfelt und plätschert, ein starker Wind bläst gegen die Hauswand, meine Decke fliegt vom Bett und ich trage meinen willenlosen Körper hinaus, geradewegs zum Arzneischrank, der die Linderung birgt. Gib mir alles was es gibt, so klingt es mir im Ohr und nach einer Weile wird der Kopf klar. Die Beine immer noch schwach, das Zittern hat sich tief in die Knochen gegraben, Knabengeschrei bringt den Antrieb, wären die nicht hier, herrschte hier Totenstille, Krankenhausmief, zum Glück nicht. Tee, Tee, Tee, den ganzen Tag fließt Tee aus Kannen, Weihnachtsschmuck schmückt sich von allein an verborgenste Stellen, warmes, gelbes Licht, dezent versteckt, Kerzenschein, es wird warm, kitschig muss es sein, höre ich aus dem Telefon, schön kitschig und wer Weihnachten nicht mag, scheint arm dran zu sein, scheint Geborgenheit nicht zu kennen, nun ja, sage ich, da konnte vielleicht etwas dran sein, aber Familie, das kann ja so manchem auch zur Last werden.

Das Grauen hat sich ein wenig gelegt. Zwischen dicken, dunklen Wolken schaut blauer Himmel hervor, Zuversicht ergreift uns, alle. Der Gang zum Arzneischrank ist obligatorisch, aber wir müssen raus, raus, raus hier, an die frische Luft, andere Umgebung, weg, weg von hier, sonst geht man ein, Langeweile mit Soße. Holländerviertel. Parkplatz an einem Laden, der für Schokolade aus Ziegenmilch wirbt, lactosefrei, aber schmeckt das auch? Kleine, rote Backsteinhäuschen - Backsteine aus Rathenow, 18. Jahrhundert - darin kleine Läden, "Kunst mit Sinn", "Laden 37", da muss ich schmunzeln. Die Liebste schwärmt aus, sie hätte auch gerne so einen kleinen Laden, nur Sachen, die sie mag, aber bitte nicht die Elfen, Made in China, das ist doch blöd, nee, nee. Dafür Herrnhuter Sterne. (Betrachten Sie bitte auch diese Internetseite.) Bringen wir doch ein wenig Licht in den Advent, die kleinen, roten und gelben, die strahlen ganz leise, unaufdringlich, kein buntes Bling-Bling, da bekommt man doch epileptische Anfälle, nein, gemütliches, warmes Strahlen, ein Stern im Fenster, dazu noch Tannenduft, Ende Dezember gerate ich immer ins Schwärmen, Träumen und dann später: Neujahrsernüchterung.

Weihnachtsmarktberieselung. Die Straßen sind noch recht leer, gutes Durchkommen, vorbei an den Ständen voller Unsinn, was soll man denn mit häßlichen Weihnachtsmannwitzfiguren, die auf Motorrädern sitzen und blechern "Jingle Bells" singen? Das nenne ich grausam. Glühweinstände, Lebkuchenherzen mit lustigen Sprüchen, komm Schatz, wir hängen uns eins um, vielleicht "Du bist mein Hasischnuckiputzi"? Nein, nein. So geht das nun auch wieder nicht. Was sollen die anderen denken? Welche anderen? Ach ja, da sind ja noch ein paar. Alles mögliche trifft man hier. Uns, eine bepelzte Lady, den forever-busy Manager, telefonieren bis zum Herztod, den mit Jogginghosen bekleideten Sternburger-Trinker, vielleicht gibts hier ein paar weggeworfene Flaschen im Mülleimer? Lass uns besinnlich bleiben, also gehen, irgendwann gehen die Lichter rundherum an, zum Nachmittag wird alles duster, es riecht nach Zimt und langer Bratwurst, Glühwein, Punsch oder Punch, steht einer Hütte geschrieben - da trifft dich der Schlag. Nun doch noch ein bisschen Feeling, ich will nach Hause, Plätzchen backen, so will es die Tradition, aber doch nicht mehr heute, sonst fallen wir noch um, vor Erschöpfung, lass uns einen Kaffee trinken, Sterne schauen, Herrnhuter Sterne - ich wusste gar nicht, dass wir schon oft durch Herrnhut gefahren sind - und wenn wir besinnlich werden wollen, singen wir gemeinsam "I love my Leid" oder vielleicht doch "I love my Spießerleben"?
 
Mi, 05.12.2007 |  # | (539) | 2 K | Ihr Kommentar | abgelegt: fragmente



 

Aus dem Baum gesehen


 
Fr, 30.11.2007 |  # | (628) | 6 K | Ihr Kommentar | abgelegt: bilder erklaeren die welt



 

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Pornoproduktion. Wieso dies? Im Rollstuhl eine alte Frau mit Pornobrille. Ich trage Textfragmente vor, in einer Sprache, die niemand spricht. Im Hintergrund Wissende: So geht das aber nicht und so schon gar nicht, also wissen Sie, Sie hätten sich mal schlau machen sollen, bevor Sie hierher gekommen sind und jetzt sagen Sie mal bitte die Wahrheit. Was ist die Wahrheit? Welche Wahrheit von den vielen?

Neben Maeve Binchy las sie das Buch von David Beckham, also die Biographie - Biographien lebender Menschen, nun ja - und fühlt sich eng verwandt mit Viktoria, den versteinerten Gesichtsausdruck, bloß kein Lächeln und wenn, dann nur künstlich, dieses proletenhafte Zurschaustellen von Reichtum, sie könnte das.

Sekundenbetrachtung.

Das Spiegelbild lügt nicht, nur die Interpretation des Sichtbaren ist problematisch. Bist du das wirklich? So freundlich der Blick, aber hinter der Fassade? Was ist da los? Unterdrückte Angst. Abscheu. Doch, ab und zu merkt man das. Die Welt, grau und grün, schwarz und weiß, bedrückendes Bild, aber ist es denn wirklich so schlimm? Jammer, nur um des jammern willens? Jeden Tag Feste feiern, fröhlich sein und trinken und lachen und essen, bis der Magen sich biegt, nur weil die Welt noch nicht in Trümmern liegt? Es gibt immer schlimmeres, arge Schicksale, gebeuteltes Leben, es geht dir gut, sagst du und ich sage: Na und? Kann es nicht etwas geben, das den Wohlstand auffrisst, wegbrennt, ätzt und reibt und alles mögliche in Frage stellt? Fragen wird man wohl noch stellen dürfen, bevor sich Zufriedenheit breit macht und das Denken nachlässt oder nur noch zur Aufteilung der erwarteten Lottomilliönchen eingesetzt wird . Ja, ja, ja, sagst du und schaltest das Radio ein, einfach könnte es sein, hören wir und draußen ist es dunkel und darum isses aber nich und am Ende sind wir einfach: Aufgewacht.
 
Fr, 30.11.2007 |  # | (801) | 8 K | Ihr Kommentar | abgelegt: auf der borderline nachts um halb zwei



 



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