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Zwei Seelen in einer Brust, beobachtet beim Kaffeklatsch, die eine mit doppelten Espresso in einer Tasse mit viel zu kleinem Henkel, mit ordentlich Zucker, das ergibt ein bittersüßes Gebräu, bittersüß ist ja nicht unbedingt die schlechteste Gemütslage, die andere mit einem frech süßen Mocchachino, ein komisches Mixgetränk, für die mittelmäßigen, langweiligen Tage im Leben, ab und an ganz interessant. Dazu gibts scheinbar auch Alkohol. "Schreibst grad nicht so viel, mmmhhh? "Joa, ähm, nöö, na ja, doch, eigentlich schon. Wie mans nimmt." "Hör auf zu stammeln, Stammliger. Und nicht rot werden. Wollte ja nur wissen." "Ja, nee, hast ja recht, aber, irgendwie kriecht es vor sich hin." "Was?" "Das innere Tier." "Du meinst deinen Schweinehund, den du nicht in Griff bekommst?" "Pah, Schweinehund, den lass mal stecken. Gestern erst habe ich den Angriff der sieben Zwerge über mich ergehen lassen. Zum Glück war ich nicht ganz allein, sondern hatte noch Rotkäppchen mit dabei, eine ganze Flasche für mich allein. Und noch eine für die Angebetete." "Und dann sitzte hier schon wieder und trinkst Rum?" "Hahaha, was für ein Wortspiel. Wir haben sie in den Griff bekommen, alle sieben Zwerge, wir hielten sie in Schach, obwohl Schneewittchen nicht kam, nur eine böse Hexe." "Lass mal deine Familienprobleme stecken." "Probleme? Probleme? PROBLEME? Du bekommst gleich welche. Jedenfalls legten wir sie um, nein, nicht wirklich, obwohl wir das zeitweise gern getan hätten, aber sehen wir aus wie Vincent Vega und Jules Winnfield? Nö, ich bin dünner als Travolta und die Angebetete hat schon gar nicht solche Löckchen. Na ja, ganz abgesehen von der Hautfarbe. Trotzdem haben wir sie umgelegt, haben uns nicht übertölpeln lassen. Doch nicht von sieben Zwergen. Aber, das muss man ihnen lassen, sie haben uns geschafft. Selbst die shopping-erprobte Angebetete." "Jammerlappen. Es gibt Menschen, die ertragen so etwas berufsmäßig." "Dickes Fell, vermute ich. Aber: Hut ab! Was ich aber eigentlich sagen wollte: Den Schweinehund, diesen räudigen, hab ich dreckiges Tier sein lassen, hab mir blütenweiße Gedanken gemacht und schon gings. Trotzdem kriecht das innere Tier vor sich hin, ganz gemächlich, aber stetig." "Rätselhafter, sprich dich aus." "Kennst du das nicht, dieses Gefühl, an etwas unbestimmtes denken zu müssen, dieses Gefühl, dass sich irgendwo in der letzten Ecke der Denkanstalt etwas ungreifbares eingeschlossen hat und nur ab und zu ganz kleine, gold-glänzende Fäden herauslässt, die dich vermuten lassen, was dahinter stecken könnte? Und denn stehst du vor der Tür, bist verblüfft über das ganze glitzernde Gewusel, dass aus den kleinen Ritzen hervorkommt und rüttelst wie ein Verrückter an der Tür, ohne sie tatsächlich öffnen zu können?" "Hol doch mal Luft, Verrückter." "Hör zu, hör zu! Was steckt denn nun dahinter, was? Was versteckt sich dort? Und, was, wenn die Tür tatsächlich irgendwann aufgeht? Erstrahlt dann alles in goldenem Glanz? Oder vergeht das wunderbare Glitzern in genau diesem einen Moment und dann ist alles vorbei? Oder öffnet sich gar so eine Art Büchse der Pandora und heraus tritt eine Ansammlung von Bösartigkeiten?" "Du verwirrst mich. Was meinst du denn mit diesem ganzen Mist?" "Manchmal hebe ich diese Streifen auf, schaue sie mir an, schau mir an, was sie bedeuten könnten, vermute, rätsle, staune. Manches davon schreibe ich auf, manches vergesse ich auch gleich wieder, die Streifen zerrinen einfach so in meiner Hand, lösen sich auf und das tut meistens weh. Und dann, meistens nachts, wenn alles still ist, alles schläft, liege ich wach und dann stehe ich eben vor dieser Tür, rüttle daran, mal ganz vorsichtig, dann wie ein Verrückter, aber sie öffnet sich nicht. Nein, sie bewegt sich nicht einmal. Nur den Glanz dahinter, den kann ich trotzdem erahnen, kann spekulieren, rätseln, mich verzaubern lassen, sehen kann ich dasgroße Ganze nicht. Ein komisches Gefühl." "Spinner. Echt jetzt. Trink mal noch einen. Ich werd dich nie wieder fragen, ob du schreibst oder nicht. Du machst mir Angst."
5 Jahre, bitterkalter Abend, mit dem Auto über die Straßen geholpert, jedes Rucken des Wagens eine Qual, die gepackte Tasche auf dem Rücksitz, alles fühlt sich an, wie ein kräftiger Schlag in die Magengrube. Es geht los, es geht los. Hektik bleibt aus, alles so, als ob man es schon einmal durchgespielt hat, unaufhaltsam durch die Dunkelheit, später gedämpftes Licht, alles neu, alles anders, hilflos daneben stehen, nichts wirklich tun können, außer da zu sein, das Wunder bewundern ohne zu begreifen, nicht wirklich mitfühlen können, nichts ändern können, der Moment, an dem man eins wird, wie am Anfang, geschafft, alles so zart und zerbrechlich, so klein, so vollkommen, Stille. Einsam mit einem Hochgefühl, einem unglaublichen Kribbeln im ganzen Körper, durch die dunkle, leere Stadt fahren, alles andere ist egal, es gibt nur diesen einen wunderbaren Gedanken. Selbstvergessen den Rauch in die kalte Luft atmen, sich einen ordentlichen Schluck gönnen, glücklich zum Telefon greifen, scheiß auf die Uhrzeit, schnell die Nummer wählen: Ja, er ist da.
Russische Nächte Ich bin ein unsichtbarer Vogel, ich bin ein losgelöstes Tier. Ich seh die ganze Welt im Fliegen, aus wunderschönen Perspektiven. (Olli Schulz, Unsichtbarer Vogel) ![]() Wunderschöne Nacht, dunkel, kalt und still, "alles schläft, einsam wacht", da könnte ich glatt zum Sänger werden, die Gitarre auspacken und gesungene Geschichten erzählen. Schlimm nur, dass dabei die Stimmung flöten ginge, denn singen war noch nie meine Stärke und Gitarre, na ja, wer bringts mir bei? Deshalb kritzle ich unvollkommen und still in mein kleines Heftchen hinein, kritzekleine Gedanken, alles nicht der Rede wert, würde ich zeichnen können, könnte ich an den richtigen Stellen noch ein paar Skizzen anbringen, aber auch das ist nicht mein Ding. Lieder und Bilder bleiben also ungesungen und ungemalt in meinem Kopf, genauso wie verworrene Träume, in denen ich ganze Beiträge im Blog erträume, inklusive der Kommentare, ganze Diskussionen erträume ich mir, teilweise in russischer Sprache, dann schwimme ich mit einem kleinen russischen Jungen in einem Haifischbecken, ich glaube, es war in Florida, alles ganz lustig, der Hai ist ein Delphin, der sich als Weißer Hai verkleidet hat, dann wird es dunkel, die Eltern laden mich zum Essen ein, es gibt Borschtsch, Pelmeni und natürlich Wodka, guten Wodka, und am Ende sitzen wir alle am warmen Ofen, mit roten Nasen und glühenden Wangen, der Großvater, Deduschka, spielt auf der Balalaika, natürlich, wir singen schwermütige Lieder von der Heimat, Rodina, weite Felder, grenzenlos, endlose Weite, karge Holzhütten hier und da, alte Frauen sitzen davor und unterhalten sich, sie haben kaum noch Zähne im Mund, Mütterchen, Babuschka, sage ich zu einer, erzähl mir von deinem Leben, erzähl, bis Wehmut und Melancholie mich packen, bis ich am Boden liege, bis ich nicht mehr kann. Und sie erzählt und erzählt und ich schreibe russische Kommentare in mein Blog, diskutiere, an allem vorbei, verstehe nichts, nicht sie, nicht andere, nicht einmal mich und am Ende liege ich schlafend mit dem Kopf auf meinem Notizbuch, wache auf und erkenne wirre Schrift, kaum zu entziffern, Hieroglyphen, teilweise kyrillisch, wieder einmal eine verworrene Nacht, die Dämmerung lässt auf sich warten, ich lege mich ins Bett und falle in einen traumlosen Schlaf.
Ja, nee, ist klar. Blogger-Prototyp. Erinnert mich irgendwie an ISO-Norm und Weihnachtshohlkörper. Letztere mag ich ja gern, auch zu Ostern, am besten ohne Füllung. Blogger mag ich am liebsten so, wie sie sind, auch wenn sie aus Versehen ihr Blog anzünden oder mal für nen Tag zu machen. Oder, oder, oder. Man will ja keinen vergessen. Und wenn Bloggen morgen nicht mehr "Bloggen" heißen sollte, sondern "Hatschi", dann sag ich "Gesundheit" und mag trotzdem noch alle. [via]
Manche Tage fangen eckig an und enden unerwartet rund. Heute morgen holperte ich mich durch die Gegend, fluchte über eine verpasste Bahn und schlechten Kaffee, nach Sonnenuntergang fing ich an zu lächeln, so ist das, wenn etwas so läuft, wie man es sich vorgestellt hat. Yes. Dann ein ganz privates Konzert zu Hause, Männer allein zu Haus, sie tun nichts von dem, was sie eigentlich sollten, schon gar nicht, wenn sie verboten gute Laune haben. Gerade als ich lautstark ein soulmates never die durch die Bude jaulen wollte, erschien mir Bob der Baumeister, nein, nicht das Kaninchen, ein blonder Zwerg, gelb behelmt, wild hüpfend und Luftgitarre spielend, soulmates never die. Später wurde ich mit "Ach, da ist ja der Latte-Mann" empfangen, ich war perplex und wollte den Spruch gleich auf mein T-Shirt haben. Ich beobachtete Espresso schlürfend drei junge Damen beim Tratschen, unglaublich, worauf Frauen so alles achten, Mann entgeht tatsächlich einiges, ist mir alles noch nicht aufgefallen. So, und jetzt, jetzt geh ich erstmal rauchen, für den Genuss, nicht für die Sucht, die ist längst überwunden.
Nicht unmotiviert, derzeit, allerdings ein wenig verkrampft. [Diese losen, kurzen Sätze werden scheinbar zum Freitagsritual. Eins, zwo.]
Ruhe in Frieden Gestern zog der schwarze Duft des Todes durch die in diesem einen Moment viel zu stille Wohnung, ein letztes, kraftvolles Zucken und eine kleine Kaninchenseele entschwand in vielleicht weit entfernte Regionen, verließ den geschundenen Kaninchenkörper, befreite sich von den Fesseln des irdischen Kaninchenlebens, entschwand leise aus seinem goldenen Käfig. Ein schmerzlicher Verlust, vor allem für die Kinder, die dieses kleine, schwarze Tierchen unbedingt nach diesem komischen Baumeister mit den sprechenden Baumaschinen benennen mussten, fortan wird dieser uns also an unser armes, kleines Zwergkaninchen erinnern. Gierig stürzte sich der kleine Racker auf die ihm täglich dargebotenen Leckereien, Möhren, altes Brot, Kartoffelschalen oder Heu, er lebte in Saus und Braus und fraß auch nur ein oder zwei Mal ein Kabel an, er meinte es nicht bös, das lag in seiner Natur, ansonsten war er ruhig und wunderbar erträglich, vor allem wenn man regelmäßig seinen Käfig säuberte, kuschelig und biss auch nie, na gut, bis auf dieses eine Mal. Vielleicht mochte er mich auch einfach nicht. Ruhe in Frieden, du süßes Tier, wir werden dich vermissen, die Kinder werden immer wieder in den Himmel hinauf schauen und an dich denken, bei deinem Kumpel, dem Hamster, war das auch schon so. Gute Reise und vergiss uns nicht.
Warten auf den Weihnachtsmann (Der Titel gefällt mir nicht, vielleicht fällt mir noch etwas besseres ein.) In Rudow blinken lauter bunte Lämpchen. Das ist natürlich übertrieben, aber in einem kleinen Eckchen so beobachtet, ich habe es so gesehen, da kann ich nichts für. Bei uns ist es dagegen dunkel und kalt, ein Freund meinte einmal: "Ihr wohnt doch schon fast in Polen." Tiefster Osten, fast Sibirien, aber beschaulich. Vor allem im Winter, wenn es krachend kalt ist, Minus fünfzehn Grad, Windchill Minus dreißig, Sonnenschein, ohne Handschuhe sterben nach fünf Minuten die Fingerkuppen ab, beim Auftauen dann ein unbarmherziges Brennen, Glühwein intravenös, das wäre ein Traum. Mutige Schlittschuhläufer auf dem ächzenden Eis des Obersees, drüber spaziert und schief angeschaut, was nicht ist, kann nächstes Jahr noch werden. Der Weihnachtsmarkt war nichts für claustrophobische Menschen, insgesamt kein wirkliches Vergnügen und nicht einmal mit einer herbstlichen Dorfkirmes vergleichbar. Manchmal wünsche ich mich in ein klitzekleines Häuschen, irgendwo an einem fernen Gletscher, Sonnenaufgang über den Bergen, glasklare Luft, der Atem gefriert sofort zu kleinen Kristallen, die langsam zu Boden rieseln, an der Baumgrenze umkreisen hungrige Wölfe lauernd unter der grausamen Kälte leidendedes Wild, der Schnee ist verharscht, die Läufe halb verhungerter und schwacher Rehe blutig von den rasiermesserscharfen Kanten des gefrorenen Schnees, das schwächste Tier verliert den Kampf, die Wölfe überleben, gesättigt, in der Nacht als Sieger heulend, ich sitze auf der Terrasse, eingewickelt in dicke Felle und schaue den großen, weißen Mond an, der sich auf der gltizernden Eisfläche des Gletschers widerspiegelt, ein Haus am Meer wäre allerdings auch nicht verkehrt. Träume am Crepes-Stand. Fünfzehn Minuten warten für einen weichen, warmen Teiglappen, gefüllt mit Apfelmus, nicht für mich, bitte. Ich nehme eine Brezel und nein, keinen Glühwein, mir reichen schon die Ausdünstungen der mich umgebenden Menschenmassen, noch einmal Kettenkarussel fahren, Freiheit in luftiger Höhe, alles dreht sich im Kreis, das Gerät schwankt ein wenig, unsicher, neigt sich auf und ab, alles in 360 Grad, Mädchen kreischen laut, das ist ja wie im echten Leben, nur steh ich unten und mache ein schlechtes Foto. Schlecht. Das ist mein Stichwort. Nein, ich fühle mich nicht schlecht, es geht mir auch nicht schlecht, aber manchmal empfinde ich mich so. Ich sollte aufhören zu lesen, Gedichte und Geschichten, da wird man neidisch, fängt an, an sich selbst zu feilen, bis nur noch ein Stumpf übrig ist, traurig, hässlich, kaum der Rede wert. Stimmt nicht, Selbstbewusstsein ist der passende Gegensatz aus dem Emotionsbaukasten, meine Schwester hat ein kleines, dickes Schweinchen am Spiegel zu kleben, man sieht morgens garantiert besser aus als dieses ringelschwänzige rosa Dickerchen. Wir suchen die Lücke, stellen uns etwas abseits zum dahinfließenden Strom der vergnügungswilligen Menschenmassen, ich beobachte, denke, früher gab es Kinderchöre auf dem Weihnachtsmarkt, heute gibt es die ca. 1/2 Meter lange Bratwurst und Lumumba, ich gehöre nicht dazu, bin trotzdem ein Teil davon, sie drängeln, schubsen, murren, lachen, rauchen, rennen oder bleiben stehen. Am Ende flieht die ganze Familie, die Kinder hatten ihren Spaß, besonders der eine, der ganz oben auf meinen Schultern saß, er hatte den Überblick, hob sich ab von der Masse, kindliche Betrachtung von oben, anderes Blickfeld sowieso. Für den Notizblock (Fragen, die demnächst erläutert werden sollten): Gibt es einen zweiten Weltraum? (kindlich-philosophisch, abgeleitet aus "Ich hab dich bis zu dem anderen Weltraum lieb." - eine dankend angenommene Liebeserklärung, erwidert, den Hinweis auf die eventuelle Unmöglichkeit weggelassen, Kinder soll man träumen lassen.)
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![]() (geborgt bei flickr)
Online seit: 08.02.2006
Letzte Aktualisierung: 03.06.2024, 07:57 Links: ... Home ... Blogrolle (in progress) ... Themen ... Impressum ... Sammlerstücke ... Metametameta ... Blogger.de ... Spenden Archiviertes:
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