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Nicht in den Fernseher geschaut, den "Echo" verpasst, nicht gebloggt, zumindest nicht darüber, nur im Kopf, ein wenig. Nicht geschlafen, die Nase in den Sonne gehalten, ganz real, ohne fake, genauso wie die Speckröllchen an der Hüfte und das ansetzende Doppelkinn, vorbei an Jugendwahn und Schlankheitseuphorie, Hüfthosen und dämlichem Geschwätz, Türen geschmissen, geschwitzt, gefroren und gelacht, an Sachen gedacht, Sachen, die sonst niemand denkt oder nicht darüber redet, Schweigen, überall wird viel geredet, aber die Dinge, die einem durch den Kopf gehen, hört man nie, Geschwätz, manchmal möchte ich nur schreien. Nachts sind alle Katzen grau und die Straßen dunkel, Stille, endlich Stille, weit in der Ferne rauscht es noch ein wenig, irgendwo in Mitte finden sie nicht zur Ruhe, die armen Seelen, an den Sträuchern vor dem Balkon wachsen zierliche grüne Blätter, die Kastanien werden schwer unter dicken Knospen, im Garten blüht die Nektarine, Schnecken unter einem Stein, die Terasse frisch gefegt. Weltenschmerz oder Sonnenstich, so ein Unfug, denke ich mir, doch manchmal kommt man sich überall fehl am Platze vor, ja, gut, das ist mein eigenes Ding, mein Problem, alles ganz individuell, so wie ich es mag. In den Spiegel geschaut, die Morgensonne quer im Gesicht, frisch gejammert, auch keine Lösung, nicht einmal ein Weg, den es zu beschreiten lohnt, sag es, sag ich mir, sprich es aus, spuck es in die Welt, irgendjemand wird es hören und wenn nicht, so wie andere vögeln um gevögelt zu haben, sagst du es, um es gesagt zu haben. Selbstzweck, Realität, wer weiß das schon.
Müde. Sehr, sehr müde.
Spontane Einfälle beim Zähneputzen: Immer auf der Suche nach dem schnellen Klick. Ein Schelm.
Vergänglich ![]()
Bahnfahrt Ein Frau in einem dunklen Mantel drängt sich durch die Straßenbahn, sie trägt eine große eine Tasche, ein kleiner, aber offensichtlich sehr schwerer Koffer, den sie angestrengt durch den Gang bugsiert, macht ihr ein schnelles Durchkommen schwer, kleine Schweißperlen sammeln sich auf ihrer Stirn. Sie ergattert einen Platz in einer der vorderen Reihen mit Zweiersitzen und besetzt gleich beide freien Plätze. In der Hand hält sie eine Fahrkarte, sie ist sichtlich erleichtert, atmet leise säufzend aus und vertieft sich in eine Zeitung. Später wird sie von schlecht drei gelaunten Kontrolleuren in blauer BVG-Uniform, die sich betont laut redend um sie scharen, aus der Bahn geworfen, im wahrsten Sinne des Wortes. Alles sehr unfreundlich, unhöflich, es wird mit Polizei gedroht, ein Wille zur Dienstleistung, Hilfsbereitschaft gegenüber der verunsicherten Frau ist nicht erkennbar. Die Fahrkarte sei von der S-Bahn, die scheinbar nicht zur BVG gehört, folglich hätte sie diese abstempeln, "Entwerten!" müssen, sie tat es nicht und nun versteht sie die Welt nicht mehr, sie spricht nur gebrochen Deutsch. Niemand sagt etwas, alle schauen betreten zu Boden, sie steigen aus, draußen regnet es, verloren steht sie da, zwischen den aufrechten Kontrolleuren, wieder ein Opfer gefunden, Strafe muss sein. Die Bahn fährt weiter und die vier an der Haltestelle stehen gebliebenen rücken in weite Ferne. Vor mir sitzt ein kleiner verschrobener Mann, der versucht, durch seinen großen Kopf viel zu kleine Lesebrille eine Fernsehzeitschrift zu lesen, Formel-Eins-Sonderteil, ab und zu beugt er sich weit nach vorn, mit dem Kopf in den Gang, um die kleinen Bildunterschriften erkennen zu können, vorbeiströmende Menschen reißen ihn dabei fast vom Sitz, ständig blättert er vor oder zurück, er wirkt verwirrt, spricht leise mit sich selbst, selbstvergessen. Im hinteren Teil des Wagens stehen drei junge Mädchen, kurz vor dem pubertären Höhepunkt, ihr Alter schwer zu schätzen. Es geht um Checker, Ärsche, MTV und Klingeltöne, jedes zweite Wort ist "Alter!", Klingeltöne werden ausgestauscht, Jamba hat jetzt eine Flatrate, höre ich, demnächst werde ich wohl irgendeinen Musiksender einschalten und die Welt nicht mehr verstehen. Altertum. Ich kämpfe mit meinem Buch, das Buch mit mir, die letzte Nacht war kurz und voller Unterbrechungen, es gab Zeiten, da konnte ich mich ins Bett legen und augenblicklich einschlafen, diese scheinen nun vorüber, der Schlaf gewinnt, das Buch verliert, unglaublich müde schlafe ich mit hängendem Kopf ein.
![]() Bullshit-Bingo war grad aus, also musste der gelangweilte Kuli ran. Ich nenne dieses Werk "Abgefahrener Dilettantismus" und zähle es, rein subjektiv, zur "Kompost-Moderne".
Bloggen hilft auch nicht immer weiter, denke ich mir. Ab und zu. Die Frage nach dem Stuhl im Orbit - dies übrigens auch dann und wann von Google angefragt - konnte mir bis heute keiner beantworten. Damit dürfte wohl das Bild eines die Erde umkreisenden Kackhaufens für immer in mein Gehirn eingebrannt sein. Schönen Dank auch.
Reiseland Deutschland Wunderbar, diese Reiseberichte. Schmunzelcontent, sozusagen, war aber sicherlich nicht so beabsichtigt. Noch besser gefiel mir aber diese kleine Abwandlung.
Search request: iTunes zum inhalieren Ja, Ihnen geht es also auch so. Einfach mal die gesamte Sammlung digitalisierten Liedguts inhalieren, einfach mal den Kopf aufschrauben und die ganze Suppe hineinschütten, es entstünde ein wohltuender Krach, fast nicht auszuhalten und wenn man dann verzweifelt abschaltet, hallt die Musik noch lange nach und ein Grundton kristallisiert sich heraus, eine Grundschwingung, der rote Faden, an dem man sich entlang hangelt und der einem den Weg weist.
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![]() (geborgt bei flickr)
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